Der Weg „Duales Studium“ klingt verlockend: Geld verdienen, studieren und direkt Praxiserfahrung sammeln. Klingt nach dem perfekten Deal. Aber eine Frage sorgt oft für Verwirrung: Was steht am Ende eigentlich auf dem Papier?
Bist du „nur“ Bachelor-Absolvent*in? Hast du automatisch auch eine abgeschlossene Ausbildung in der Tasche? Und ist der Abschluss genauso viel wert wie der von einer klassischen Hochschule? In diesem Guide dröseln wir den Begriffsdschungel für dich auf. Wir schauen uns an, welche Abschlüsse es gibt, wo die Unterschiede liegen und worauf du bei deiner Entscheidung achten solltest – los geht’s!
Kurz erklärt: Was ist ein dualer Studienabschluss?
Ein dualer Studienabschluss ist ein akademischer Hochschulabschluss, den du durch ein Studium an einer Hochschule oder Berufsakademie erlangst – kombiniert mit intensiver Praxiserfahrung in einem Unternehmen. Im Unterschied zum klassischen Vollzeitstudium bist du während des gesamten dualen Studiums in der Regel fest in einem Betrieb eingebunden und sammelst dort kontinuierlich berufliche Erfahrung.
Das Wichtigste in Kürze:
- Du schließt mit einem Bachelor (oder Master, je nach Studiengang) ab – das ist ein anerkannter akademischer Grad.
- Bei ausbildungsintegrierenden Modellen erhältst du zusätzlich einen Berufsabschluss (z. B. IHK/HWK-Abschluss).
- Der Abschluss ist international anerkannt und berechtigt grundsätzlich zu einem weiteren Aufbaustudium (z. B. Master) oder Berufseinstieg.
- Besonderheit: Berufsakademien vergeben formal keine Hochschulgrade, sondern staatliche Abschlussbezeichnungen – diese sind aber den akademischen Abschlüssen gleichwertig.
Welchen Abschluss hat man mit einem dualen Studium?
Die kurze Antwort: In den allermeisten Fällen handelt es sich um einen Bachelor-Abschluss – also einen vollwertigen ersten akademischen Grad, der international anerkannt ist und dich grundsätzlich für ein Masterstudium oder den direkten Berufseinstieg qualifiziert. Aber – und das macht die Sache etwas komplexer – es gibt verschiedene Abschlusstypen, je nachdem, welches duale Studienmodell du wählst und an welcher Art von Hochschule du studierst.
Tabelle 1: Die drei häufigsten Abschlussarten im Überblick
Bachelor: Der Standard-Abschluss im dualen Studium
Der Bachelor ist der Regelabschluss in fast allen dualen Studiengängen. Er entspricht dem europäischen Bologna-Reform und ist international anerkannt. Du studierst in dieser praxisintegrierten Version in der Regel 6 bis 8 Semester (bei ausbildungsintegrierenden Modellen oft länger, siehe unten den Doppelabschluss) und sammelst dabei 180 bis 240 ECTS-Punkte.
Typische Bachelor-Bezeichnungen im dualen Studium:
- Bachelor of Arts (B.A.): z. B. Wirtschaft, Soziales, Management, Gesundheit
- Bachelor of Science (B.Sc.): z. B. Informatik, Naturwissenschaften, Technik
- Bachelor of Engineering (B.Eng.): z. B. Ingenieurwissenschaften, Maschinenbau, Elektrotechnik
- Bachelor of Laws (LL.B.): z. B. Rechtswissenschaften, Wirtschaftsrecht
Gut zu wissen:
Einer Studie des CHE Centrum für Hochschulentwicklung (2025) nach waren im Wintersemester 2023/24 insgesamt 141.733 dual Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben – die überwiegende Mehrheit strebt also einen Bachelor-Abschluss an.
Doppelabschluss: Bachelor + Berufsabschluss
Beim ausbildungsintegrierenden dualen Studium – dem Klassiker unter den dualen Formaten – erwirbst du zwei vollwertige Abschlüsse gleichzeitig:
- Einen akademischen Bachelor (z. B.: B.Sc. Wirtschaftsinformatik)
- Einen staatlich anerkannten Berufsabschluss (z. B. Fachinformatiker*in für Anwendungsentwicklung)
Wie funktioniert das konkret?
- Du absolvierst parallel zum Studium eine IHK- oder HWK-Ausbildung.
- Du besuchst neben der Hochschule auch die Berufsschule.
- Am Ende legst du zwei getrennte Prüfungen ab: eine Hochschulprüfung und eine Kammerprüfung.
Gut zu wissen:
Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB, 2024) machen ausbildungsintegrierende Studiengänge etwa 31 % aller dualen Studiengänge aus – mit rund 24.637 Studierenden bundesweit.
Master-Abschluss: Dual studieren nach dem Bachelor
Ja, es gibt auch duale Masterstudiengänge – allerdings deutlich seltener als duale Bachelor-Programme. Sie richten sich meist an Berufstätige, die bereits einen ersten Hochschulabschluss haben und sich weiterqualifizieren möchten.
Wie funktioniert das konkret?
- Berufsbegleitend oder berufsintegrierend organisiert
- Voraussetzung ist häufig ein abgeschlossener Bachelor (oder gleichwertig) + Berufserfahrung
- Abschluss: M.A., M.Sc., M.Eng. oder MBA
Gut zu wissen:
Der CHE-Studie zufolge steigt die Nachfrage nach dualen Master-Angeboten, insbesondere in den Bereichen Management, Ingenieurwesen und IT. Dennoch bleibt der Bachelor der Standard im dualen Studium.
Ausbildungsintegrierend vs. praxisintegrierend: Was ist der Unterschied?
Viele verwechseln die beiden Formate – gerade zu Beginn deiner Recherche wirken die Begriffe ganz schön sperrig. Dabei gibt es entscheidende Unterschiede:
Tabelle 2: Ausbildungsintegrierend vs. praxisintegrierend: Was ist der Unterschied?
Wenn du also wirklich einen Doppelabschluss willst, solltest du das ausbildungsintegrierende Format wählen. Das praxisintegrierende Studium kann weniger zeitintensiv sein, bringt dir aber keinen zusätzlichen Berufsabschluss.
Ist ein duales Studium ein Hochschulabschluss?
Ja – in fast allen Fällen führt ein duales Studium zum vollwertigen Hochschulabschluss. Du erwirbst einen akademischen Grad (z. B. Bachelor oder Master), der denselben rechtlichen Status hat wie ein Abschluss aus einem klassischen Vollzeitstudium. Aber: Es gibt noch ein wichtiges Detail, das du bei deiner Recherche beachten solltest – Berufsakademien.
Was bedeutet das konkret für dich?
Wenn du an einer Fachhochschule, Dualen Hochschule (z. B. DHBW, DHSH, DHGE) oder Universität dual studierst, erhältst du einen vollwertigen Hochschulgrad. Dieser ist bundesweit und international anerkannt und berechtigt dich ohne Einschränkungen zum Masterstudium oder zur Promotion (mit entsprechendem Masterabschluss).
Wenn du an einer Berufsakademie (z. B. in Sachsen, Hamburg, Niedersachsen) studierst, erhältst du formal keinen Hochschulgrad, sondern eine staatliche Abschlussbezeichnung. Aber: Laut KMK-Beschluss von 2004 sind diese Abschlüsse den Hochschulabschlüssen gleichgestellt – du darfst dich „Bachelor" nennen und kannst grundsätzlich in Deutschland auch einen Master anschließen. Allerdings kann es vereinzelt vorkommen, dass Hochschulen eine Eignungsprüfung oder Deltaprüfung verlangen. Tendenziell wandeln sich außerdem immer mehr Berufsakademien in Duale Hochschulen um (z. B. DHBW Baden-Württemberg, Duale Hochschule Sachsen).
Für die allermeisten Karrierewege spielt der Unterschied zwischen Hochschulgrad und staatlicher Abschlussbezeichnung keine Rolle. Arbeitgeber*innen erkennen beide Abschlüsse an, und auch der Zugang zu Weiterbildungen oder Führungspositionen ist in der Regel problemlos möglich.
Wo es Unterschiede geben kann:
- Masterzugang: Manche Hochschulen verlangen bei BA-Absolvent*innen eine zusätzliche Prüfung
- Promotion: Ohne „echten" Hochschulgrad ist der direkte Zugang zur Promotion manchmal nicht möglich
- Internationale Anerkennung: In manchen Ländern wird der BA-Abschluss kritisch geprüft
Ein duales Studium ist ein Hochschulabschluss – entweder direkt (bei Hochschulen) oder gleichgestellt (bei Berufsakademien). In der beruflichen Praxis macht das in der Regel keinen Unterschied.
Welchen Titel führt man nach einem dualen Studium?
Nach erfolgreichem Abschluss deines dualen Studiums darfst du einen akademischen Titel führen – genau wie Absolvent*innen klassischer Studiengänge. Welcher Titel das ist, hängt von deinem Studiengang und deinem Abschluss ab.
Die häufigsten akademischen Titel im dualen Studium
Bachelor-Titel (am häufigsten):
- Bachelor of Arts (B.A.): Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften
(z. B. BWL, Soziale Arbeit, Marketing) - Bachelor of Science (B.Sc.): Naturwissenschaften, IT, Mathematik
(z. B. Informatik, Wirtschaftsinformatik, Gesundheitsmanagement) - Bachelor of Engineering (B.Eng.): Ingenieurwissenschaften
(z. B. Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen) - Bachelor of Laws (LL.B.): Rechtswissenschaften
(z. B. Wirtschaftsrecht)
Master-Titel (seltener dual):
- Master of Arts (M.A.)
- Master of Science (M.Sc.)
- Master of Engineering (M.Eng.)
- Master of Business Administration (MBA)
Was ist mit dem Berufsabschluss bei ausbildungsintegrierenden Studiengängen?
Wenn du ausbildungsintegrierend studiert hast, führst du zusätzlich zum akademischen Titel auch die Berufsbezeichnung deiner abgeschlossenen Ausbildung:
Beispiele:
- Bachelor of Science (B.Sc.) Wirtschaftsinformatik + Fachinformatiker*in für Anwendungsentwicklung (IHK)
- Bachelor of Engineering (B.Eng.) Maschinenbau + Industriemechaniker*in (IHK)
- Bachelor of Arts (B.A.) BWL + Industriekauffrau/-mann (IHK)
Diese Doppelqualifikation kann auf dem Arbeitsmarkt besonders wertvoll sein, weil du sowohl akademisch als auch berufspraktisch ausgebildet bist.
Mini-Selbstcheck: Passt ein duales Studium mit Blick auf den Abschluss zu mir?
Bevor du dich entscheidest, reflektiere gern ehrlich über diese Fragen:
1
Will ich einen akademischen Abschluss UND früh Berufserfahrung sammeln?
- Wenn ja → Das duale Studium verbindet beides perfekt
2
Brauche ich zwei Abschlüsse (Hochschule + Ausbildung)?
- Wenn ja → Wähle ein ausbildungsintegrierendes Modell
- Wenn nein → Ein praxisintegrierendes Studium kann ausreichen
3
Möchte ich später eventuell einen Master machen?
- Wenn ja → Achte darauf, dass du an einer Hochschule studierst oder dass der BA-Abschluss Master-berechtigt ist
4
Ist mir eine sehr gute Abschlussnote wichtig?
- Wenn ja → Bedenke, dass die Doppelbelastung im dualen Studium anspruchsvoll ist – Praxisleistungen werden oft wichtiger bewertet als Noten
5
Will ich wissenschaftlich arbeiten oder promovieren?
- Wenn ja → Ein klassisches Vollzeitstudium kann dich eventuell besser auf eine Forschungskarriere vorbereiten
- Wenn nein → Das duale Studium ist ideal für den direkten Berufseinstieg
FAQ – Häufige Fragen zum Abschluss im dualen Studium
Was heißt Studienabschluss?
Ein Studienabschluss ist ein akademischer Grad, den du nach erfolgreichem Abschluss eines Studiums an einer Hochschule oder Berufsakademie erwirbst. Im dualen Studium ist das meist der Bachelor (seltener Master), der dich im ersten Schritt als Hochschulabsolvent*in qualifiziert und dir Zugang zu weiterführenden Studien (Master, Promotion) oder zum Berufseinstieg ermöglicht. Der Abschluss wird in der Regel durch bestandene Modulprüfungen, eine Abschlussarbeit und ein Kolloquium erworben.
Was bedeutet dualer Abschluss?
Ein dualer Abschluss bezeichnet meist den Doppelabschluss aus akademischem Bachelor und staatlich anerkanntem Berufsabschluss, den du beim ausbildungsintegrierenden dualen Studium erwirbst. Umgangssprachlich wird der Begriff aber auch allgemein für Abschlüsse aus dualen Studiengängen verwendet – also für Studiengänge, bei denen Hochschule und Praxispartner eng verzahnt sind, selbst wenn nur ein Bachelor ohne zusätzliche Ausbildung gemacht wird.
Ist man nach einem dualen Abschluss Akademiker?
Ja, mit einem Bachelor-Abschluss aus einem dualen Studium bist du Akademiker*in – formal und rechtlich. Du hast einen vollwertigen Hochschulabschluss erworben und gehörst damit zur Gruppe der Hochschulabsolvent*innen in Deutschland. Das gilt unabhängig davon, ob du ausbildungs- oder praxisintegrierend studiert hast. Bei ausbildungsintegrierenden Modellen hast du zusätzlich einen Berufsabschluss – du bist also sowohl Akademiker*in als auch geprüfte Fachkraft.
Ist ein duales Studium wie eine Ausbildung?
Nein, ein duales Studium ist nicht dasselbe wie eine klassische Ausbildung. Du studierst an einer Hochschule und erwirbst einen akademischen Abschluss (Bachelor), während du gleichzeitig im Unternehmen arbeitest. Bei einer reinen Ausbildung besuchst du Berufsschule und Betrieb, machst aber keinen Hochschulabschluss. Ausnahme: Im ausbildungsintegrierenden dualen Studium kombinierst du beides – dann machst du tatsächlich eine Ausbildung und ein Studium parallel.
Wie endet ein duales Studium?
Ein duales Studium endet in der Regel mit der Abschlussprüfung, die aus Modulprüfungen, einer Bachelorarbeit (meist zu einem Praxisthema aus deinem Unternehmen) und/oder einem Kolloquium (mündliche Verteidigung) bestehen kann. Bei ausbildungsintegrierenden Studiengängen legst du zusätzlich eine IHK- oder HWK-Prüfung ab, um den Berufsabschluss zu erhalten. Nach erfolgreichem Abschluss erhältst du deine Urkunde(n) und darfst deinen akademischen Titel führen – viele können anschließend von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden.
Quellen & weiterführende Informationen
- Bundesinstitut für Berufsbildung (2025): AusbildungPlus – Duales Studium in Zahlen 2024.
- Bundesministerium für Bildung und Forschung (2022): Duales Studium: Umsetzungsmodelle und Entwicklungsbedarfe – Kurzbericht.
- CHE Centrum für Hochschulentwicklung (2024): CHECK Duales Studium in Deutschland.


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