Du möchtest ab dem Wintersemester 2026/2027 Medizin studieren? Dann führt dein Weg ziemlich sicher über Hochschulstart bzw. das DoSV-Bewerbungsportal. Seit 2020 werden auch die bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge über das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) koordiniert – darunter eben auch das Medizinstudium in Deutschland.
Was auf den ersten Blick überfordernd wirken kann – Begriffe wie ZV-Studiengänge, AntOn, AdH, ZEQ, und Priorisierung – ist mit der richtigen Anleitung gut zu meistern. In diesem Guide zeigen wir dir Schritt für Schritt:
wie du dich bei Hochschulstart bewirbst
welche Fristen für dich wichtig sind
wie die Quoten bzw. das Quotenmodell funktioniert
...und wie du deine Chancen mit TMS, FSJ & Co. verbessern kannst.
Bewerben für das Medizinstudium
Stichwort “bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge”: Die sogenannten ZV-Studiengänge Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie werden in Deutschland zentral über das DoSV-Bewerbungsportal vergeben – wenn du dich also für Medizin interessiert, gehörst du genau hier hin.
Für dich heißt das, dass du dich nicht direkt bei der Universität deiner Wahl bewirbst, sondern über Hochschulstart, das zwei zentrale Online-Plattformen verwaltet. Rein technisch kannst du dir als Erstbewerber*in den Bewerbungsprozess wie folgt vorstellen:
1.
Registrieren auf hochschulstart.de
Hier brauchst du eine Registrierung mit persönlichen Daten. Du bekommst eine BID und BAN.
2.
Bewerbung mit AntOn (Antrag Online)
Wenn du einen bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengang (in deinem Fall also Medizin) im DoSV-Bewerbungsportal aufrufst, findest du hier den Link, der dich automatisch weiterleitet zum Portal AntOn. Hier registrierst du dich erneut und kannst dich für deinen Studienwunsch bewerben.
3.
Unterlagen postalisch einreichen
Im Falle der ZV-Studiengänge muss du einige Unterlagen per Post an die Adresse von Hochschulstart schicken.
Dazu stellt dir AntOn ein Antragsformular (Zulassungsantrag) zur Verfügung, das bereits mit deinen angegebenen Daten ausgefüllt ist. Dieses musst du ausdrucken, unterschreiben und zusammen mit deiner Hochschulzugangsberechtigung in amtlich beglaubigter Kopie an die Adresse von Hochschulstart schicken, damit deine Bewerbung als vollständig gewertet wird. Welche weiteren Dokumente du für deine Situation darüber hinaus mitschicken musst, steht auf deinem Zulassungsantrag.
Achte darauf, dass deine Unterlagen vollständig und fristgerecht bei der Hochschulstart eingehen – am besten per Einschreiben.
4.
Koordination über Hochschulstart
Hochschulstart gleicht auch beim ZV die Bewerbungen ab und sorgt dafür, – im Falle einer erfolgreichen Bewerbung – dass du am Ende genau einen Studienplatz bekommst, und nicht mehrere gleichzeitig.
Nur wenn deine Unterlagen vollständig und rechtzeitig eingehen, wird deine Bewerbung berücksichtigt! Dabei nicht vergessen: Versende keine Originale, sondern nur Kopien (amtliche Beglaubigung). Falls du dann noch etwas nachträglich auf AntOn ergänzt (z. B. Ergebnisse von Studieneignungstests wie dem TMS), musst du das Formular erneut ausdrucken, unterschreiben und mit den geforderten Dokumenten postalisch und innerhalb der Nachreichfrist an Hochschulstart versenden.
➡️ Adresse Hochschulstart
+Deine Zugangsdaten solltest du unbedingt sicher abspeichern, denn diese benötigst du, um den Fortschritt deiner Bewerbung im Blick zu behalten und im weiteren Verlauf deine Priorisierung im DoSV-Portal vorzunehmen, die wir dir gleich erklären. Mit der Checkliste von Hochschulstart kannst du daneben prüfen, wie weit du bisher im Bewerbungsprozess vorangekommen bist.
Übrigens: Nicht für alle Studieninteressierten weltweit laufen die Bewerbungen automatisch über das DoSV-Bewerbungsportal. Falls du dein Abitur bzw. deinen Schulabschluss außerhalb Deutschlands erworben hast, informiere dich gern über unseren Hochschulstart-Guide für internationale Studierende. Auch für Zweitstudium-Bewerber*innen können zusätzliche Regelungen gelten.
Termine und Fristen im Bewerbungsprozess
Registriert, angemeldet, beworben, Unterlagen an Hochschulstart abgeschickt – jetzt beginnt der strategisch wichtige Teil deiner Bewerbung: die Priorisierung deiner Wunschstudienorte. Denn bei der Vergabe der Medizinstudienplätze über Hochschulstart kann nicht nur deine Abiturnote eine Rolle spielen – sondern auch, wohin du willst und wie klug du deine Reihenfolge (Binnenpriorisierung) wählst.
Für das kommende Wintersemester 2026/2027 gelten für die zentral vergebenen Studiengänge (also auch Humanmedizin) folgende zentrale Termine:
- Bewerbungsschluss für Alt-Abiturient*innen: 31.05.2026
- Bewerbungsschluss für Neu-Abiturient*innen: 15.07.2026
- Koordinierungsphase: Beginn direkt nach Bewerbungsschluss, am 16.07.2026
- Start der Anwendung der Koordinierungsregeln: 23.07.2026
- Ende der Koordinierungsphase: 24.08.2026
- Start der Anmeldung für Koordiniertes Nachrücken: 25.08.2026
- Ende der Anmeldephase Koordiniertes Nachrücken: 27.08.2026
- Start Koordiniertes Nachrücken: 25.08.2026
- Ende Koordiniertes Nachrücken: 30.09.2026
Wenn du dich für einen ZV-Studiengang wie Medizin bewirbst, gibst du im DoSV-Bewerbungsportal nicht nur an, was du studieren möchtest (Humanmedizin, Tiermedizin etc. oder/und noch zusätzliche andere örtlich zulassungsbeschränkte Fächer wie Biologie, Informatik etc.) studieren willst – sondern auch, wo du deinen ZV-Studiengang studieren möchtest (Medizin in Leipzig, Bochum, München etc.). Jedes ZV-Fach gilt als ein Studienwunsch – innerhalb dieses einen Wunsches kannst du dann nochmal verschiedene Universitäten priorisieren.
Diese sogenannte Binnenpriorisierung ist für Medizin entscheidend, da du so je nach Qualifikation und "Reihenfolge" am Vergabeverfahren teilnimmst. Dementsprechend ist die richtige Binnenpriorisierung deiner Wunsch-Unis keine reine Bauchentscheidung. Natürlich spielen persönliche Präferenzen wie Stadt oder die Nähe zur Familie eine Rolle, aber es lohnt sich, strategisch vorzugehen – und wie, das zeigen wir dir im nächsten Schritt.
Das Auswahlverfahren: Die beste, einfachste, schwerste Uni?
“Welche ist die beste Uni für Medizin in Deutschland?” “Was ist das leichteste Medizinstudium?” Diese und andere Frage stellen sich jedes Jahr viele Bewerber*innen – und sie sind absolut verständlich. Wer Medizin studieren möchte, steht unter enormem Druck: Die Bewerber*innenzahlen sind hoch, die Plätze knapp, das Verfahren komplex. Da liegt der Gedanke nahe, gezielt eine Uni auszuwählen, bei der die Chancen vielleicht ein wenig besser stehen.
Aber Achtung: Im Zulassungsverfahren für Medizin spielt es weniger eine Rolle, welche Uni „leicht“ oder „schwer“ ist – sondern wie die Plätze im zentralen Vergabeverfahren (ZV) durch die Unis verteilt werden. Dabei gibt es drei Hauptquoten, über die Plätze vergeben werden.
Tabelle 1: Quotenmodell im Zentralen Vergabeverfahren (ZV)
An den drei Hauptquoten nimmst du durch deine reguläre Bewerbung automatisch teil. Wenn du z. B. mit einem Abschluss von 1,0 keinen Studienplatz durch die Abiturbestenquote bekommst - je nach Uni durchaus möglich -, nimmst du automatisch in der ZEQ und am AdH teil. Dies ist allerdings keine Garantie, dass du dadurch ein Zulassungsangebot erhältst.
Gibt es also „leichte“ Unis für Medizin? Es kann durchaus Universitäten geben, bei denen für deine individuelle Situation die Kombination bestimmter Auswahlkriterien zu besseren Chancen führen kann, je nach Bewerbung. Wer sich informiert und strategisch priorisiert, hat definitiv einen Vorteil. Mach deine Entscheidung also nicht vom Ruf oder einem Bauchgefühl abhängig, sondern von den tatsächlichen Zulassungschancen.
Strategien für die Binnenpriorisierung der Unis
Um eine eigene Strategie zu entwickeln, wollen wir im ersten Schritt das System verstehen, in dem wir uns befinden. Hier kommen die sogenannten Ranglisten ins Spiel – und zwar je nach Bundesland. Warum? Weil die Abiturnoten zwischen den Bundesländern nicht direkt vergleichbar sind. Deshalb wird für jede Landesquote eine eigene Rangliste erstellt und anschließend eine bundesweite Positionszahl zugewiesen. Daraus ergibt sich dann eine Positionszahl auf Bundesebene, die bestimmt, wo du im Rennen um die Plätze stehst. Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass es je nach Bundesland auch nochmal Unterschiede bzgl. des Numerus Clausus geben kann.
Wie du der Tabelle 1 zum Quotenmodell entnehmen kannst, kannst du überprüfen, über welche Quote du bei welcher Uni die besten Chancen hast. Wenn du beispielsweise ein besonders gutes Abitur hast (z. B. 1,0), überprüfst du bei deinen Wunschunis, ob du dich mit deinem Schnitt in den zulassungsfähigen Bereich wiederfinden würdest. Achtung: Insbesondere bei besonders renommierten Unis solltest du nicht nur den Schnitt vergleichen, sondern auch die Punktzahl. Innerhalb der z. B. 1,0 kann es bei den Punkten an besonders kompetitiven Unis auch innerhalb des NCs zu Unterschieden kommen.
Tipp: Wenn du als Kriterium "nur" dein Abitur vorweisen kannst, und dieses keine sehr hohe Punktzahl aufweist (unter 1,0), solltest du Studienorte hoch priorisieren, die tendenziell auch Abiturient*innen mit niedrigerer Punktzahl aufgenommen haben, wie z. B. Bochum, Magdeburg, Marburg, Rostock. Prüfe hier genau, bei welchen Unis du z. B. im Vorjahr mit deiner Abiturpunktzahl gute Chancen gehabt hättest.
Als Tool kann dir der Medi-Ranger behilflich sein.
Falls du hierbei merken solltest, dass es mit deinem Abi-Schnitt (bzw. der Abiturpunktzahl) knapp wird, kannst du im nächsten Schritt prüfen, ob und wie deine Wunschunis noch andere Kriterien als nur die Abiturpunktzahl gewichten.
Die folgenden Kriterien können von Unis für Humanmedizin in ZEQ und AdH gewichtet werden:
- Im AdH: Hochschulzugangsberechtigung (Abiturpunktzahl)
- Studieneignungstest
- Interview
- Anerkannte Berufsausbildung
- Anerkannte Berufstätigkeit (Mindestdauer: 12 Monate, mit entsprechender abgeschlossener Ausbildung)
- Anerkannter Dienst (je nach Dienst eine Mindestdauer von 11 Monaten)
- In wenigen Fällen: Anerkannter Preis (hier gilt je nach Wettbewerb eine bestimmte Preiskategorie)
Die Kriterien und deren Gewichtung in ZEQ und AdH sind uni-spezifisch. Einige Unis vergeben hohe Punkte für Studieneignungstests, andere setzen auf Praktika, Dienste oder Interviews. Das kann deine Chancen - je nach individuellem Background - stark verändern. Hast du beispielsweise einen Studieneignungstest ziemlich erfolgreich abgelegt, solltest du nach Unis Ausschau halten, die diesen mit einer hohen zusätzlichen Punktevergabe belohnen. Oder du hast bereits Praxiserfahrung, einen Freiwilligendienst, Ehrenamt im fachlich einschlägigen Bereich oder eine Ausbildung absolviert? Einige Unis erkennen dies durch zusätzliche Punkte an.
Wenn du die Fragen für dich beantwortest:
✔︎ Wie liegt deine Abiturpunktzahl im Bundesvergleich mit dem NC der jeweiligen Wunschuni?
✔︎ Mit welchen Kriterien könntest du an der jeweiligen Hochschule deinen Schnitt verbessern?
✔︎ Welche Auswahlkriterien gewichtet die jeweilige Hochschule wie stark? Wie viele Zusatzpunkte könntest du für dein Kriterium erhalten?
… dann kannst du gezielt jene Unis auswählen, bei denen dein Profil optimal zur Gewichtung passt. So kannst du deine Chancen bei der Binnenpriorisierung im Medizinstudium maximieren. Um sicher zu gehen, solltest du für alle Standorte deine Bewerbung einreichen.
Geek-Kiste
Wenn du die exakt gleiche Punktzahl mit einer anderen Bewerbung hast, kann ein abgeleisteter Dienst (Freiwilliges Soziales Jahr, Bundesfreiwilligendienst, Wehrdienst/Zivildienst, Entwicklungshilfedienst etc.) als sogenanntes nachrangiges Kriterium auch in der Abiturbestenquote gelten und dich in der Rangliste vorrücken lassen.
Also: Ein solches Engagement solltest du immer angeben, da es dir im Zweifelsfalle den entscheidenden Platz einbringen kann.
FSJ, Ausbildung, Dienste & Co. - Medizinstudium ohne 1.0
Ein „Nein“ zur Wunschuni ist noch lange kein „Nie“. Nutze die Zeit strategisch – ob mit praktischer Erfahrung, Auslandserfahrung oder Alternativen im Gesundheitsbereich. Viele, die heute erfolgreich Medizin studieren, haben nicht im ersten Anlauf begonnen.
Deine Möglichkeiten im Überblick:
- Wartesemester überbrücken:
Ein FSJ, eine Ausbildung im Gesundheitsbereich oder sogar ein freiwilliger Dienst können nicht nur sinnvoll für deine persönliche Entwicklung sein – sie können auch als Bewerbungskriterium (z. B. im AdH/ZEQ) zählen.
- Studieneignungstest:
Tests wie der TMS können ein zentrales Auswahlkriterium sein. Gerade in der ZEQ oder im AdH kann ein guter TMS-Wert deine Abiturnote ausgleichen oder aufwerten. Mit dem Tool stav Medi-Ranger kannst du dir ein Bild davon machen, mit welchen Ergebnissen du mit deinem Abschluss an welcher Uni deine Chancen auf ein Medizinstudium erhöhen würdest.
- Privatunis in Deutschland:
Es gibt einige private medizinische Hochschulen, z. B. in Hamburg, Brandenburg oder Witten. Sie haben oft eigene Auswahlverfahren – mit weniger oder kaum Gewicht auf der Abiturnote. Allerdings solltest du hier mit zusätzlichen Studienkosten rechnen.
- Medizin im Ausland studieren:
Neben Ungarn sind auch Länder wie Rumänien oder Lettland gefragt, wenn es um Alternativen rund um das Medizinstudium geht. Hier bieten einige Unis Programme auf Englisch oder Deutsch an. Informiere dich im Vorfeld gut über Kosten, Anerkennung und spätere Wechselmöglichkeiten.
- Bewerbung zum Sommersemester:
Manche Unis bieten den Medizinstart auch zum Sommersemester an – gerade das kann ein Vorteil sein. Weniger Konkurrenz frisch von der Schule = bessere Chancen. Tipp: Frühzeitig alle Fristen checken!
- Öffentlicher Gesundheitsdienst & Landarztquote:
In einigen Bundesländern kannst du dich außerhalb des NCs auf eine Landarztquote bewerben – mit der Verpflichtung, später in einem unterversorgten Gebiet in Deutschland zu arbeiten. Die Entscheidung für diesen Weg sollte jedoch gut überlegt sein: Beendest du den Vertrag der Ablauf der Frist von 10 Jahren, droht eine Strafe von bis zu 250.000 Euro. Für die Bewerbung solltest du zudem ggf. ein TMS-Ergebnis sowie (berufliche/ehrenamtliche) Erfahrung mit medizinischem Bezug vorweisen können.
- „Medizin-Nachbarn“:
Studiengänge wie Physician Assistance, Pharmazie, Molekulare Medizin oder Biomedizin können Alternativen oder Einstiegstore für dich sein.


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