Dein Entschluss steht vermutlich schon fest: Du willst Lehrer oder Lehrerin fürs Gymnasium werden und steuerst nun in Richtung Studium. Das Lehramtsstudium am Gymnasium ist der klassische Weg, um als Lehrer*in Jugendliche auch bis zum Abitur unterrichten zu können. Dabei ist die Fächerkombination - also deine Studienfächerwahl - entscheidend, denn sie legt nicht nur fest, welche Fächer du später unterrichten wirst, sondern kann auch deine Chancen auf Zulassung und spätere Einstellung beeinflussen. In Deutschland ist das Gymnasiallehramt besonders strukturiert: Studierende wählen in der Regel zwei Unterrichtsfächer, wobei mindestens eines ein sogenanntes Kernfach sein muss.
Bevor du den Wald vor lauter Bäumen nicht siehst, verschaff dir in diesem Guide einen soliden Überblick: von den Voraussetzungen zu den Fächern hin zu den Fächerkombinationen in jedem Bundesland.
Voraussetzungen fürs Lehramt am Gymnasium
Um Lehramt am Gymnasium zu studieren, brauchst du in den meisten Fällen die allgemeine Hochschulreife, also das Abitur. In Einzelfällen akzeptieren Hochschulen auch die fachgebundene Hochschulreife oder berufliche Qualifikationen. Falls du Interesse am Quereinstieg oder einem Quereinstiegsmaster fürs Lehramt hast, kannst du im ersten Schritt auch erst einmal unseren passenden Artikel zum Thema durchforsten. Neben diesen allgemeinen Voraussetzungen gibt es noch einige bestimmte Fächer wie Kunst, Musik oder Sport, bei denen zusätzlich praktische Eignungstests erforderlich sein können.
- Kunst: Hier ist meist eine Mappe mit eigenen Arbeiten einzureichen. Manche Hochschulen verlangen zusätzlich eine praktische Prüfung oder ein Auswahlgespräch, bei dem du entweder deine eigenen Werke erklärst und/oder zu deinem fachlichen Wissensstand und Motivation abgefragt wirst.
- Musik: Du absolvierst in der Regel eine musikalisch-praktische Aufnahmeprüfung, die zum Beispiel dein Instrument, Gesang, Gehörbildung und Musiktheorie umfasst.
- Sport: Für Sportlehramt-Studiengänge ist fast immer ein Sporteignungstest erforderlich. Dieser überprüft Kondition, Koordination und Technik in verschiedenen Disziplinen – von Leichtathletik bis Turnen. Vereinzelt verlangen Hochschulen keinen Eignungstest, sondern bestimmte Notenpunkte im Abitur, ärztliche Bescheinigungen oder anderweitige Kenntnisse (z. B. Erste Hilfe, bestimmtes Schwimm- oder anderweitiges Sportabzeichen). Unis, die Alternativen zum Sporteignungstest voraussetzen, sind die folgenden:
Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Göttingen, Hamburg, Marburg, Oldenburg, Osnabrück und Saarbrücken (Stand: November 2025).
Andere Bundesländer, wie Baden-Württemberg (CCT) oder Bayern (SeLF), verlangen Eignungs- oder Selbsttests, um schon vor dem Studium eine erste Bestätigung dafür zu bekommen, ob das Lehramt wirklich zu dir passt. Diese Orientierung kann für dich ebenso hilfreich sein.
Falls du an Unterrichtsfächern wie Englisch oder Französisch Interesse hegst, solltest du dich zusätzlich bei deinen Wunsch-Unis schlau machen: Manche Hochschulen verlangen für Philologien (z. B. Anglistik oder Romanistik) oder Theologie bestimmte Sprachzertifikate und Nachweise (z. B. Latinum, Graecum oder ein bestimmtes Niveau in der Zielsprache). Dies kann sich jedoch von Hochschule zu Hochschule unterscheiden. Andere Hochschulen bieten ihren Studierenden auch an, diese Nachweise neben dem Studium nachzuholen.
Die Fristen für die obligatorischen Eignungsprüfungen in Kunst, Musik und Sport liegen oft mehrere Monate vor dem eigentlichen Bewerbungszeitraum. Deshalb solltest du dich frühzeitig informieren – am besten schon ein Jahr vor Studienbeginn. Recherchiere frühzeitig, welche Zulassungsvoraussetzungen und NC-Grenzen an deiner Wunsch-Hochschule gelten. So vermeidest du Überraschungen und kannst gezielt planen.
Fächerwahl & Fächerkombinationen
Die Wahl deiner Fächerkombinationen im Lehramt Gymnasium ist ein zentraler Punkt bei der Wahl deiner Studienfächer. In Deutschland wählst du zwei Unterrichtsfächer, wobei mindestens eines ein Kernfach sein muss. Zu den Kernfächern zählen typischerweise:
- Deutsch
- Englisch
- Französisch
- Mathematik
- Biologie
- Chemie
- Physik
- Geschichte
- Latein
- Spanisch
- Evangelische/Katholische Religionslehre
- Philosophie/Ethik
- Sozialwissenschaften
Wenn du dir noch gar nicht sicher bist, welche Studienfächer für dich infrage kommen, können deine eigenen Abiturfächer oder Unterrichtsfächer, bei denen du während deiner eigenen Schulzeit ein starkes Interesse entwickelt hast, als Inspiration dienen. Bedenken kannst du dabei auch, inwiefern deine Fächer sich ergänzen sollten oder ob du dir auch langfristig vorstellen kannst, mit diesen Fächern zu arbeiten (Stichwort: Korrekturfächer). Verschiedene Hochschulen bieten ebenfalls Info-Videos mit aktuellen Studierenden an, die einen individuellen Einblick in die jeweiligen Studiengänge geben.
Einblicke in Fächer: Sportwissenschaft & Chemie an der Humboldt-Uni (Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin, 2020)
Weitere Fächer wie Kunst, Musik, Informatik oder Erdkunde können als Zweitfach gewählt werden, unterliegen aber teilweise Beschränkungen. Die genauen Kombinationsmöglichkeiten hängen von Bundesland und Hochschule ab. Warum die Wahl deiner Fächer so bedeutend ist, fragst du dich außerdem? Häufig bestimmt die Fächerwahl auch die Schulform, an der du später einmal arbeiten willst. Also logisch: Wenn du dir bereits sicher bist, dass du am Gymnasium unterrichten möchtest bzw. auch in der Sekundarstufe II., solltest du dich auch für eine passende Fächerkombination entscheiden.
Tabelle 1: Bundesländer und deren Fächerkombinationen für das Lehramt Gymnasium (Stand: November 2025)
Deine Wunsch-Studiengänge kannst du direkt im StudyFinder auf MyGermanUniversity suchen und vergleichen - und so deine Fächerkombination fürs Studium finden!
Bewerbung und Numerus Clausus (NC) bei Fächerkombinationen
Nun wird es konkret: Die Bewerbung für das Gymnasiallehramt erfolgt in der Regel direkt über das Bewerbungsportal der jeweiligen Hochschule. Eher seltener gibt es Hochschulen, bei denen du dich über Hochschulstart für Lehramtsfächer bewirbst – dies erfährst du in jedem Falle direkt auf den Webseiten deiner Wunschhochschule. Hier solltest du beachten, dass du dich fast immer für zwei verschiedene Unterrichtsfächer gleichzeitig bewirbst – z. B. innerhalb eines Zwei-Fach-Bachelors mit Lehramtsoption.
Diese 2-Fach-Struktur bringt, wie du dir bereits vorstellen kannst, eine Besonderheit mit sich: Beide Fächer können unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen und eigene NC-Grenzen haben, was den Bewerbungsprozess komplexer macht als bei der Bewerbung für einzelne Studiengänge. Damit du später keine Überraschungen erlebst, ist es wichtig, dich frühzeitig über die Zulassungsregeln, Kombinationsmöglichkeiten und Studienordnungen zu informieren. Ein gründlicher Blick auf die Details erhöht deine Chancen auf einen Studienplatz und vermeidet unnötige Verzögerungen.
Unterschiedliche Zulassungsbeschränkungen bei Fächerkombinationen
Ein wichtiger Punkt: Du studierst auf einen Abschluss hin, aber jedes Fach innerhalb deiner Fächerkombination kann eigene Zulassungsvoraussetzungen haben. Das bedeutet:
- Ein Fach kann zulassungsfrei sein, während das andere einen hohen NC hat.
- Es gibt Hochschulen, die eine Zulassung nur freigeben, wenn beide Fächer parallel zugesagt wurden.
- Manche Fächer (z. B. Kunst, Sport, Musik) erfordern bei der Bewerbung zusätzliche Voraussetzungen wie erfolgreich bestandene Eignungstests.
Auch deshalb lohnt sich ein früher Blick auf NC-Werte, Auswahlverfahren und Voraussetzungen der Fächerkombination an deinen Wunsch-Hochschulen.
Was passiert, wenn du nur für eines der beiden Fächer eine Zulassung erhältst?
Keine Sorge: Dass Bewerber*innen nur für ein Fach ihrer Kombination zugelassen werden, kommt natürlich vor – damit bist du im Zweifelsfall nicht alleine. Für diesen Fall kannst du dich dennoch vorbereiten, falls du bei deiner Recherche merkst, dass es mit deiner Abiturpunktzahl bei der Bewerbung knapp werden könnte.
- Immatrikulation in das zugelassene Fach + Kombination mit einem zulassungsfreien zweiten Fach (die Einschreibung ist in der Regel nur dann endgültig, wenn eine vollständige und zulässige Zweierkombination vorliegt.)
- Studium zunächst nur im zugelassenen Fach beginnen, während du dich zum nächsten Bewerbungszeitraum erneut auf das zweite Fach bewirbst.
- Im kommenden Semester sich erneut für das fehlende Fach bewerben.
Beispiel:
Du wirst für Englisch zugelassen, bekommst aber keinen Platz für Biologie. Viele Hochschulen erlauben dir dann, Englisch zunächst mit einem zulassungsfreien Fach wie Geschichte oder Geografie zu kombinieren. Alternativ kannst du Englisch anfangen, vielleicht die “freie” Zeit sogar nutzen, um ein paar Kurse oder Vorlesungen mehr zu belegen, und dich im nächsten Semester erneut für Biologie bewerben, sofern die Prüfungsordnung diese Kombination zulässt.
Generell ist es empfehlenswert, sich nicht nur an einer Hochschule zu bewerben, sondern dir sowieso einen Plan B oder sogar C zurechtzulegen. Ob das nun eine weitere Hochschule in deiner Region oder Deutschland ist, vielleicht weitere Fächer oder eine andere Fächerkombi, oder sogar ein Freiwilligendienst für den Fall der Fälle, kommt darauf an, wie kompromissbereit und flexibel deine individuelle Situation ist.
Unterschiede in Prüfungsordnungen und Studienanforderungen
Nicht nur die Zulassung, sondern auch das Studium selbst kann zwischen den Fächern Unterschiede aufweisen:
- Hausarbeiten, Klausuren und Prüfungsformen variieren je nach Studienordnung des einzelnen Fachs bzw. des Studienfachs.
- Naturwissenschaftliche Fächer erfordern oft Laborpraktika, während Sprachfächer viele klausur- und seminarbasierte Leistungsnachweise haben.
- Die Studienordnungen definieren, wie viele Module pro Fach belegt und bestanden werden müssen – auch hier gibt es große Unterschiede.
- Manche Fächer haben verpflichtende Eignungs- oder Sprachtests zu Beginn des Studiums oder obligatorische Auslandsaufenthalte während des Studiums.
- Die Kombinierbarkeit bestimmter Fächer kann durch universitätsspezifische Ausschlusskriterien eingeschränkt sein.
Fazit: Rechtzeitig informieren lohnt sich
Je besser du dich vor der Bewerbung informierst, desto reibungsloser läuft der Prozess. Das betrifft:
- NC-Werte der letzten Jahre
- Kombinierbarkeit der Fächer
- Zulassungsbedingungen pro Fach
- Mögliche Eignungsprüfungen
- Modulhandbücher, Studienordnungen und obligatorische Praktika/Auslandsaufenthalte
So stellst du sicher, dass du eine zulässige Kombination wählst, realistische Chancen einschätzt und später im Studium keine bösen Überraschungen erlebst.
Weiterführende Quellen & Informationen
Deutscher Bildungsserver: Lehrkräftebedarf und Lehrkräftebedarfsprognosen: In welchen Bundesländern gibt es einen Lehrermangel? (zuletzt aufgerufen am: 25.11.2025)
Deutsches Schulportal der Robert Bosch Stiftung: Prognose. Lehrermangel bleibt ein Problem – Schülerzahl wächst bis 2032 (10. November 2025)
Kultusministerkonferenz (KMK): Modellrechnung und Beschlüsse der Kultusministerkonferenz zum Lehrerbedarf und zu Mangelfächern (zuletzt aufgerufen am: 25.11.2025)
Statistisches Bundesamt (Destatis): Das Lehramtsstudium im Spiegel der Hochschulstatistik (16. April 2025)


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