Dein Studium: Du stehst wohl vor einer der größten Entscheidungen deines Lebens – und weißt noch nicht genau, welcher Weg der richtige ist. Vielleicht hast du genug von starren Stundenplänen und überfüllten Hörsälen. Oder du willst Studium und Job unter einen Hut bringen, ohne zwischen beidem aufgerieben zu werden. Das Online-Studium hierbei klingt verlockend – aber was steckt wirklich dahinter? Dieser Artikel gibt dir einen fundierten Überblick – mit dem, was du wirklich wissen solltest.
Kurz erklärt: Was ist ein Online-Studium?
Ein Online-Studium – manchmal auch Fernstudium genannt – ist ein akademisches Studienformat, bei dem Lernmaterialien und Lehrveranstaltungen überwiegend digital und ortsunabhängig stattfinden.
- Für wen: z. B. Berufstätige, Eltern, Personen mit eingeschränkter Mobilität, Abiturient*innen, die flexibel studieren wollen
- Zentrale Chance: Zeitliche und örtliche Selbstbestimmung, Vereinbarkeit von Studium und Alltag
- Zentrale Herausforderung: Hohes Maß an Selbstdisziplin erforderlich, soziale Isolation möglich, Qualität variiert je nach Anbieter
Was ist ein Online-Studium – und wie unterscheidet es sich vom Präsenzstudium?
Ein Online-Studium ist in der Regel ein vollwertiges akademisches Studium, das du überwiegend von zu Hause aus absolvierst. Statt täglich in die Uni zu pendeln, lernst du digital: über Videolektionen, herunterladbare Studienbriefe, interaktive Lernplattformen und Online-Seminare. Die Hochschule kommt also zu dir – nicht umgekehrt. Das klingt nach maximaler Freiheit, und ein Stück weit stimmt das auch. Gleichzeitig bedeutet es: Du trägst deutlich mehr Eigenverantwortung als im Präsenzstudium. Niemand schaut dir über die Schulter. Das kann Chance und Herausforderung zugleich sein.
Der größte strukturelle Unterschied liegt meist im Lernrhythmus. Während du im Präsenzstudium einem festen Stundenplan folgst, gestaltest du beim Online-Studium deinen Lernalltag selbst – zumindest größtenteils. Manche Programme bieten live stattfindende Online-Seminare an, die zu festen Zeiten besucht werden müssen. Die meisten Inhalte sind jedoch asynchron abrufbar, also unabhängig von Uhrzeit und Wochentag. Was viele nicht wissen: Auch Prüfungen laufen im Fernstudium häufig anders ab. Je nach Hochschule finden sie online statt (z. B. beaufsichtigt per Kamera) oder an einzelnen Präsenzzentren. Gelegentliche Präsenzpflichten – zum Beispiel für Abschlussarbeitsverteidigungen – kann es bei manchen Anbietern durchaus geben.
Online-Studium vs. Fernstudium: Ist das dasselbe?
Im deutschen Hochschulkontext werden die Begriffe „Online-Studium" und „Fernstudium" oft synonym verwendet. Beide beschreiben ein Studienformat, das überwiegend auf Distanz stattfindet. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) unterscheidet dabei drei Unterformen:
- Fernstudium: Präsenzanteil unter 50 %
- Blended Learning: Mischung aus Online- und Präsenzphasen mit einem Präsenzanteil über 50 %
- Reines Onlinelernen: Kein Präsenzanteil
Im Alltag sprechen die meisten Menschen vom „Online-Studium", wenn sie ein weitgehend digitales Format meinen – unabhängig davon, ob gelegentlich Präsenztermine anfallen. Die offizielle Bezeichnung in der Hochschulstatistik lautet hingegen „Fernstudium". Wenn du also nach einem Online-Studiengang suchst, findest du ihn meist in Datenbanken wie unserem StudyFinder unter dem Stichwort „Fernstudium".
Ein wichtiger Unterschied besteht gegenüber reinen MOOCs (Massive Open Online Courses): Diese sind meist kostenpflichtige Einzelkurse auf Plattformen wie Coursera oder edX – ohne akademischen Abschluss. Ein Online-Studium hingegen ist ein vollständiger Studiengang, der in der Regel mit einem anerkannten akademischen Grad wie Bachelor oder Master abschließt.
Wie funktioniert ein Online-Studium konkret?
Der typische Ablauf eines Online-Studiums sieht in groben Zügen so aus: Nach der Immatrikulation erhältst du Zugang zu einer digitalen Lernplattform. Dort findest du Studienbriefe, Videovorlesungen, Lernquizze und Aufgaben – gegliedert nach Modulen, die du in der Regel in einem bestimmten Tempo abarbeiten musst oder kannst. Viele Hochschulen bieten ergänzend Online-Tutorien an, in denen du Fragen stellen und mit anderen Studierenden diskutieren kannst. Diese finden oft per Videokonferenz statt, manchmal auch als schriftliche Foren. Das soziale Erlebnis eines Präsenzstudiums ersetzt das nicht vollständig – aber es schafft zumindest digitale Gemeinschaft.
Prüfungen können je nach Hochschule unterschiedlich aussehen. Möglich sind beaufsichtigte Online-Klausuren, Hausarbeiten, mündliche Online-Prüfungen oder auch Klausuren an regionalen Prüfungszentren. Bei manchen Fernhochschulen – etwa der FernUniversität in Hagen – werden Prüfungen nach wie vor in Präsenz abgenommen. Schau dir entsprechend vor der Einschreibung noch genau an, wie Prüfungen abgehalten werden. Wenn du beruflich viel reist oder in einer ländlichen Region lebst, können Präsenzklausuren vielleicht ein Hindernis sein.
Welche Studiengänge gibt es im Fernstudium?
Das Angebot ist breiter als viele vermuten. Laut einer Analyse der HRK aus dem Jahr 2023 waren zu diesem Zeitpunkt mehr als 1.000 Fernstudiengänge an deutschen Hochschulen gelistet – verteilt auf rund 114 Hochschulen. Das entspricht etwa jedem zwanzigsten Studiengang in Deutschland.
Die fachlichen Schwerpunkte liegen dabei klar im wirtschaftsnahen Bereich:
Tabelle 1: Fächergruppen und deren Anteil an Fernstudienangeboten (Quelle: Hüsch, 2024)
Besonders stark vertreten sind Studiengänge in BWL, Informatik, Psychologie, Wirtschaftsingenieurwesen sowie Gesundheits- und Pflegewissenschaften. Im Masterbereich sind Management, Data Science und Pädagogik häufig anzutreffen. Du willst Jura online studieren? Auch das geht – allerdings mit Einschränkungen, da das erste und zweite Staatsexamen Präsenzprüfungen voraussetzen.
Was hingegen im reinen Fernstudium kaum oder gar nicht funktioniert: Studiengänge mit hohen Laboranteilen (z. B. klassische Chemie oder Medizin im Vollsinne) oder solche mit verpflichtenden Pflichtpraktika in bestimmten Formaten.
Was kostet ein Online-Studium?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten – die Spanne ist erheblich. Laut einer Auswertung der HRK liegt der Median der durchschnittlichen Semesterkosten für Fernstudiengänge bei rund 2.200 Euro. Dahinter verbirgt sich jedoch eine ziemlich große Bandbreite:
- Staatliche Hochschulen (z. B. FernUniversität in Hagen): oft unter 500 Euro pro Semester
- Private Fernhochschulen: häufig 1.000 bis 3.500 Euro pro Semester
- Hochpreisige Masterprogramme: bis zu 9.000 Euro pro Semester
Für ein vollständiges Bachelorstudium (ca. 6–7 Semester) oder Masterstudium (ca. 4 Semester) kommen bei privaten Anbietern häufig Gesamtkosten von über 10.000 Euro zusammen. Außerdem solltest du nicht vergessen, dass es auch reguläre staatliche Hochschulen gibt, die Studiengänge als Fernstudium anbieten.
Beratungsbox
Viele Anbieter kommunizieren Monatsraten, die auf den ersten Blick günstig wirken. Rechne immer die Gesamtlaufzeit durch und beachte eventuelle Anmeldegebühren, Graduierungsgebühren und Kosten für Prüfungsmaterialien.
Gibt es also wirklich kostenlose Online-Studiengänge? Vollständige, akkreditierte Studiengänge ohne Kosten sind in Deutschland eher die Ausnahme. Einzelne staatliche Hochschulen erheben meist nur den regulären Semesterbeitrag (in der Regel 200–400 Euro), der jedoch keine vollständigen Studiengebühren im eigentlichen Sinne darstellt. MOOCs (Massive Open Online Course) und Zertifikatskurse auf Plattformen wie Coursera sind manchmal kostenlos zugänglich – führen jedoch nicht zu einem akademischen Abschluss.
Online studieren ohne Abitur – geht das?
Gute Nachrichten: Deutschland hat in den vergangenen Jahren den Hochschulzugang für Menschen ohne klassische Hochschulreife erweitert. Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrere Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, darf in den meisten Bundesländern an Hochschulen studieren – auch im Fernstudium.
Forschungsdaten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Fernstudierende im Durchschnitt älter sind als klassische Präsenzstudierende. Ein relevanter Anteil verfügt über eine berufliche statt schulische Hochschulzugangsberechtigung – das Fernstudium ist also strukturell für diese Zielgruppe gut geeignet.
Was du konkret prüfen solltest:
- Welche Zugangsvoraussetzungen gelten an der jeweiligen Hochschule?
- Gibt es ein Probestudium oder Zugangsgespräch?
- Ist der Studiengang akkreditiert und staatlich anerkannt?
Die Regelungen können je nach Bundesland und Hochschule erheblich variieren. Lass dich im Zweifel direkt von der Studienberatung der jeweiligen Hochschule beraten.
Staatliche vs. private Hochschulen im Fernstudium
Das ist eine der zentralen Fragen beim Online-Studium – und sie lässt sich nicht mit einem einfachen „privat ist schlechter" abtun. Tatsächlich wird die Mehrzahl der Fernstudienangebote in Deutschland von privaten Hochschulen angeboten: Laut HRK entfallen rund 68 % aller Fernstudiengänge auf private Träger. Gleichzeitig gilt: Auch private Hochschulen können staatlich anerkannt und akkreditiert sein. Das bedeutet, dass ihre Abschlüsse im deutschen und europäischen Bildungssystem offiziell anerkannt werden. Entscheidend ist also nicht die Trägerschaft, sondern die Akkreditierung.
Tabelle 2: Staatliche vs. private Hochschulen im Fernstudium
Prüfe bei privaten Anbietern immer, ob der Studiengang durch den Akkreditierungsrat zugelassen ist. Nur dann ist der Abschluss auch außerhalb Deutschlands vollständig anerkannt.
Für wen eignet sich ein Online-Studium?
Das Fernstudium ist kein Studium zweiter Klasse – es ist ein Studienformat für bestimmte Lebenssituationen. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist ein wesentliches Merkmal des Distance-Education-Formats, dass es Bildung mit Erwerbstätigkeit, familiären Verpflichtungen oder eingeschränkter Mobilität vereinbar macht.
Das Online-Studium passt gut zu dir, wenn du…
✔︎ ...bereits berufstätig bist und nicht aufhören willst oder kannst zu arbeiten.
✔︎ ...Familie oder Pflegeverantwortung hast und flexible Zeiteinteilung brauchst.
✔︎ ...in einer Region lebst, in der Präsenzstudienorte weit entfernt sind.
✔︎ ...bereits ein Studium hast und einen Masterabschluss draufsattelst.
✔︎ ...sehr selbstdiszipliniert bist und eigenverantwortlich lernst.
✔︎ ...gesundheitliche Einschränkungen hast, die regelmäßige Anwesenheit erschweren.
Das Online-Studium könnte schwierig sein, wenn du...
❌ ...von direktem sozialem Austausch mit Kommilitonen lebst.
❌ ...Schwierigkeiten hast, dich selbst zu motivieren und zu strukturieren.
❌ ...ein Fach studieren willst, das intensive Laborarbeit oder Klinikpraktika erfordert.
❌ ...das klassische Campusleben erleben möchtest.
Das Fernstudium in Zahlen: Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung
Das Online-Studium ist kein Nischenphänomen mehr. Laut dem CHE hat sich die Zahl der Fernstudierenden in Deutschland von rund 68.000 im Wintersemester 2006/07 auf über 250.000 im Wintersemester 2022/23 mehr als verdreifacht. Ihr Anteil an allen Studierenden in Deutschland liegt inzwischen bei über 8 Prozent. Während früher die staatliche FernUniversität in Hagen das Segment dominierte, treiben heute vor allem private Hochschulen das Wachstum voran. Der Anstieg zeigt: Das Online-Studium entspricht einem echten, wachsenden Bedarf – besonders bei Menschen, die Flexibilität brauchen.
Das BIBB bestätigt in seinen jährlichen Strukturdaten zum Distance Learning und Distance Education, dass entsprechende Angebote insbesondere als berufsbegleitende Bildungsformate genutzt werden – weil sie ein weitgehend orts- und zeitunabhängiges Lernen ermöglichen.
FAQ: Die häufigsten Fragen zum Online-Studium
Kann man komplett online studieren?
Ja, das ist grundsätzlich möglich. Viele private, aber auch staatliche Hochschulen bieten vollständig digitale Studiengänge an. Bei staatlichen Hochschulen wie der FernUniversität in Hagen können einzelne Prüfungen an regionalen Zentren Pflicht sein. Schau dir dementsprechend die Prüfungsordnung vor der Einschreibung sorgfältig an.
Wie viele Stunden am Tag braucht man für ein Online-Studium?
Das hängt stark vom Studiengang und dem persönlichen Lerntempo ab. Als grobe Orientierung gelten pro Semester und Modul rund 150–300 Stunden Workload (je nach ECTS-Punkten). Bei einem berufsbegleitenden Studium mit 30 ECTS pro Jahr solltest du realistisch mit 10–20 Stunden pro Woche rechnen.
Werden Online-Abschlüsse anerkannt?
Akkreditierte Abschlüsse von staatlich anerkannten Hochschulen werden in Deutschland – und in der Regel auch EU-weit – vollständig anerkannt. Die Akkreditierung prüfst du am einfachsten im Akkreditierungsrat-Datenbank. Nicht akkreditierte Zertifikate sind hingegen akademisch nicht gleichwertig.
Wie laufen Prüfungen bei einem Fernstudium ab?
Das variiert je nach Hochschule erheblich. Möglich sind: Online-Klausuren mit Beaufsichtigung per Kamera (Proctoring), Hausarbeiten, mündliche Online-Prüfungen oder Präsenzklausuren an regionalen Prüfungszentren. Im Zweifelsfall frag direkt bei der Hochschule nach, bevor du dich einschreibst.
Für wen eignet sich ein Fernstudium besonders?
Für Berufstätige, Eltern, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sowie für Personen, die ihr Studium selbstbestimmt und flexibel gestalten wollen. Auch für Menschen ohne klassische Hochschulreife kann das Fernstudium einen Zugang zur akademischen Bildung eröffnen.
Welche Fachrichtungen gibt es im Online-Studium?
Das Angebot ist breit: Wirtschaft, BWL, Informatik, Psychologie, Gesundheitswissenschaften, Ingenieurwesen, Soziale Arbeit, Pädagogik und vieles mehr. Besonders stark vertreten sind wirtschaftsnahe Studiengänge, da diese meist gut digital lehrbar sind.
Wie viele Studierende brechen ein Fernstudium ab?
Verlässliche flächendeckende Abbruchquoten für das Fernstudium werden in Deutschland bisher nicht einheitlich erhoben. Verschiedene Studien und Hochschulberichte deuten darauf hin, dass die Abbruchquote im Fernstudium – besonders bei berufsbegleitenden Formaten – tendenziell höher liegt als im Präsenzstudium, was häufig auf unterschätzte Doppelbelastung und fehlende soziale Einbindung zurückgeführt wird.
Weiterführende Quellen & Informationen
- Fogolin, A. (2023): Strukturdaten Distance Learning/Distance Education 2023. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn.
- Hüsch, M. (2024): Trend zum Fernstudium: Überblick über das aktuelle Studienangebot, die Entwicklung der Studierendenzahlen und Implikationen für die Hochschulforschung. Beiträge zur Hochschulforschung, 46. Jahrgang, 2/2024.
- Krey, K. (2022): Lernerfolg im Fernstudium. Der Einfluss lebensweltlich erworbener Kompetenzen. Budrich Academic Press, Opladen.
- Statistisches Bundesamt (2023): Statistischer Bericht – Statistik der Studierenden, Wintersemester 2022/23.


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