Der polyvalente Studiengang – vermutlich hast du diesen Begriff vor allem im Kontext von Psychologie zu hören bekommen. Bei uns soll es heute jedoch ums Lehramt gehen: Was ist ein polyvalenter Studiengang im Lehramtsstudium? Wie hängt der polyvalente Bachelor mit der Lehramtsoption zusammen?
Viele Studierende fragen sich, wie sich ein polyvalenter Zwei-Fächer-Bachelor vom klassischen Lehramtsstudium unterscheidet, welche Karrierewege offenstehen und wie der Übergang in den Master of Education funktioniert. Gleichzeitig bieten Hochschulen vereinzelte Hochschulen unterschiedliche Varianten dieses Studienmodells an, was zusätzliche Verwirrung stiftet.
In diesem Artikel erklären wir dir klar, verständlich und vollständig, was der polyvalente Studiengang im Lehramt bedeutet, welche Chancen er bietet und welche Besonderheiten in Deutschland – etwa die Ausnahme in Rheinland-Pfalz – gelten.
Was ist ein polyvalenter Studiengang im Lehramt?
Ein polyvalenter Studiengang im Lehramt ist in der Regel ein Zwei-Fächer-Bachelor, der so aufgebaut ist, dass er dir mehrere Bildungswege offenhält. Du studierst zwei gleichwertige Hauptfächer und häufig zusätzlich einen Optionalbereich, und kannst nach dem Abschluss entweder in den Master of Education (Lehramt) wechseln oder dich für einen fachwissenschaftlichen Master entscheiden. Dadurch ist der Studiengang ideal für Studierende, die sich noch nicht endgültig festlegen möchten.
Der Begriff „polyvalent“ bedeutet in diesem Zusammenhang: mehrere Verwendungs- und Anschlussmöglichkeiten. Die Lehramtsoption beinhaltet zusätzliche bildungswissenschaftliche Module, Fachdidaktik und schulische Praxisphasen, hier meistens im Optionalbereich abgedeckt. Ohne diese Option entfällt der pädagogische Teil, was mehr fachwissenschaftliche Tiefe oder andere Spezialisierungen ermöglicht.
Wie ist ein polyvalenter Zwei-Fach-Bachelor aufgebaut?
Ein polyvalenter Studiengang im Lehramt folgt einem klaren, modularen Aufbau, der an Hochschulen ähnlich strukturiert ist. Du studierst meistens zwei Hauptfächer (optional auch ein Hauptfach und ein Nebenfach je nach Hochschule), ergänzt durch fakultative oder verpflichtende Lehramtsmodule im Optionalbereich. Diese Module umfassen häufig Bildungswissenschaften, Pädagogik, Psychologie und Fachdidaktik – also die Grundlagen des späteren Lehrerberufs.
Besonders wichtig ist die Möglichkeit, die Lehramtsoption entweder von Beginn an zu wählen oder erst im Studienverlauf hinzuzufügen (abhängig von der Hochschule). Dadurch entsteht eine hohe Flexibilität für alle, die sich beruflich nicht sofort festlegen möchten. Auch orientierende Schulpraktika sind ein typischer Bestandteil, um den Berufsalltag kennenzulernen.
Für wen ist der polyvalente Bachelor mit Lehramtsoption?
Der polyvalente Bachelor mit Lehramtsoption ist die ideale Wahl für alle, die perspektivisch Lehrer*in werden möchten, aber gleichzeitig fachliche Alternativen offenhalten wollen. Durch die Kombination aus Fachstudium und pädagogischen Bausteinen erhältst du sowohl wissenschaftliches als auch praxisbezogenes Wissen.
Dieser Weg bereitet zielgerichtet auf den Master of Education vor, der in Deutschland der Standardabschluss für das Lehramt ist. Die Lehramtsoption enthält verbindliche Praktika, sodass du früh Praxiseinblicke bekommst und prüfen kannst, ob der Lehrerberuf zu dir passt. Wichtig ist auch, dass dieser Bachelor oft Zulassungsvoraussetzung für den M.Ed. ist – und ohne entsprechende Module ein Einstieg in den Lehramtsmaster nicht möglich wäre.
- Zugang zum Master of Education
- Frühzeitige Praxiserfahrung in Schulen
- Pädagogische und didaktische Ausbildung
- Gute Planbarkeit der Lehramtslaufbahn
- Möglichkeit, im Bachelor flexibel zu wechseln
Ein wichtiger Vorteil des polyvalenten Bachelors mit Lehramtsoption ist dementsprechend ebenfalls, dass er dir bewusst eine Option offenlässt, falls du während des Studiums merkst, dass der Lehrberuf doch nicht zu dir passt. Manche Studierende stellen in Praktika an Schulen fest, dass der Alltag in der Schule anders aussieht als erwartet – und genau hier zeigt sich die Stärke des polyvalenten Modells. Du kannst den Bachelor ganz normal abschließen und statt in den Master of Education in einen Master of Arts oder Master of Science wechseln, sofern deine gewählten Fächer dies zulassen.
Dadurch öffnest du dir fachwissenschaftliche Karrieren oder alternative Berufswege, ohne dass die im Lehramtsoptionsteil belegten Module verloren wären. Allerdings solltest du dir möglichst früh Gedanken machen, welche Jobs für dich realistisch sind, wenn du dich gegen das Lehramt entscheidest. Daher ist es bei solchen Gedanken sicher sinnvoll für dich, zusätzliche praktische Erfahrungen außerhalb der Schule zu sammeln – etwa durch Praktika oder Mini-Jobs im Kulturbereich, in Unternehmen, in Bildungseinrichtungen oder in Forschungseinrichtungen.
Auf diese Weise kannst du früh herausfinden, ob ein fachwissenschaftlicher oder außerschulischer Weg für dich attraktiv ist und welche Kompetenzen du dafür brauchst. Der polyvalente Bachelor bietet dir damit eine risikoarme Entscheidungsstruktur, die dir Zeit gibt, deinen beruflichen Fokus bewusst zu setzen.
Sonderfall Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz (z. B. an den Unis Mainz, Trier, Koblenz) unterscheidet sich die Lehramtsstruktur deutlich vom polyvalenten Modell anderer Bundesländer in Deutschland. Das Bachelorstudium besteht aus zwei Fächern plus Bildungswissenschaften, ohne dass es eine separate polyvalente Option gibt. Das Lehramtsprofil – also an welcher Schulform du später einmal arbeiten möchtest – wählst du in der Regel erst im fünften Semester.
Diese Struktur soll sicherstellen, dass alle Studierenden eine einheitliche Grundlage haben, bevor die Spezialisierung erfolgt. Praktika sind fester Bestandteil ab dem ersten Jahr, was den Praxisbezug besonders stark macht. Eine zentrale Vorgabe des Bildungsministeriums sorgt für diese einheitliche Ausgestaltung der Lehramtsausbildung im Bundesland. Damit gibt es in Rheinland-Pfalz kein separates polyvalentes Zwei-Fächer-Bachelorprogramm außer dem lehramtsbezogenen Bachelor of Education mit seiner schulartübergreifenden Anfangsphase.
Kann man mit einem polyvalenten Bachelor Lehramt unterrichten?
Mit einem Bachelorabschluss allein darfst du in Deutschland offiziell nicht als Lehrer*in an öffentlichen Schulen unterrichten. Der polyvalente Bachelor ist lediglich dein erster Schritt in der Lehrerausbildung. Du benötigst anschließend den Master of Education oder ein Staatsexamen sowie das Referendariat. Erst mit dem Zweiten Staatsexamen nach dem Referendariat erhältst du die volle Unterrichtsbefähigung. Mehr Informationen zum Quereinstieg findest du hier.
Ein Bachelor kann dir hingegen Tätigkeiten wie Nachhilfe, Unterrichtsassistenz oder Arbeiten in der Erwachsenenbildung (z. B. an einer VHS) eröffnen. Der volle Lehrer*innenberuf erfordert aber offiziell ein weiterführendes Studium.
Und was ist mit dem Staatsexamen?
Ob du nun dein Studium mit dem Bachelor bzw. Master of Education oder dem 1. Staatsexamen absolvierst, entscheidest du nicht unbedingt selbst - dies hängt in der Regel von der Hochschule ab, für die du dich entscheidest und welches Studienmodell diese verfolgt. Wer den Master of Education oder das Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen hat, kann sich in der Regel in allen Bundesländern in Deutschland für das Referendariat bewerben.
Ein Vorteil des polyvalenten Bachelors bzw. des Bachelor-of-Education-Modells besteht jedoch darin, dass du bereits nach etwa drei Jahren einen ersten vollwertigen Hochschulabschluss (Bachelor) besitzt. Beim Staatsexamen gibt es diesen Zwischenschritt nicht – der Abschluss erfolgt erst nach etwa fünf Jahren. Dadurch kann dir das gestufte System mehr Flexibilität bieten: Du kannst nach dem Bachelor neu entscheiden, ob du wirklich ins Lehramt gehen, für den Master of Education vielleicht eine neue Hochschule kennenlernen oder lieber in einen fachwissenschaftlichen Master (z. B. Master of Arts, Master of Science) wechseln möchtest. Achte hierbei jedoch darauf, ob du bei einem Wechsel alle deine Leistungen aus dem Bachelor ausreichen oder ob du vielleicht noch zusätzliche Credit Points sammeln musst.
Also: Diese Struktur kann besonders hilfreich sein, wenn du unsicher bist, ob der Lehrerberuf langfristig zu dir passt oder wenn du nach dem Bachelor alternative Karriere- oder Masteroptionen offenhalten möchtest.
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