Du stehst kurz vor dem Abi oder hast es gerade geschafft – Glückwunsch! Jetzt beginnt dein neuer Abschnitt: der Sprung ins Studium. Berlin, Hamburg, München oder vielleicht kleinere Städte in deiner Nähe - sicher hast du schon einige Studiengänge im Kopf oder freust dich darauf, an bestimmten Unis zu studieren. Bei deiner Recherche zu Bewerbung & Co. stößt du auf einen Begriff, der erstmal technisch klingt: DoSV – das Dialogorientierte Serviceverfahren. Was bedeutet das konkret?
Das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) ist ein zentrales, digitales Bewerbungsverfahren, das deine Bewerbungen an mehreren Hochschulen koordiniert. Es sorgt dafür, dass du nicht mehrere Zusagen gleichzeitig bekommst – und dadurch Studienplätze ungenutzt bleiben. Das Ziel: Faire Chancen für alle – und eine möglichst reibungslose Studienplatzvergabe. Aber was sind überhaupt DoSV-Studiengänge? Welche Hochschulen machen mit? In diesem Guide bekommst du klare Antworten – auf geht’s!
Welche Studiengänge sind bei Hochschulstart?
In Deutschland gibt es ca. 421 Hochschulen (Destatis, Stand März 2025). Davon nehmen etwa 173 Hochschulen am Dialogorienten Serviceverfahren (DoSV) teil, um ihre Studienplätze koordinieren und vergeben zu lassen. Du siehst also, dass es noch einige Hochschulen gibt, die durch eigene (hochschulinterne) Vergabeverfahren ihre Studienplätze organisieren.
Bevor du dich aber aufgrund eines Wunschstudiengangs beim DoSV bewirbst, solltest du wissen: Nicht alle Studiengänge laufen über dasselbe Vergabeverfahren im DoSV. Es gibt zwei Bewerbungswege im DoSV-Bewerbungsportal von Hochschulstart, die zum einen die Vergabe der Plätze für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge und zum anderen die der örtlich zulassungsbeschränkten Studiengänge koordinieren.
Bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge:
Diese Studiengänge werden zentral über Hochschulstart vergeben. Dazu zählen folgende Fächer:
Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie.
Örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge:
Einige Hochschulen nutzen Hochschulstart für die Koordination ihrer Vergabe für bestimmte Studiengänge mit NC, z. B. Psychologie, Soziale Arbeit, Biologie, Lehramt oder BWL. Welche das genau sind, hängt von der jeweiligen Hochschule ab.
Wenn du dich für Humanmedizin, Tiermedizin, Zahnmedizin oder Pharmazie interessiert, ist es einfach: Dies sind ZV-Studiengänge, weil sie über das Zentralverfahren koordiniert werden. Bei diesen Studiengängen (an staatlichen Hochschulen) hast du keine andere Möglichkeit als dich über das DoSV-Bewerbungsverfahren zu bewerben, da es das Zentralverfahren koordiniert. Aber was ist nun mit den DoSV-Studiengängen?
Wie finde ich heraus, welche Studiengänge über das DoSV laufen?
Die Antwort ist nicht ganz so eindeutig, wie viele denken, da nicht jede Hochschule mit jedem Studiengang beim Dialogorientierten Serviceverfahren mitmacht. Im Gegensatz zu den ZV-Studiengängen können Hochschulen selbst entscheiden, ob und mit welchen anderen Studiengängen sie beim DoSV teilnehmen.
Um herauszufinden, mit welchen konkreten Studiengängen eine Hochschule am DoSV-Verfahren teilnimmt, empfehlen wir dir einen Blick in das Bewerbungsportal von Hochschulstart. Dort lassen sich unter dem Menüpunkt „Studienangebote“ auch ohne Registrierung die angebotenen Studiengänge gezielt nach Hochschulnamen, Studienfach und Bundesland durchsuchen.
Tabelle 1: Große Hochschulen, die 2026 am Dialogorientierten Serviceverfahren teilnehmen (Auswahl)
Wichtig zu wissen: Auch wenn eine Hochschule ihre Teilnahme bereits vorab angekündigt hat, erscheinen die genauen Studienangebote oft erst unmittelbar vor Beginn des Bewerbungsverfahrens im DoSV-Bewerbungsportal. Bei den örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen legen die Hochschulen nämlich selbst fest, ab wann - innerhalb des festgelegten Bewerbungszeitraums von DoSV - eine Bewerbung bei ihnen möglich ist.
Wenn du dich über unsere weiteren Artikel zum Thema Hochschulstart, DoSV & Co. informiert hast, wie du strategisch am besten einen Studienplatz - auch in beliebten Fächern - ergattern kannst, weißt du beispielsweise auch, dass es sinnvoll sein kann, sich ebenso das Studienangebot kleinerer oder unbekannterer Hochschulen anzusehen. Je nach Hochschule kann es bei den DoSV-Studiengängen starke Unterschiede geben, was den NC anbelangt. Die vollständige Liste aller Hochschulen, die aktuell am DoSV teilnehmen, kannst du hier entnehmen.
Tabelle 2: Weitere Hochschulen, die 2026 am DoSV teilnehmen (Auswahl)
Was sind zulassungsfreie Studiengänge?
Einige der gelisteten Hochschulen bieten Studiengänge an, die auch zulassungsfrei sind: Also Studiengänge ohne NC, bei denen es in der Regel genug Plätze für alle Studierenden gibt, die sich bewerben. Das heißt: Wenn du die formalen Voraussetzungen erfüllst, kannst du direkt mit einer Zusage rechnen, ohne Konkurrenz um knappe Plätze.
Prüfe unbedingt, ob du dich im Bewerbungsportal sowohl zulassungsbeschränkte als auch zulassungsfreie Studiengänge bewirbst. Das kann nämlich Auswirkungen auf deine Priorisierung haben. Falls du du dich nochmal mit der DoSV-Bewerbung, Priorisierung und den Koordinierungsregeln auseinandersetzen willst, werfe gern einen Blick auf unsere weiteren Guides zum Thema.
Für wie viele Studiengänge kann ich mich im DoSV bewerben?
Grundsätzlich kannst du dich im DoSV-Verfahren für bis zu 12 Studiengänge gleichzeitig bewerben. Dabei legst du eine Prioritätenliste (Priorisierung) fest. Manche Hochschulen begrenzen zusätzlich, wie viele Bewerbungen du innerhalb ihres Angebotes abgeben darfst. Schau also unbedingt auf deren Websites nach. Zum Beispiel gibt die Uni Hamburg an, sich innerhalb des DoSV für bis zu maximal drei Studiengänge parallel an der Uni Hamburg bewerben zu können.
Kann ich mich gleichzeitig für Medizin und Psychologie bewerben?
Ja, du kannst dich gleichzeitig für Medizin und Psychologie bewerben, also sowohl für bundesweit als auch für örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge. Wichtig ist dabei allerdings, dass du verstehst, wie die beiden Verfahren funktionieren und sich unterscheiden: Beide Bewerbungen können über das DoSV-Bewerbungsportal laufen, aber in unterschiedlichen Verfahren mit jeweils eigenen Regeln.
Bei der Bewerbung für Medizin wirst du im Bewerbungsportal zum sogenannten AntOn-Portal weitergeleitet, wo du deine Wunschhochschulen auswählst und deine Ortspräferenzen (Binnenpriorisierung) angibst. Bei den örtlich zulassungsbeschränkten Fächern läuft die Bewerbung in der Regel mit den im DoSV-Bewerbungsportal generierten BID und BAN im Bewerbungsportal der jeweiligen Hochschule.
Vergiss nicht, dass du im Bewerbungsportal maximal 12 aktive Bewerbungen gleichzeitig führen darfst. Jede Bewerbung für einen Studiengang an einer Hochschule zählt als ein Eintrag. Die Bewerbung für Medizin zählt nur als ein Studiengang – auch wenn du mehrere Unis auswählst. Dennoch solltest du bei mehreren parallelen Bewerbungen gut auf deine Priorisierung achten: Sobald die Koordinierungsphase beginnt und du eine Zulassung erhältst, können ab Anwendung der Koordinierungsregeln diese konkrete Auswirkungen auf deine Bewerbungen haben. Wenn du z. B. Psychologie auf Priorität 1 und Medizin auf Priorität 2 setzt, verfällt ein mögliches Angebot für Medizin, sobald du bei Psychologie eine Zulassung bekommst.
Daher ist es entscheidend, dass du dir im Vorfeld genau überlegst, welcher Studiengang dein Favorit ist – und deine Wunschfächer entsprechend priorisierst.
Ist es falsch, sich bei Hochschulstart für alle Universitäten gleichzeitig zu bewerben?
An sich ist es nicht verkehrt, alle 12 Möglichkeiten innerhab des DoSV-Bewerbungsportals komplett zu nutzen: Die einzelnen Hochschulen können nämlich nicht einsehen, wie du sie innerhalb des Bewerbungsportals priorisierst. Achte aber darauf, dass du dich je nach Hochschule nur für eine bestimmte Anzahl an Studiengängen bewerben darfst.
Bevor du dich aber wild für alle möglichen Studiengänge von A bis Z bewirbst, kann es helfen, dir zu Beginn die folgenden 5 Fragen zu stellen:
- Was interessiert mich wirklich – unabhängig von Trends oder Erwartungen anderer?
Reflektiere, welche Themen dich langfristig faszinieren und mit denen du dich mindestens drei Jahre (z. B. im Bachelor) intensiv auseinander setzen möchtest.
- Welche Fähigkeiten bringe ich mit – und in welchem Studiengang kann ich sie weiterentwickeln?
Identifiziere deine Stärken: analytisch, kommunikativ, kreativ? Wähle Studiengänge, die dazu passen oder in denen du diese Fähigkeiten intensivieren kannst. Dabei kannst du auch in die sogenannten Modulhandbücher der Studiengänge schauen, um die Bestandteile des Studiengangs besser verstehen zu können.
- Wie sehen die Berufsfelder nach dem Studium aus – und möchte ich dort arbeiten?
Informiere dich konkret über Jobs/Tätigkeiten und Arbeitsbedingungen, die dir gefallen oder in denen du dich in Zukunft sehen kannst. Wenn du dies für dich klarer hast, kannst du genauer entscheiden, welche Studiengänge (sowie Praktika/Nebenjobs!) dich zu dieser Tätigkeit führen können.
- Möchte ich eher theoretisch oder praxisnah studieren?
Ein Uni-Studium ist tendenziell forschungsorientierter, ein FH-Studium oft anwendungsbezogener – beides kann richtig für dich sein, je nach Persönlichkeit.
- Bin ich bereit, für den Wunsch-Studiengang umzuziehen – oder will ich in meiner Region bleiben?
Standort, Lebenshaltungskosten und persönliche Netzwerke/Kontakte sind nicht nebensächlich – sie beeinflussen deinen Studienerfolg spürbar. Informiere dich entsprechend vorher, wie viel Geld du für dein Studium ausgeben willst/kannst und welche Möglichkeiten sich während (z. B. fachrelevante Nebenjobs) bzw. nach dem Studium ergeben können.
Wenn du dir ein paar der Fragen ehrlich beantwortest, hast du bereits eine solide Grundlage, um passende Studiengänge auszuwählen – ganz unabhängig vom Hype oder gut gemeinten Ratschlägen. Diese Klarheit hilft dir auch dabei, die Studienberatung deiner Wunschhochschule gezielt zu nutzen – gemeinsam könnt ihr prüfen, welcher Weg optimal zu dir passt.


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