Dual studieren – das geht auch in Lehramtsstudiengängen! Willst du Lehrer*in werden, aber nicht ewig warten, bevor du im Klassenzimmer stehst? Dann ist das duale Lehramtsstudium vielleicht genau das Richtige für dich. Hier lernst du nicht nur an der Hochschule, sondern sammelst von Anfang an Unterrichtserfahrung in der Schule – und kannst dafür sogar ein Gehalt bekommen. Klingt nach dem perfekten Mix aus Praxis und Sicherheit? Dann lies weiter: Hier erfährst du, wie das duale Studium Lehramt funktioniert, wo du es studieren kannst, was du verdienst und warum es gerade die Lehrer*innenbildung in Deutschland langfristig verändern wird.
Was bedeutet „duales Studium Lehramt“ überhaupt?
Seit März 2024 steht fest: Die Kultusministerkonferenz (KMK) führt in Deutschland Schritt für Schritt das duale Lehramtsstudium ein. Ziel ist, das Lehramtsstudium praxisnäher und moderner zu gestalten. Das duale Lehramtsstudium wird als strategisch gewünschtes Modell sukzessive in einzelnen Bundesländern als Pilotprojekt oder Modellversuch eingeführt. Der bundesweite Rollout bis 2030 ist Absicht, allerdings noch nicht verbindlich beschlossen. Bisher verlief die Ausbildung meist nach demselben Muster: Erst Theorie im Studium und vereinzelte Praktika, dann erst das Referendariat als längere Praxiserfahrung.
Das könnte sich jetzt für dich ändern, wenn du dich dafür entscheiden solltest. Im dualen Studienmodell sollen Studium und Schulpraxis von Anfang an eng verzahnt werden – du studierst also nicht nur an einer Hochschule, sondern arbeitest gleichzeitig an einer Schule. Dabei bekommst du regelmäßig Feedback von Mentor*innen, lernst Unterricht zu planen, Klassen zu führen und entwickelst dich schon im Studium zur Lehrpersönlichkeit. Das Ziel: Theorie und Praxis verschmelzen zu einer Ausbildung, die realistischer, effizienter und motivierender ist – für dich und für das Bildungssystem.
Daneben gibt es allerdings noch eine pragmatische Antwort: So wird Menschen mit einem ersten Abschluss (z. B. in MINT- oder technischen Fächern) die Möglichkeit gegeben, einen Quereinstieg zu wagen und sich durch einen sogenannten dualen Quereinstiegs-Master für den Lehrer*innenberuf zu qualifizieren. Welche Gründe dies hat, und Möglichkeiten und Modelle dies für dich konkret bereithält, erfährst du im nächsten Schritt.
Warum das duale Lehramtsstudium jetzt eingeführt wurde
Deutschland steckt im Lehrkräftemangel. Laut einer Studie des Stifterverbands steigen nur etwa 50 % der Lehramtsstudierenden tatsächlich ins Referendariat ein. Einige brechen vorher ab – unter anderem auch, weil die Verbindung zur Praxis fehlt oder die Ausbildung zu theoretisch ist.
Das duale Studium Lehramt soll das ändern. Es bietet dir:
- Mehr Praxiserfahrung ab dem ersten Semester
- Finanzielle Sicherheit durch ein festes Gehalt
- Bessere Begleitung durch Mentor*innen und feste Schulstrukturen
- Höhere Motivation durch echten Kontakt zu Schüler*innen
- Verbindliche Perspektiven, oft mit Übernahmegarantie bzw. vertraglicher Bindung im Bundesland
So soll nicht nur die Zahl der Lehrkräfte steigen, sondern auch die Qualität und Zufriedenheit im Lehrer*innenberuf. Auch Quereinsteiger*innen profitieren von den dualen Q-Masterstudiengängen und können ihre fachliche Expertise direkt in einen pädagogischen Kontext setzen.
Welche Modelle des dualen Lehramtsstudiums gibt es?
Mittlerweile weißt du, dass es verschiedene Zielgruppen gibt, die durch duale Lehramtsstudiengänge bedient werden können. Die KMK hat drei Hauptmodelle vorgeschlagen, die sich je nach Bundesland unterscheiden können. Hier bekommst du den Überblick:
Tabelle 1: Mögliche Modelle des dualen Lehramtsstudiums und deren Besonderheiten
Damit kannst du je nach Lebenssituation und Studienfortschritt den passenden Weg wählen – ob du direkt nach dem Abi startest oder schon einen ersten Studienabschluss mitbringst.
Wo kann man Lehramt dual studieren?
Bevor du nun die Websites deiner Wunschhochschulen durchsuchst und verwundert bist, weil du nicht fündig wirst: Noch gibt es keine flächendeckende Einführung des dualen Studiums für Lehramtstudiengänge. Das heißt konkret: Dass eine Hochschule das duale Lehramt als Studiengang anbietet, ist zurzeit noch die Ausnahme. Einzelne Bundesländer und Hochschulen sind jedoch schon gestartet oder stehen davor, solch ein Studienmodell umzusetzen.
„Noch beschränken sich die neuen Modelle auf wenige Hochschulstandorte und erreichen nur relativ kleine Kohorten. Duale Lehramtsstudiengänge beispielsweise gibt es bisher nur in sechs Bundesländern – oft in ausgewählten Mangelfächern wie Physik, Mathematik oder Informatik oder in Mangellehrämtern wie dem Lehramt für die Sekundarstufe I. In Baden-Württemberg wurden zum Wintersemester 2024/25 etwa 60 Studienplätze angeboten, in Sachsen-Anhalt 30.”
Prüfe unbedingt für deine Wunsch-Hochschule, ob ein entsprechendes Angebot vorhanden oder bereits in Planung ist! Im Folgenden findest du einige Beispiele über die ersten Standorte und Modelle, die für dich infrage kommen können – je nachdem, in welchem Bundesland du planst, langfristig arbeiten zu wollen:
Tabelle 2: Beispiele für ein duales Studium Lehramt in den Bundesländern (auch dualer Quereinstiegs-Master)
Achtung: Vermutlich hast du der Tabelle schon entnehmen können, dass du mit Vertragsabschlüssen und Gehalt in der Regel ebenso Verpflichtungen eingehst. Achte darauf, ob du diese tatsächlich – wortwörtlich – in Kauf nehmen möchtest. Im Falle der Uni Erfurt gehst du zum Beispiel bei erfolgreicher Bewerbung einen Vertrag mit dem hiesigen Schulamt ein, wodurch du verpflichtet bist, mindestens fünf Jahre in Thüringen zu arbeiten.
Das duale Lehramtsstudium befindet sich in Deutschland noch im Aufbau. Auch die Fächerwahl bzw. Fächerkombinationen sind derzeit noch sehr begrenzt. Hochschulen in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, NRW, Schleswig-Holstein und Brandenburg zeigen dennoch, wie Theorie und Praxis künftig enger verzahnt werden könnten. Ziel ist, angehende Lehrkräfte frühzeitig an Schulen zu binden, den Berufseinstieg zu erleichtern und dem bundesweiten Lehrkräftemangel entgegenzuwirken.
Voraussetzungen für das duale Lehramtsstudium
Ist dein Interesse geweckt, und du merkst, dass dein Bundesland dabei ist, das die duale Lehramtsstudienform anbietet, solltest du dir im nächsten Schritt die konkreten Voraussetzungen anschauen, die für das jeweilige Bundesland bzw. Hochschule gelten. Damit kannst du dich bestmöglich für deine Bewerbung vorbereiten - aber auch für die Entscheidung, ob das duale Lehramtsstudium tatsächlich zu dir passt. Die Programme betreffen bislang vor allem Mangelfächer (Mathematik, Physik, Informatik, Technik; teils auch Deutsch, Englisch, Sonderpädagogik) – informiere dich deswegen unbedingt regelmäßig auf den Seiten der Kultusministerien oder über die Info-Portale der jeweiligen Hochschulen über Voraussetzungen, Fächerwahl und mögliche Vertragsbindungen.
Nichtsdestotrotz kannst du allgemein davon ausgehen, dass in der Regel folgende Voraussetzungen gegeben sein können:
- Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder fachgebundene Hochschulreife
- Passende Fächerwahl (häufig MINT, Deutsch, Englisch, Sonderpädagogik, oder besondere Fächerkombination)
- Bewerbung direkt beim Land oder der Hochschule (oder parallel)
- Eignungsverfahren (zum Teil mit zusätzlichen Kriterien neben der Abiturnote) oder Auswahlgespräch
- Zum Teil Verpflichtung, nach dem Abschluss mehrere Jahre im Bundesland zu unterrichten (z. B. 5 Jahre in Thüringen)
- Vereinzelt studiengangsbezogene Praktika (z. B. an der Uni Stuttgart) oder Berufserfahrung vorausgesetzt (z. B. Uni Flensburg)
Gehalt im dualen Lehramtsstudium – so viel kannst du verdienen
Das duale Lehramtsstudium bietet dir etwas, das klassische Studierende oft vermissen: ein regelmäßiges Einkommen – und das bereits während des Studiums. Je nach Bundesland und Schulart können die Beträge variieren. In der Regel liegst du aber deutlich über der typischen Studierendenfinanzierung.
Tabelle 3: Mögliche Gehälter im dualen Lehramtsstudium
Bewerbungsprozess & Tipps
Das duale Lehramtsstudium ist mehr als ein Trend. Es ist Teil der neuen KMK-Strategie gegen den Lehrkräftemangel und soll voraussichtlich bis 2030 in allen Bundesländern etabliert werden. Damit steht fest: Das duale Lehramtsstudium wird langfristig ein fester Bestandteil der Lehrerbildung in Deutschland – modern, praxisnah und attraktiv für eine neue Generation von Lehrer*innen.
Du willst dein duales Lehramtsstudium starten? Dann heißt es: gut planen, rechtzeitig bewerben und – falls Teil der Bewerbung – vorbereitet ins Auswahlgespräch gehen. Der Bewerbungsprozess kann sich je nach Bundesland und Hochschule unterschiedlich gestalten, aber mit ein paar smarten Schritten kannst du dir deinen Platz sichern. Die Fristen liegen meist schon zwischen Mai und Juli für den Start zum Wintersemester. In Thüringen endet die Bewerbungsphase schon am 31. Mai, in anderen Bundesländern oft erst Mitte Juli.
Im nächsten Schritt folgt häufig ein Auswahlgespräch – online oder vor Ort. Dabei geht’s weniger um perfekte Antworten als darum, zu zeigen, dass du wirklich für den Lehrerberuf brennst. Nach der Zusage schließt du in vielen Bundesländern zunächst einen Vertrag mit dem Land oder einer Schule, bevor du offiziell an der Hochschule eingeschrieben wirst. Oft bewirbst du dich parallel bei Hochschule und Bundesland; die verbindliche Vertragsbindung gilt meist ab Studienbeginn. In Thüringen/Sachsen-Anhalt gibt es eine mehrjährige Verpflichtung (z.B. 5 Jahre nach Studium), andernorts nicht oder nach Wunsch.
Checkliste
- Frühzeitig informieren: Am besten schon im Winter vorher auf den Seiten der Hochschulen und Ministerien nach aktuellen Modellen und Fristen schauen.
- Beratung nutzen: Viele Unis und Schulämter bieten Infoveranstaltungen, Webinare oder Online-Sprechstunden an – ideal, um offene Fragen zu klären.
- Motivation zeigen: Betone in deinem Anschreiben, warum du praxisnah lernen willst und was dich am Unterrichten begeistert.
- Mehrgleisig fahren: Bewirb dich bei Interesse, wenn möglich, bei mehreren Hochschulen oder Bundesländern, um deine Chancen zu erhöhen.
Mit etwas Vorbereitung und echtem Engagement stehen deine Chancen auf einen Platz im dualen Lehramtsstudium richtig gut – und der Weg zu deinem Traumberuf als Lehrer*in beginnt früher, als du denkst.


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