Psychologie als Studienwunsch – damit bist du in Deutschland nicht allein: Jedes Jahr bewerben sich viele Abiturient*innen für einen der begehrten Studienplätze in Psychologie. Menschen verstehen, Zusammenhänge erkennen, und später vielleicht als Therapeut*in oder in der Forschung zu arbeiten? Dann fällt ein Begriff immer wieder: Hochschulstart. Warum läuft die Bewerbung für Psychologie darüber? Und vor allem: Welche Chancen hast du wirklich – auch mit einem Abi-Schnitt von 2,0 oder schlechter?
In diesem Guide erfährst du Schritt für Schritt, wie deine Bewerbung über Hochschulstart und das DoSV funktioniert, wie du deinen Abi-Schnitt aufbesserst, und welche Fristen du 2027 kennen musst. Außerdem zeigen wir dir realistische Alternativen - wie du im Zweifelsfalle näher an dein Wunschstudium kommst.
Egal, ob du schon weißt, welche Uni es werden soll, oder noch ganz am Anfang stehst: Dieser Artikel hilft dir, die Bewerbung für Psychologie über Hochschulstart optimal über die Bühne zu bringen - auf geht’s!
Was ist Hochschulstart – und warum läuft Psychologie darüber?
Psychologie ist an vielen Universitäten Deutschlands ein zulassungsbeschränkter Studiengang – also nur eine bestimmte Anzahl an Plätzen ist verfügbar, obwohl es für einen Platz viel Interessenten gibt. Weil sich deutlich mehr Menschen bewerben, als Plätze vorhanden sind, wird das Ganze über das DoSV geregelt, damit kein Platz unbesetzt bleibt.
Bei Hochschulstart findest du zum einen
- Bundesweit zulassungsbeschränkte Fächer: Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin & Pharmazie
- Örtlich zulassungsbeschränkte Fächer: Wie zum Beispiel Psychologie, Wirtschaftspsychologie, Lehramt, Soziale Arbeit u. a. (über das DoSV)
Bei zulassungsfreien Studiengängen hingegen gibt es in der Regel genug Plätze für alle, die sich bewerben. Das heißt: Wenn du die formalen Voraussetzungen erfüllst, kannst du direkt mit einer Zusage rechnen, ohne Konkurrenz um knappe Plätze.
Tabelle 1: ZV vs. DoSV – Was ist der Unterschied?
Der Unterschied: Während Medizin & Co. komplett und zentral über Hochschulstart koordiniert werden, bewirbst du dich in der Regel für Psychologie über Hochschulstart mit deinen Daten bei der jeweiligen Uni. Klingt kompliziert? Keine Sorge – wir führen dich durch jeden Schritt.
Psychologie gehört zu den sogenannten örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen. Das heißt: Die Studienplätze werden nicht zentral wie bei Medizin über das ZV (Zentralverfahren) vergeben, sondern dezentral von den einzelnen Universitäten – koordiniert über Hochschulstart und das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV).
Was bedeutet das nun konkret für dich: Du bewirbst dich über das Bewerbungsportal der jeweiligen Uni, musst deine Bewerbung aber mit deinem Hochschulstart-Konto verknüpfen, damit alles korrekt im DoSV läuft. Klingt auf den ersten Blick etwas technisch – ist aber mit einem klaren Plan gut machbar. Wir erklären dir Schritt für Schritt, wie du dich richtig bewirbst – inklusive dem Online Self-Assessment (OSA-Psych), das manche Unis voraussetzen oder zumindest dringend empfehlen.
Wichtig: Wenn du mit dem Ziel studierst, später einmal Psychotherapeut*in zu werden, solltest du bei der Wahl deiner Universität sehr genau hinschauen. Denn nicht jeder Psychologie-Bachelor erfüllt die gesetzlichen Voraussetzungen für den direkten Zugang zur Approbationsausbildung nach dem Psychotherapeutengesetz (§ 9 PsychThG). Manche Psychologie-Studiengänge vermitteln zwar psychologisches Fachwissen, sind aber nicht “approbationskonform”. In solchen Fällen ist eine spätere Ausbildung zur/zum Psychotherapeut*in ausgeschlossen.
Was ist der OSA-Psych – und warum ist er wichtig?
Der OSA-Psych (Online Self-Assessment Psychologie) ist ein kostenloser Online-Test, bestehend aus drei Modulen, die dir helfen, besser einzuschätzen, ob das Psychologie-Studium zu dir passt – und was dich dabei erwartet:
- Interessen- und Erwartungsabgleich (ca. 20 Minuten)
In diesem Teil reflektierst du, welche Vorstellungen du vom Psychologiestudium hast – und ob sie mit den tatsächlichen Inhalten übereinstimmen. Du lernst, was dich im Studium wirklich erwartet und ob das zu deinen persönlichen Interessen passt.
- Fähigkeitstest zur Selbsteinschätzung (ca. 45 Minuten)
Hier kannst du anhand typischer Aufgaben prüfen, inwieweit deine kognitiven Fähigkeiten – z. B. logisches Denken, Sprachverständnis oder Zahlengefühl – zu den Anforderungen des Studiums passen. Die Aufgaben ähneln denen, wie sie auch in Eignungstests vorkommen könnten.
- Infos rund ums Psychologiestudium
Im letzten Modul bekommst du einen kompakten Überblick über wichtige Inhalte: Wie ist das Studium aufgebaut? Welche Fächer kommen auf dich zu? Was hat sich durch die Reformen geändert? Und was kannst du später mit einem Abschluss in Psychologie beruflich machen – vom Master bis zu typischen Arbeitsfeldern in der Psychologie.
Der OSA-Psych ist kein Auswahltest, der über deine Zulassung entscheidet oder dir zusätztliche Punkte einbringt. Er dient ausschließlich deiner eigenen Orientierung. Deine Ergebnisse werden auch nicht an die Hochschulen übermittelt, sondern nur in einer neutralen Teilnahmebestätigung dokumentiert (ohne Punktzahl).
Manche Unis (z. B. die Uni Freiburg und Heidelberg) verlangen außerdem einen Teilnahmenachweis des OSA-Psych später - nach einer erfolgreichen Bewerbung - bei der Immatrikulation. Bei anderen wird er "nur" dringend empfohlen, um schon im Vorfeld zu checken, ob deine Erwartungen an ein Psychologie-Studium realistisch sind.
Unser Tipp: Mach ihn auf jeden Fall! Der Test dauert etwa 1–1,5 Stunden, ist anonym und bringt dir realistische Einblicke ins Bachelor-Psychologiestudium. Hier geht’s direkt zum Test.
Extra-Chance: Wie der BaPsy-DGPs die Bewerbung stärkt
Wenn du deine Chancen auf einen Psychologie-Studienplatz gezielt verbessern möchtest, solltest du dir den BaPsy-DGPs genauer ansehen: Der bundesweit einheitliche Studieneignungstest für den Bachelorstudiengang Psychologie, entwickelt von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), wird mittlerweile von fast allen Universitäten als zusätzliches Auswahlkriterium berücksichtigt.
Geprüft werden unter anderem schlussfolgerndes Denken, mathematische und sprachliche Kompetenzen sowie psychologisches Verständnis – also genau jene Fähigkeiten, die für ein erfolgreiches Studium wichtig sind.
Beratungsbox
Da der OSA-Psych ähnliche Aufgabenformate enthält und du dort eine Rückmeldung zu deiner Leistung bekommst, empfiehlt es sich, den OSA-Psych vor dem BaPsy-DGPs zu absolvieren. So kannst du dich optimal vorbereiten.
Der BaPsy-DGPs findet einmal im Jahr statt und kostet 100 Euro. Die Anmeldung findet in der Regel im Februar/März eines jeden Jahres statt, sodass der Test im Mai abgelegt werden kann. Eine Wiederholung ist nach zwei Jahren wieder möglich; nach fünf Jahren verliert dein Testergebnis offiziell seine Gültigkeit.
Wie stark dein Testergebnis am Ende in die Auswahlentscheidung einfließt – also z. B. im Verhältnis zur Abiturnote oder weiteren Kriterien – ist in den Zulassungsordnungen der jeweiligen Hochschulen geregelt:
Wie du in der folgenden Tabelle an der ersten Prozentzahl erkennen kannst, ist die Kombi-Quote nicht die einzige Quote, aus der Studierende ausgewählt werden. Meistens gibt es noch eine reine HZB-Quote und - im Gegensatz zu den ZV-Studiengängen - nicht wenige Unis, die eine Wartezeitquote (mit begrenzter Plätze-Anzahl) anbieten. Vereinzelt werten Unis auch sog. “beruflich-qualifizierte” (Aachen, Duisburg-Essen, Münster, Siegen, Wuppertal), Berufsausbildungen (Gießen, Heidelberg), bestimmte Fächer im Abitur (Braunschweig), Dienste oder Beschäftigungen bei kirchlichen oder sozialen Einrichtungen für mind. 1 Jahr (Eichstätt, Heidelberg). Falls eTwas davon auf dich zutrifft, lohnt es sicherlich, dir die jeweiligen Unis nochmal genauer anzuschauen.
Weitere Infos findest du auf den Websites der Unis oder bei der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo).
Tabelle 2: Gewichtung des BaPsy-DGPs in der Kombi-Quote (Stand Juni 2025)
Zur Vorbereitung auf den Test stehen dir auf der Website des Studieneignungstests Psychologie eigens dafür entwickelte kostenlose Übungsaufgaben und Trainingvideos zur Verfügung, um dich mit Single- und Multiple-Choice-Aufgaben des Tests vertraut zu machen.
Auch wenn dein Ergebnis im BaPsy-DGPs nicht stark ausfällt, kann es nicht schaden – dein Punktestand bleibt zumindest so gut wie ohne Test. Dein Ergebnis wird im Testzertifikat in zwei Werten angegeben: Zum einen dein Prozentrang im Vergleich zu allen Teilnehmenden im selben Jahr, zum anderen ein Standardwert, der aus deiner Rohpunktzahl errechnet wird. Welche dieser Angaben verwendet wird, variiert je nach Universität.
Wie funktioniert die Bewerbung für Psychologie über Hochschulstart?
Im DoSV-Bewerbungsportal kannst du dich neben den bundesweit zulassungsbeschränkten auch für örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge bewerben, das heißt Studiengänge, bei denen die Hochschulen vor Ort selbst über die Plätze entscheiden - wie eben auch Psychologie. Die jeweiligen Hochschulen können übrigens nicht einsehen, an welchen anderen Hochschulen die Bewerber*innen und in welcher Reihenfolge du deine Prioritäten im DoSV-Bewerbungsportal setzt - koste also unbedingt die Chance aus, dass du dich für max. 12 Studiengänge über Hochschulstart bewerben darfst.
So gehst du vor:
Bewerbung im DoSV-Bewerbungsportal
+Speichere deine Zugangsdaten für das DoSV-Bewerbungsportal unbedingt sicher ab – du brauchst sie, um deine Bewerbung im Portal zu verfolgen und im Falle eines Zulassungsangebotes dieses auch annehmen zu können.
An welche Termine und Fristen muss ich mich halten?
Registrierung und Bewerbung sind geschafft – jetzt kommt der entscheidender Schritt: die Priorisierung deiner Studienwünsche im DoSV-Bewerbungsportal. Dabei zählt nicht nur dein Abischnitt bzw. dein Testergebnis, sondern auch, wie geschickt du die Reihenfolge deiner Wunsch-Unis wählst. Denn die Priorisierung kann direkten Einfluss darauf haben, welchen Platz du am Ende bekommst. Notiere dir daher unbedingt die Fristen bzw. Termine für die relevanten Zeitabschnitte.
Tabelle 3: Termine und Fristen für die Bewerbung über Hochschulstart zum Sommersemester 2027 für örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge
Quelle: Hochschulstart (Stand: 29.10.2026)
Ab wann eine Bewerbung an der jeweiligen Hochschule möglich ist, entscheiden die Hochschulen bei örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen (also auch Psychologie) selbst. Informiere dich daher am besten direkt auf der Website deiner Wunschunis und wundere dich nicht, falls der Studiengang an einer expliziten Hochschule im DoSV-Bewerbungsportal noch nicht sichtbar ist. Das kannst du übrigens auch auf der Website des Bewerbungsportals prüfen, ohne dich registrieren zu müssen.
Ist es falsch, sich bei Hochschulstart für alle Universitäten gleichzeitig zu bewerben?
Nein, im Gegenteil: Es ist sogar sehr empfehlenswert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die dir das DoSV über Hochschulstart bietet. Du kannst dich für bis zu 12 konkrete Studienangebote (also ein Studiengang an einer bestimmten Hochschule) gleichzeitig bewerben. Wichtig dabei: Deine Reihenfolge (Priorisierung) zählt und kann Auswirkungen darauf haben, welche Zulassung du erhältst.
Falls du dich noch stärker mit der Priorisierung deiner Studienwünsche und den dazugehörigen Koordinierungsregeln auseinandersetzen willst, empfehlen wir dir unseren allgemeineren Hochschulstart-Guide.
Kann man mit 2.0 Psychologie studieren? Deine Checkliste
Psychologie gehört deutschlandweit zu den beliebtesten Studiengängen, und entsprechend hoch ist der Numerus Clausus (NC) an vielen staatlichen Universitäten. Trotzdem gibt es realistische Wege, wenn du strategisch planst und Alternativen mitdenkst.
Wunschunis und Auswahlverfahren prüfen: Wie schon im Vorfeld beschrieben, vergibt nicht jede ihre Studienplätz bloß nach Abiturpunktzahl. Mehr und mehr Unis wählen zu sätzliche Kriterien, wie den BaPsy-DGPs, vereinzelt auch noch Wartesemester, Berufsausbildungen, bestimmte (naturwissenschaftliche) Fächer im Abitur, Dienst, Beschäftigungen bei sozialen oder kirchlichen Einrichtungen (Eichstätt) oder anderweitige Berufsqualifizierung durch eine entsprechende Tätigkeit. Falls du davon etwas abdeckst, kannst du gezielt deine Bewerbungsposition je nach Uni verbessern.
Wichtig: Wenn deine Wunschuni den BaPsy-DGPs berücksichtigt, solltest du diesen unbedingt ablegen, da er deine Chancen nur verbessern, nicht allerdings verschlechtern kann.
Private Hochschulen in Betracht ziehen: Es gibt in Deutschland private Unis mit Psychologie-Studiengängen, die keinen klassischen NC voraussetzen – aber oft ein eigenes Auswahlverfahren (z. B. Gespräche oder Tests) durchführen. Auch die staatliche FernUniversität in Hagen bietet Psychologie an. Hier fallen zusätzliche Studiengebühren an - dennoch können sie eine Alternative sein, um einen sehr hohen NC zu umgehen.
Auslandsoptionen nutzen: In Nachbarländern wie den Niederlanden oder Österreich kannst du oft ebenfalls Psychologie studieren – teils ohne NC, aber mit Aufnahmetests oder anderen Auswahlverfahren. Viele Studiengänge dort sind sogar auf Englisch.
Wartesemester sinnvoll überbrücken: Vereinzelt gibt es an den Universitäten noch Wartezeit-Quoten. Sinnvoller ist zudem, diese Zeit clever zu nutzen, zum Beispiel für entsprechende Praktika, Freiwilligendienste oder sogar eine fachlich passende Ausbildung.
Verwandte Fächer als Alternative wählen: Wenn du dennoch direkt mit einem Studium starten möchtest, kannst du dir genau anschauen, welche Bestandteile des Psychologiestudiums (z. B. anhand eines Modulhandbuches) dich besonderes interessieren und auf Basis dessen einen einen ähnlichen Studiengang auswählen, z. B. Pädagogik, Soziale Arbeit, Biologie. Vergiss aber nicht, dass “studierte” Semester nicht mehr als Wartesemester gelten.


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