Du spielst mit dem Gedanken, ein Fernstudium zu beginnen – bist dir aber nicht sicher, ob es das Richtige für dich ist? Vielleicht stehst du gerade vor dem Abitur, bist schon berufstätig oder möchtest dich neben familiären Verpflichtungen weiterqualifizieren. So oder so: Die Entscheidung für ein Studium fühlt sich oft gleichzeitig aufregend und überwältigend an. Kein Wunder, denn das Angebot an Fernstudiengängen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert – und mit ihm die Fragen. Genau deshalb haben wir diesen Guide geschrieben: Er liefert dir Fakten, Orientierungshilfen und Entscheidungsgrundlagen, die du brauchst, um deinen Weg durch den Fernstudien-Dschungel zu finden.
Kurz erklärt: Was ist ein Fernstudium?
Ein Fernstudium ist ein akademisches Studium, das überwiegend orts- und zeitunabhängig stattfindet und zu einem staatlich anerkannten Hochschulabschluss (Bachelor oder Master) führt. Du lernst hauptsächlich digital von zu Hause aus, steuerst dein Lerntempo weitgehend selbst und kombinierst das Studium häufig mit Beruf oder Familie.
- Für wen: Berufstätige, Eltern, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, alle, die maximale Flexibilität brauchen
- Abschlüsse: Bachelor, Master – staatlich anerkannt und gleichwertig zum Präsenzstudium
- Typische Dauer: 6–8 Semester (Bachelor), 2–4 Semester (Master), oft individuell verlängerbar
- Kosten: von unter 500 € bis über 3.500 € pro Semester, je nach Hochschule und Trägerschaft
Was genau ist ein Fernstudium – und was unterscheidet es vom Online-Studium?
Ein Fernstudium bezeichnet eine Studienform, bei der die Vermittlung der Lerninhalte überwiegend über Distanz und zeitversetzt erfolgt. Der zentrale Unterschied zum klassischen Präsenzstudium: Du bist in der Regel nicht an einen Campus gebunden und organisierst dein Lernen weitgehend selbstständig. Das Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) definiert dabei, dass bei einem Fernstudium mindestens 51 Prozent der Lehrinhalte asynchron – also zeitversetzt – über Distanz vermittelt werden müssen.
In der Praxis verschwimmen diese Grenzen immer mehr, weil viele Fernhochschulen ihre Lehre mittlerweile fast vollständig digital gestalten.
Der Begriff „Online-Studium" wird häufig synonym verwendet, meint aber streng genommen etwas anderes. Während ein Fernstudium auch klassische Studienbriefe oder Präsenzphasen umfassen kann, findet ein reines Online-Studium vollständig im digitalen Raum statt – ohne jeglichen Präsenzanteil. In der Praxis verschwimmen diese Grenzen immer mehr, weil viele Fernhochschulen ihre Lehre mittlerweile fast vollständig digital gestalten. Laut den BIBB-Strukturdaten Distance Learning/Distance Education nutzen Fernhochschulen zunehmend sogenannte Blended-Learning-Formate, also eine Mischung aus Online-Lehre und Präsenzphasen, um ein möglichst didaktisch hochwertiges Angebot zu schaffen.
Für dich bedeutet das praktisch: Ob „Fernstudium" oder „Online-Studium" auf dem Label steht – entscheidend ist, wie die Hochschule Lehre konkret gestaltet, wie hoch der Online-Anteil ist und ob Präsenztermine für dich logistisch machbar sind. Die beiden mit Abstand größten Anbieter sind die IU Internationale Hochschule (privat) mit über 76.000 Fernstudierenden und die FernUniversität in Hagen (staatlich) mit rund 63.000 Fernstudierenden. Zusammen vereinen sie über 55 Prozent aller Fernstudierenden in Deutschland.
Fernstudium vs. berufsbegleitendes Studium: Was ist der Unterschied?
Berufsbegleitend studieren kann als Oberbegriff benutzt werden, der verschiedene Studienmodelle umfasst – darunter auch das Fernstudium. Ein berufsbegleitendes Präsenzstudium findet dagegen meist abends oder am Wochenende an einer Hochschule vor Ort statt. Das Fernstudium als Unterform bietet die höchste räumliche und zeitliche Flexibilität, weil du den Großteil des Lernens eigenständig von zu Hause aus steuerst.
Wie sinnvoll ist ein Fernstudium?
Die Sinnhaftigkeit eines Fernstudiums hängt stark von deiner individuellen Situation und deinem Ziel ab. Fakt ist: Die Nachfrage nach Fernstudiengängen steigt seit Jahren kontinuierlich. Im Wintersemester 2022/23 waren über 250.000 Fernstudierende in Deutschland immatrikuliert – das entspricht einem Anteil von rund 8,6 Prozent aller Studierenden. Noch im Wintersemester 2006/07 lag diese Zahl bei nur rund 68.000 Personen.
Diese Entwicklung zeigt, dass das Fernstudium längst keine Nischenlösung mehr ist, sondern ein fester Bestandteil der deutschen Hochschullandschaft. Die drei häufigsten Motive für die Aufnahme eines Fernstudiums sind laut Forschung die Verbesserung der individuellen Arbeitsmarktchancen, berufliche Aufstiegsmöglichkeiten und die persönliche Weiterentwicklung. Insbesondere für Berufstätige kann ein Fernstudium eine hochrentable Investition in die eigene Zukunft sein – vorausgesetzt, du wählst ein Fach, das zu deinen Zielen passt, und bringst die nötige Ausdauer mit.
Für wen ist ein Fernstudium geeignet?
Ein Fernstudium spricht eine erstaunlich breite Zielgruppe an. Laut CHE-Untersuchung zum Thema Fernstudium ist ein großer Teil der Fernstudierenden 25 Jahre oder älter und häufig bereits berufstätig. Das Fernstudium ist entsprechend häufig die einzige Studienform, die eine Vereinbarkeit von Beruf, Familie und akademischer Qualifikation ermöglicht.
Typische Profile von Fernstudierenden sind Berufstätige, die sich neben dem Job weiterqualifizieren möchten, ohne ihre Stelle aufzugeben, Eltern – besonders Mütter und Väter in der Familienphase –, die zeitliche Flexibilität brauchen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, für die regelmäßige Präsenzpflicht schwer realisierbar ist, Personen auf dem zweiten Bildungsweg, die ohne klassisches Abitur eine Hochschulzugangsberechtigung über Berufserfahrung erworben haben, und zunehmend auch jüngere Studieninteressierte, die ein digitales Studienformat bevorzugen.
Die Forschung von Karin Krey (2022) zeigt dabei eindrücklich, dass Fernstudierende in der Regel über ein reichhaltiges Kompetenzprofil verfügen, das sie aus Beruf und Privatleben mitbringen. Besonders Sozial-, Selbst- und Methodenkompetenzen erweisen sich als wertvolle Ressourcen für den Studienerfolg. Gleichzeitig ist ein Fernstudium kein Selbstläufer: Es braucht Disziplin, Eigeninitiative und sicherlich auch ein gewisses Maß an Selbstorganisation.
Tabelle 1: Vor- und Nachteile eines Fernstudiums
Welche Studiengänge gibt es als Fernstudium?
Die Auswahl an Fernstudiengängen in Deutschland ist inzwischen beeindruckend. Mitte 2023 wurden bereits über 1.000 Studienangebote als Fernstudium gekennzeichnet, verteilt auf rund 114 Hochschulen – und das Angebot wächst weiter. Rund jeder zwanzigste Studiengang in Deutschland ist der HRK zufolge heute ein Fernstudiengang oder als Fernstudium studierbar. Gleichzeitig sollte aber noch hinzugefügt werden, dass es viele Studiengänge an regulären Hochschulen gibt, die du im Fernstudium bzw. Online-Studium absolvieren kannst.
Fachliche Schwerpunkte im Fernstudium
Die fachliche Bandbreite an Fernstudiengängen ist groß, allerdings lassen sich hierbei klare Schwerpunkte erkennen. Der mit Abstand größte Bereich sind die Wirtschaftswissenschaften, die über 35 Prozent aller Fernstudienangebote ausmachen. Dahinter folgen Informatik, Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Psychologie und Wirtschaftsingenieurwesen. Besonders nachgefragte Fernstudiengänge sind unter anderem Betriebswirtschaftslehre (BWL), Wirtschaftsinformatik, Soziale Arbeit und Sozialpädagogik, Psychologie, Wirtschaftspsychologie, Gesundheitsmanagement und Pflegewissenschaften, Informatik und Data Science sowie Wirtschaftsingenieurwesen.
Weniger stark vertreten sind dagegen Naturwissenschaften im engeren Sinne, Kunst und Sprach- sowie Kulturwissenschaften. Das liegt vor allem daran, dass diese Fächer häufig laborgebundene oder stark interaktive Lehrformate erfordern, die sich bisher schwerer digitalisieren lassen.
Bachelor und Master: Grundständig oder weiterführend?
Im Fernstudium ist das Verhältnis zwischen grundständigen Studiengängen (Bachelor) und weiterführenden Programmen (Master) ziemlich ausgeglichen. Rund die Hälfte der Angebote richtet sich an Studienanfänger*innen, die andere Hälfte an Personen, die bereits einen ersten Hochschulabschluss besitzen. Der Fernstudium-Master eröffnet dabei besonders für Berufstätige attraktive Karrieremöglichkeiten – und auch ein Master-Fernstudium ohne Bachelor ist unter bestimmten Voraussetzungen und mit entsprechender Berufserfahrung an einigen Hochschulen möglich.
Wie läuft ein Fernstudium ab?
Der Ablauf eines Fernstudiums unterscheidet sich grundlegend von dem, was du vielleicht aus der Schule oder einem Präsenzstudium kennst. Es gibt in der Regel keine festen Vorlesungszeiten, keinen täglichen Gang zur Uni und keinen Stundenplan, der dein Semester durchstrukturiert. Stattdessen bekommst du die Lerninhalte über eine digitale Lernplattform bereitgestellt – das können zum Beispiel Studienbriefe, Lehrvideos, Podcasts, interaktive Module oder Webinare sein.
So sieht der typische Ablauf aus
Nach der Einschreibung erhältst du in der Regel den Zugang zur Lernplattform deiner Hochschule. Dort findest du Modul für Modul die relevanten Materialien. Du arbeitest den Stoff in deinem eigenen Tempo durch, bereitest dich auf Prüfungsleistungen vor und reichst Hausarbeiten, Projektarbeiten oder Einsendeaufgaben ein. Viele Hochschulen bieten ergänzende Webinare oder Flipped-Classroom-Formate an, bei denen du dich vorab in ein Thema einarbeitest und dann in einer Online-Session gemeinsam mit Dozierenden vertiefst.
Präsenzphasen – sofern es sie gibt – finden meist an Wochenenden oder in kompakten Blockveranstaltungen statt. Sie dienen tendenziell vor allem dem persönlichen Austausch mit Dozierenden und Mitstudierenden, der Klärung offener Fragen und in vielen Fällen auch der Prüfungsabnahme. Die Forschung zeigt, dass genau diese Kontaktmomente von Fernstudierenden besonders geschätzt werden, weil sie das Gefühl vermitteln, Teil einer Lerngemeinschaft zu sein (vgl. Krey, 2022).
Die häufig brennende Frage: Hat man bei einem Fernstudium Vorlesungen? Das ist durchaus möglich, aber meist in anderer Form als an einer Präsenzuni. Statt im Hörsaal zu sitzen, schaust du dir z. B. aufgezeichnete Vorlesungen an, nimmst an Live-Webinaren teil oder arbeitest mit interaktiven Lerneinheiten. Diese Flexibilität ist einer der größten Vorteile – wenn du dir eine Vorlesung um 6 Uhr morgens oder um 23 Uhr anschauen kannst, ganz wie es in deinen Alltag passt.
Prüfungen im Fernstudium: Wie funktioniert das?
Die Prüfungsformate im Fernstudium sind vielfältiger als viele annehmen. Je nach Hochschule und Modul können Klausuren, Hausarbeiten, mündliche Prüfungen, Portfolioarbeiten oder Projektarbeiten auf dich zukommen. Die Anzahl der Klausuren pro Semester variiert dabei stark – typisch sind zwei bis vier Prüfungsleistungen pro Semester, je nachdem wie viele Module du belegst.
Klausuren werden entweder in Präsenz an Prüfungszentren in verschiedenen Städten geschrieben oder als Online-Klausuren mit Proctoring (also digitaler Überwachung) abgelegt. Der Trend geht klar in Richtung Online-Prüfungen, vor allem an den großen privaten Fernhochschulen. Hausarbeiten und Projektarbeiten reichst du in der Regel digital ein.
Wichtig für dich: Informiere dich vor der Einschreibung genau über die Prüfungsformate deiner Wunschhochschule. Wenn du beruflich viel reist oder keinen Prüfungsstandort in der Nähe hast, sind Online-Prüfungsoptionen ein echtes Plus.
Zeitaufwand: Wie viele Stunden pro Woche brauche ich?
Die Frage nach dem Zeitaufwand ist eine der häufigsten – und eine der schwierigsten, weil die Antwort sehr individuell ausfällt. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) empfiehlt für Vollzeitstudierende einen Workload von 25 bis 30 Stunden pro Woche. Im Teilzeitstudium – und das ist der häufigste Modus im Fernstudium – reduziert sich das entsprechend auf etwa 15 bis 20 Stunden wöchentlich.
Karin Krey (2022) ermittelt in ihrer Studie zu Fernstudierenden einen durchschnittlichen Workload von rund 18 Stunden pro Woche für Teilzeitstudierende und rund 28 Stunden für Vollzeitstudierende. Allerdings variiert der Aufwand erheblich: In Prüfungsphasen steigt die investierte Zeit deutlich an, während in ruhigeren Semesterphasen weniger Stunden anfallen. Einige Fernstudierende in Teilzeit investieren sogar 30 bis 35 Stunden wöchentlich, wenn sie besonders zielstrebig sind oder vor dem Abschluss stehen.
Entscheidend ist, dass du dir realistische Zeitfenster im Alltag schaffst. Die meisten Fernstudierenden lernen in den frühen Morgen- oder Abendstunden, am Wochenende und teilweise auch in der Urlaubszeit. Kann man während des Fernstudiums Vollzeit arbeiten? Grundsätzlich ja, wenn du im Teilzeitmodell studierst. Es erfordert aber eine konsequente Zeitplanung und die Bereitschaft, über einen längeren Zeitraum hinweg auf Freizeit zu verzichten.
Was kostet ein Fernstudium monatlich?
Die Kosten für ein Fernstudium variieren stark – je nach Hochschule, Trägerschaft und Studiengang. Laut CHE liegt der Median der durchschnittlichen Studienkosten bei rund 2.200 Euro pro Semester. Die Spanne reicht dabei von unter 500 Euro pro Semester an staatlichen Einrichtungen wie der FernUniversität in Hagen bis zu 9.000 Euro pro Semester bei ausgewählten weiterführenden Programmen privater Hochschulen.
Kosten variieren je nach Hochschule, Studiengang und Studienmodell (Voll-/Teilzeit). Zusätzliche Gebühren (z. B. Graduierungsgebühr, Semesterbeiträge) können hinzukommen.
Wo ist das Fernstudium am günstigsten? Die staatliche FernUniversität in Hagen kann mit Abstand die kostengünstigste Option in Deutschland sein. Hier zahlst du lediglich moderate Semesterbeiträge. Auch einige staatliche Hochschulen mit Fernstudienprogrammen bieten vergleichsweise günstige Konditionen, bei denen du zum Beispiel nur einen Semester- bzw. Sozialbeitrag zahlst. Bei privaten Anbietern lohnt es sich, die Gesamtkosten genau zu vergleichen – nicht nur den Monatsbeitrag, sondern auch Gebühren für Prüfungen, Material und Graduierung.
Wie bekomme ich mein Fernstudium finanziert?
Die wichtigsten Finanzierungswege für ein Fernstudium sind BAföG bzw. Aufstiegs‑BAföG (unter bestimmten Voraussetzungen auch für Fernstudierende möglich), Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit, Stipendien (z. B. Deutschlandstipendium, auch an Fernhochschulen), steuerliche Absetzbarkeit (Studiengebühren als Werbungskosten oder Sonderausgaben), Arbeitgeberzuschüsse und Ratenzahlungsmodelle der Hochschulen. Informiere dich frühzeitig über die Möglichkeiten – die Finanzierung sollte kein Grund sein, auf ein Fernstudium zu verzichten.
Beratungsbox
Frag bei deinem Arbeitgeber nach, ob Bildungsurlaub möglich ist. Die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland, aber in vielen Fällen hast du Anspruch auf zusätzliche freie Tage für Prüfungen oder Präsenzveranstaltungen. Übrigens: Dein Arbeitgeber muss ein Fernstudium nicht formell genehmigen – du studierst in deiner "Freizeit". Allerdings kann es sinnvoll sein, offene Karten zu spielen, um Verständnis für Prüfungsphasen zu gewinnen.
Fernstudium ohne Abitur – geht das?
Ja, das geht. Seit den Reformen im Zuge des Bologna- und Kopenhagen-Prozesses stehen Hochschulen auch Personen ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung offen. In der Regel brauchst du dafür eine abgeschlossene Berufsausbildung plus mehrjährige Berufserfahrung, eine berufliche Aufstiegsfortbildung (z. B. Meister, Fachwirt, Techniker) oder das Bestehen einer Zugangsprüfung.
Laut der Studie von Dahm et al. (2019) hat gut ein Drittel der nicht-traditionellen Studienanfänger*innen in Deutschland ein Fernstudium begonnen – das zeigt, wie gut das Fernstudium gerade für Personen auf dem zweiten Bildungsweg funktioniert. Die flexible Struktur erlaubt es, Beruf und Studium parallel zu führen, ohne z. B. dabei deinen Job aufgeben zu müssen.
Die konkreten Zugangsvoraussetzungen variieren je nach Bundesland und Hochschule. Informiere dich direkt bei deiner Wunschhochschule über die Möglichkeiten – viele Fernhochschulen haben mittlerweile eigene Beratungsangebote für Studieninteressierte ohne Abitur.
Ist ein Fernstudium gleichwertig zu einem Präsenzstudium?
Die kurze Antwort: Ja, ein Fernstudiumsabschluss ist gültig und gleichwertig. Solange der Studiengang staatlich anerkannt und akkreditiert ist, hat dein Bachelor- oder Masterabschluss denselben rechtlichen Status wie ein Abschluss aus einem Präsenzstudium. Arbeitgeber*innen sollten anhand des Abschlusszeugnisses nicht unterscheiden, ob du in Präsenz oder per Fernstudium studiert hast – und müssen es auch nicht.
Tatsächlich können Fernstudierende bei vielen Personalverantwortlichen auch einen guten Ruf haben. Ihnen werden Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, Selbstdisziplin, Zeitmanagement und Eigenmotivation zugeschrieben, die sich positiv auf die Berufslaufbahn auswirken können (vgl. Sommerfeldt & Höllermann, 2016).
Gleichzeitig solltest du bei der Wahl deiner Hochschule darauf achten, dass sie staatlich anerkannt ist und die Studiengänge eine gültige Akkreditierung besitzen. Das ist der entscheidende Qualitätsnachweis – nicht die Frage, ob du auf dem Campus oder am Schreibtisch gelernt hast.
✔︎ Checkliste: Das solltest du vor der Einschreibung beachten
- Ist der Studiengang staatlich anerkannt und akkreditiert?
- Habe ich die Zugangsvoraussetzungen geprüft (Abitur, Berufserfahrung, Zugangsprüfung)?
- Sind die Gesamtkosten transparent und in mein Budget integrierbar?
- Kenne ich die Prüfungsformate und Präsenzanforderungen?
- Habe ich meine zeitlichen Ressourcen realistisch eingeschätzt?
- Ist die Finanzierung geklärt (BAföG, Arbeitgeberzuschuss, Stipendium)?
- Habe ich mein Umfeld (z. B. Arbeitgeber, Familie) über das Vorhaben informiert?
Selbstcheck: Passt ein Fernstudium zu mir?
Bevor du dich einschreibst, nimm dir einen Moment für diese Reflexionsfragen. Sie helfen dir, deine Motivation und deine Rahmenbedingungen besser einzuschätzen.
1
Frage 1: Warum möchte ich studieren – und warum gerade jetzt?
Ist es ein konkretes berufliches Ziel, ein persönliches Bildungsinteresse oder der Wunsch nach Veränderung? Studien zeigen, dass Fernstudierende mit klarer Zielsetzung motivierter und erfolgreicher sind (vgl. Wolter et al., 2016).
2
Frage 2: Kann und will ich über einen längeren Zeitraum eigenständig lernen?
Ein Fernstudium bedeutet, wochen- und monatelang selbstgesteuert zu arbeiten – ohne dass jemand dich daran erinnert. Hast du diese Disziplin? Oder brauchst du eher den Rahmen einer festen Lerngruppe?
3
Frage 3: Unterstützt mein Umfeld mein Vorhaben?
Die Forschung zeigt eindeutig: Die Privatwelt kann der wichtigste Faktor für den Lernerfolg im Fernstudium sein – wenn die familiäre Situation stimmt, gelingt auch das Studieren deutlich besser. Besprich dein Vorhaben nach Möglichkeit offen mit deiner Familie oder deinem sozialen Umfeld.
4
Frage 4: Habe ich realistische Erwartungen an den Zeitaufwand?
Plane bei einem Teilzeitstudium mindestens 15 bis 20 Stunden pro Woche ein, in Prüfungsphasen auch mehr. Wenn du Vollzeit arbeitest und Familie hast, wird es zeitlich eng – aber nicht unmöglich, wenn du konsequent planst.
5
Frage 5: Wie gehe ich mit Rückschlägen um?
Ein Fernstudium hat Durststrecken. Module, die nicht sofort klicken, Prüfungen, die schiefgehen, Phasen, in denen die Motivation nachlässt. Wenn du solche Situationen als Lernchance statt als Scheitern betrachtest, bist du gut aufgestellt.
Übrigens: Viele Fernhochschulen bieten die Möglichkeit, einzelne Module unverbindlich zu testen oder einen Probemonat zu absolvieren. Nutze das, um herauszufinden, ob dir das Format liegt, bevor du dich langfristig bindest.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Fernstudium
Ist ein Fernstudium eine Ausbildung?
Nein, ein Fernstudium ist kein Ausbildungsverhältnis, sondern ein akademisches Studium, das zu einem Hochschulabschluss (z. B. Bachelor oder Master) führt. Es unterscheidet sich grundlegend von einer dualen Berufsausbildung, auch wenn es berufsbegleitend absolviert werden kann.
Ist ein Fernstudium schwerer als ein normales Studium?
Inhaltlich sind Fernstudiengänge in der Regel vergleichbar anspruchsvoll wie Präsenzstudiengänge. Die besondere Herausforderung liegt häufig weniger im Stoff selbst als in der Selbstorganisation: Du musst dir Lernzeiten aktiv schaffen und dich ohne feste Seminarzeiten motivieren. Manche empfinden das als schwieriger, andere genießen die Freiheit.
Wie hoch ist der Altersdurchschnitt von Fernstudierenden?
Fernstudierende sind in der Regel häufig älter als Präsenzstudierende. Laut den BIBB-Strukturdaten 2024 liegt der Schwerpunkt bei den 25- bis 49-Jährigen. An der FernUniversität in Hagen beispielsweise studieren viele Personen in ihren Dreißigern und Vierzigern, zunehmend aber auch jüngere Menschen, die digitale Studienformate bevorzugen.
Was kann man alles als Fernstudium studieren?
Das Angebot reicht von Wirtschaft, Informatik, Psychologie und Soziale Arbeit über Ingenieurwissenschaften und Gesundheitsmanagement bis hin zu Design, Pädagogik und Rechtswissenschaften. Eingeschränkt sind vor allem Fächer mit hohem Laboranteil oder mit Staatsexamen (z. B. Medizin, Jura-Staatsexamen, Lehramt).
Welches Fernstudium ist seriös?
Ein seriöses Fernstudium erkennst du an der staatlichen Anerkennung der Hochschule und der Akkreditierung der Studiengänge. Fernstudiengänge, die unter das Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) fallen, müssen zudem von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen sein. Informiere dich auf den Seiten der ZFU oder des Hochschulkompass, ob dein gewünschter Studiengang diese Kriterien erfüllt.
Weiterführende Quellen & Informationen
- Fogolin, A. (2023): Strukturdaten Distance Learning/Distance Education 2023. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn.
- Hüsch, M. (2024): Trend zum Fernstudium: Überblick über das aktuelle Studienangebot, die Entwicklung der Studierendenzahlen und Implikationen für die Hochschulforschung. Beiträge zur Hochschulforschung, 46. Jahrgang, 2/2024.
- Krey, K. (2022): Lernerfolg im Fernstudium. Der Einfluss lebensweltlich erworbener Kompetenzen. Budrich Academic Press, Opladen.
- Statistisches Bundesamt (2023): Statistischer Bericht – Statistik der Studierenden, Wintersemester 2022/23.


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