Du hast gerade dein Abitur in der Tasche und überlegst, wie es beruflich weitergehen soll? Wenn du Spaß daran hast, anderen etwas beizubringen, Theorie und Praxis zu verbinden und junge Menschen auf ihrem Weg in den Beruf zu begleiten, könnte das Berufsschullehramt genau das Richtige für dich sein. Als Lehrer*in an einer Berufsschule unterrichtest du zum Beispiel Auszubildende und Lehrlinge in unterschiedlichsten Fachbereichen – von Elektrotechnik über Maschinenbau bis hin zu Wirtschaft und Sozialpädagogik. Keine Klasse muss der anderen gleichen, und genau das macht den Job spannend und abwechslungsreich.
Deutschland braucht dringend qualifizierte Berufsschullehrer*innen: In vielen Bundesländern gibt es einen Lehrkräftemangel, besonders in den MINT-Fächern. Das heißt, deine Chancen auf einen sicheren, krisensicheren Beruf sind derzeit besonders gut. Gleichzeitig erfordert das Lehramtsstudium Durchhaltevermögen – aber wer diesen Weg geht, bekommt die Möglichkeit, echten Einfluss auf die Zukunft junger Menschen zu nehmen und gleichzeitig fachlich auf hohem Niveau zu arbeiten.
Was macht ein Berufsschullehrer? Aufgaben & Arbeitsfelder
Die Wahl des Lehramts an beruflichen Schulen bietet dir die Chance, praxisnah zu unterrichten und direkt auf die Bedürfnisse der Ausbildungsberufe einzugehen. Anders als in allgemeinbildenden Schulen steht hier die Verbindung von Theorie und Praxis im Mittelpunkt – das macht den Beruf besonders vielseitig und spannend. Zu deinen Aufgabenbereichen können beispielsweise folgende Bereiche gehören:
1
Unterrichtsvorbereitung & Durchführung
Planung von Unterrichtseinheiten, Anpassung an unterschiedliche Leistungsniveaus, Integration praktischer Beispiele aus der Berufspraxis
2
Bewertung & Prüfungen
Leistungsbeurteilung, Erstellung und Korrektur von Prüfungen sowie Feedbackgespräche mit Schüler*innen
3
Betreuung & Beratung
Unterstützung von Auszubildenden bei schulischen und beruflichen Fragen, individuelle Förderung und Konfliktlösung
4
Schulorganisation & Verwaltung
Teilnahme an Konferenzen, Erstellung von Stundenplänen, Organisation von Projekten und Klassenfahrten
5
Weiterbildung & Schulentwicklung
Teilnahme an Fortbildungen, Implementierung neuer Lehrmethoden, Mitwirkung an Schulentwicklungsprojekten
Die Besonderheit gerade im Berufsschullehramt? Berufsschullehrer*innen müssen besonders flexibel sein, da sie mit heterogenen Lerngruppen arbeiten und auf deren Entwicklungsbedürfnisse – von Hauptschulabsolvent*innen bis zu Studierenden in Fachrichtungen mit höherem Leistungsniveau.
Als Berufsschullehrer*in unterrichtest du an einer Vielzahl von berufsbildenden Schulen. Dazu gehören unter anderem:
Tabelle 1: Mögliche Schultypen im Berufsschullehramt
Wie werde ich Berufsschullehrer*in? Studien- & Ausbildungswege
Es gibt durchaus verschiedene Wegmöglichkeiten, die dich ins Berufsschullehramt führen können – je nach Vorbildung, Bundesland und persönlichen Voraussetzungen. Wir erklären dir Schritt für Schritt beispielhaft vier Optionen, die für dich Möglichkeiten darstellen können.
1. Regulärer Weg: Lehramt an beruflichen Schulen
Der klassische Weg führt über ein Lehramtsstudium an einer Hochschule mit Abschluss Master of Education oder dem Staatsexamen, je nach Bundesland.
Studieninhalte:
- In der Regel zwei Unterrichtsfächer (z. B. Elektrotechnik und Mathematik, Wirtschaft und Deutsch)
- Pädagogik, Didaktik, Berufspädagogik
- Praktika und schulische Praxisphasen
Nach dem Studium folgt das Referendariat, das je nach Bundesland 12–24 Monate dauert. Danach solltest du bereit sein, selbstständig an einer Berufsschule zu unterrichten.
2. Quereinstieg: Über anderweitige Berufserfahrung ins Lehramt
Du kannst auch ohne klassischen Lehramtsabschluss Berufsschullehrer*in werden. Die Voraussetzungen können dabei wie folgt aussehen:
- Abgeschlossenes Hochschulstudium mit mindestens 7–8 Semestern
- Mehrjährige Berufserfahrung (in der Regel mindestens 2 Jahre) im Fachbereich
- Berufsbegleitende Masterprogramme oder pädagogische Weiterbildung
Viele Bundesländer – wie Hessen, Bayern oder Berlin – bieten Quereinstiegsprogramme an, die praxisnah auf den Schuldienst vorbereiten. In Hessen gibt es beispielsweise das QuiS-Verfahren, bei dem Bewerber*innen in speziellen Fachrichtungen (Elektrotechnik, Metalltechnik, Informatik, Gesundheit, Sozialwesen, Agrarwirtschaft, Wirtschaft/Verwaltung, Chemie/Physik) nach einer Qualifizierungsphase direkt eingestellt werden können.
3. Beruflich Qualifizierte: Lehrer werden mit Meister, Techniker oder Fachwirt
Du hast eine abgeschlossene Aufstiegsfortbildung wie Meister, Techniker oder Fachwirt? Dann hast du möglicherweise die Option, auch ohne Studium an Berufsschulen unterrichten zu dürfen. Voraussetzungen sind hierbei je nach Bedarf zum Beispiel:
- Meistertitel, Techniker- oder Fachwirtabschluss
- Mehrjährige Berufserfahrung (in der Regel mindestens 2 Jahre) im Fachbereich
- Eine einjährige wissenschaftliche Ausbildung in deinem Fachbereich
Damit erhältst du Zugang zum Vorbereitungsdienst und kannst in Mangelfächern als Lehrer*in tätig werden.
4. Q-Masterstudiengänge: Nachträglicher Lehramtszugang
Q-Masterprogramme richten sich an Absolvent*innen von Fachhochschulen oder Hochschulen ohne Lehramtsbezug.
- Aufbau auf bereits vorhandenem Fachwissen
- Erwerb von bildungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Kompetenzen
- Abschluss: Master of Education → regulärer Zugang zum Lehramt bzw. zum Vorbereitungsdienst (Referendariat)
Tabelle 2: Möglichkeiten zur Tätigkeit ins Berufsschullehramt
Studienfächer & Fachrichtungen im Berufsschullehramt
Wenn du Berufsschullehrer bzw Berufsschullehrer*in werden willst, hast du eine breite Auswahl an beruflichen Fachrichtungen und allgemeinen Unterrichtsfächern, die du kombinieren kannst. Je nachdem, ob du anderweitig beruflich qualifiziert bist oder durch einen Quereinstieg zum Berufsschullehramt gekommen bist, sind deine Fächer womöglich auch schon vorgegeben. Berufliche Fachrichtungen gibt es fast ausschließlich an Berufsschulen, Fachoberschulen oder Berufskollegs – üblicherweise nicht an Gymnasien oder Gesamtschulen.
An Berufsschulen unterrichtest du dementsprechend oft praxisnah in Fachbereichen, die direkt auf Ausbildungsberufe vorbereiten. Typische Fachrichtungen können beispielsweise die folgenden sein:
- Elektrotechnik
- Maschinenbau & Metalltechnik
- Chemietechnik & Laborwissenschaften
- Informationstechnik & Informatik
- Sozialpädagogik & Sozialwesen
- Gesundheit & Pflege
- Hauswirtschaft & Ernährung
Neben den Fachrichtungen wählst du oft ein oder zwei allgemeinbildende Fächer für den Unterricht, z. B.:
- Deutsch, Englisch
- Mathematik, Physik, Biologie
- Geschichte, Politik, Sozialkunde
- Fremdsprachen, z. B. Spanisch, Russisch, Italienisch
Um auf heterogene Lerngruppen optimal einzugehen, werden auch spezielle Zusatzqualifikationen vermittelt, z. B. Inklusion und Differenzierung, Deutsch als Zweitsprache und Berufspädagogik sowie Fachdidaktik.
Diese Kombination aus fachlicher Expertise und pädagogischem Know-how soll dich optimal auf den Unterricht an Berufsschulen vorbereiten – egal, ob in Bayern, Hessen, Berlin oder Baden-Württemberg.
Karrierechancen & Gehalt im Berufsschullehramt
Als Berufsschullehrer*in erwarten dich zukunftsfähige Karriereperspektiven und ein stabiles Einkommen – kombiniert mit einer sinnstiftenden Tätigkeit, die direkten Einfluss auf die berufliche Zukunft junger Menschen hat.
Das Einstiegsgehalt für Berufsschullehrer*innen nach dem Vorbereitungsdienst kann bundesweit in der Regel zwischen 4.000 € und 4.800 € brutto pro Monat (Stand: 2025) liegen. Mit wachsender Berufserfahrung, zusätzlichen Qualifikationen und Beförderungen sind Gehaltssteigerungen realistisch. Je nach Bundesland und Laufbahn (z. B. Beförderung zur Studiendirektorin oder Schulleitung) kann dein Einkommen weiter steigen – das macht das Berufsschullehramt (und das Lehramt allgemein) zu einer finanziell eher sicheren Tätigkeit.
In vielen Bundesländern kannst du als Berufsschullehrer*in verbeamtet und in die Besoldungsgruppe A13 eingestuft werden. Das bedeutet ganz konkret für dich: ein planbares Gehalt, eine sichere Altersversorgung und ein krisensicherer Arbeitsplatz. Alternativ ist auch eine Anstellung im Tarifvertrag der Länder (TV-L) möglich. Die Bezahlung liegt hier meist auf einem ähnlichen Niveau, allerdings mit etwas höheren Abgaben und ohne die langfristigen Beamtenvorteile. Dies ist jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und kann auch von deiner Steuerklassenwahl und Krankenkasse abhängig sein.
Die Möglichkeit, Beamter bzw. Beamtin auf Lebenszeit zu werden und nach Besoldungsgruppe A13 bezahlt zu werden, ist von mehreren Faktoren abhängig. In einigen Bundesländern sind Lehramtsabsolvent*innen zunächst im Angestelltenverhältnis beschäftigt, bevor sie unter bestimmten Voraussetzungen – wie etwa deutscher Staatsbürgerschaft, gesundheitlicher Eignung und manchmal auch einer Altersgrenze – in ein Beamtenverhältnis übernommen werden können. Dies beinhaltet ebenfalls eine Verbeamtung auf Probe. Ein genauer Blick auf die jeweiligen landesrechtlichen Vorgaben ist daher vor einer Bewerbung unbedingt ratsam.
Berufsschullehrer werden: Dein Weg in einen sinnstiftenden Zukunftsberuf
Egal, ob du frisch von der Schule kommst, bereits Berufserfahrung mitbringst oder als Quereinsteiger*in einen Neustart suchst – der Weg ins Berufsschullehramt kann dir mit dem dazugehörigen Vorbereitungsdienst offen stehen. Berufsschullehrer*innen sind gefragter denn je und gestalten aktiv die Zukunft der Fachkräfte in Deutschland. Selbst wenn du bisher wenig mit Pädagogik zu tun hattest, kannst du durch Quereinstiegsprogramme, Aufstiegsfortbildungen oder berufsbegleitende Masterstudiengänge gezielt in die Lehrausbildung einsteigen.


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