Wenn du dich schon mit dem Bewerbungsverfahren für Humanmedizin beschäftigt hast, weißt du schon: Die Abi-Note muss längst nicht das einzige Kriterium für einen Studienplatz sein. Im Quotenmodell von Hochschulstart fließen – je nach Hochschule – unterschiedliche Faktoren ein: Studieneignungstests wie der TMS, HAM-Nat & Co., berufliche Vorerfahrungen, besondere Dienste – und darunter auch das Auswahlgespräch.
Dieses Gespräch kann für dich die große Chance sein, deine Persönlichkeit, Motivation und Eignung zu zeigen – unabhängig vom NC. Aber wie läuft es ab? Welche Fragen erwarten dich? Und wie kannst du dich am besten vorbereiten, ohne dich zu verstellen?
In diesem Guide findest du alle wichtigen Fakten rund um das Medizin-Auswahlgespräch sowie praxisnahe Tipps zur Vorbereitung – los geht’s!
Was ist ein Medizin-Auswahlgespräch?
Das Auswahlgespräch für das Medizinstudium ist eine persönliche Gesprächssituation zwischen dir und einer Auswahlkommission der jeweiligen Hochschule. Anders als bei schriftlichen Bewerbungsunterlagen oder Testergebnissen zählt hier dein persönlicher Eindruck: Motivation und Ziele, Soft Skills wie Empathie oder Kommunikationsfähigkeit, aber auch deine Fähigkeit, mit Stresssituationen umzugehen. Manchmal kann ebenfalls Fachwissen erfragt werden.
Kurz gesagt: Die Hochschule möchte prüfen, ob du nicht nur fachlich, sondern auch menschlich zur Rolle als zukünftige*r Arzt bzw. Ärztin passt.
Welche Hochschulen führen Auswahlgespräche durch?
Nicht alle Hochschulen setzen ein persönliches Auswahlgespräch im Rahmen des AdH-Verfahrens bei Hochschulstart ein – doch für diejenigen, die es anwenden, kann es ein entscheidender Vorteil sein, wenn du dich gut darauf vorbereitest.
Im Auswahlverfahren für Medizin entscheiden die Hochschulen selbst, welche (mindestens!) zwei Kriterien neben der Abiturnote berücksichtigt werden sollen. Informiere dich dementsprechend direkt bei deiner Wunschhochschule, ob sie solche Interviews oder Auswahlgespräche durchführen.
Tabelle 1: Hochschulen mit Auswahlgespräch in Humanmedizin als Kriterium für AdH & ZEQ für das Wintersemester 2025/26
*Unterquote: Innerhalb der AdH- und ZEQ-Quote können Hochschulen Unterquoten einrichten, in denen die Auswahlkriterien nochmal unterschiedlich gewichtet werden. Für jede Unterquote wird eine eigene Rangliste der Bewerber*innen erstellt, aus der anschließend die Zulassungsangebote vergeben werden.
Wenn du dich als Neuabiturient*in bewirbst, erfolgt die Anmeldung in der Regel durch eine Einladung der Hochschule, meistens durch ein vergleichsweise sehr gutes TMS-Ergebnis. Informiere dich im Vorfeld unbedingt über das Anmeldeverfahren der jeweiligen Hochschule.
Während an staatlichen Universitäten das Auswahlgespräch also nur an bestimmten Standorten eingesetzt wird, gehört es an privaten Hochschulen fast immer zum Bewerbungsprozess. Beispiele sind die Universität Witten/Herdecke, die Medizinische Hochschule Brandenburg oder die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Nürnberg. Hier steht meist nicht die Abiturnote im Vordergrund, sondern deine Motivation, Persönlichkeit und Eignung für den Arztberuf.
Typische Formate der Auswahlgespräche
Das Auswahlgespräch kann je nach Uni sehr unterschiedlich ablaufen. Häufige Formate, in denen du dich wiederfinden kannst, sind:
- Klassisches Interview: Ein Gespräch mit einer Kommission, bei dem du Fragen zu deiner Motivation, deinem Werdegang und deinen Zielen beantwortest.
- Multiple Mini Interviews (MMI): Mehrere kurze Stationen mit verschiedenen Szenarien (z. B. Rollenspiele, Fallbeispiele), die unterschiedliche Kompetenzen testen.
- Gruppengespräche: Du diskutierst in einer kleinen Gruppe mit anderen Bewerber*innen – dabei wird beobachtet, wie du argumentierst, zuhörst und dich einbringst.
Es ist sinnvoll, auf der Website der jeweiligen Hochschule nachzuschauen, ob es dort bereits Vorgaben gibt – auf Nummer sicher gehst du, wenn du persönlich (via E-Mail oder telefonisch) nachhakst, wie du dich optimal vorbereiten kannst. Auf Medi-Learn.de findest du zahlreiche Erfahrungsberichte, die du ergänzend zur Orientierung nutzen kannst.
➡️ Was du in Erfahrung bringen solltest:
1
Recherche ist dein Chancenbooster:
Prüfe auf Hochschulstart und den Webseiten deiner Wunschhochschule, ob und wie sie Auswahlgespräche einsetzen, damit du dich rechtzeitig für ein Gespräch melden bzw. bewerben kannst. Gibt es Voraussetzungen (z. B. ein sehr starkes TMS-Ergebnis), um am Gespräch teilzunehmen?
2
Formate kennen:
Weißt du, ob es ein Einzelgespräch, MMI oder sogar Gruppengespräch wird? Gibt es vonseiten der Hochschule Vorgaben, ob du dich auf das Gespräch vorbereiten kannst?
3
Punktverteilung verstehen:
Wie stark gewichtet die Hochschule das Gespräch im Gesamtverfahren des Quotenmodells von Hochschulstart? Hat es mehr oder weniger Einfluss? Und welche anderen Faktoren sind der jeweiligen Uni noch wichtig?
Typische Themen und Fragen im Auswahlgespräch
Die Gespräche drehen sich in der Regel um deine Motivation, Softskills und persönliche Eignung:
- Warum willst du Medizin studieren?
- Warum willst du Medizin unbedingt an dieser Uni bzw. diesen Standort (Stadt) studieren?
- Welche Erfahrungen (z. B. Praktikum, FSJ, Pflegejob, eigene medizinische Geschichte, spezifische Unterrichtsstunde in der Schule) haben dich geprägt?
- Wie gehst du mit Stress und Belastung um?
- Wie würdest du dich in einem ethischen Dilemma verhalten (z. B. Triage, Organspende)?
- Was macht dich im Team stark?
- Welche aktuellen Herausforderungen siehst du zurzeit im Gesundheitswesen?
Tabelle 2: Hochschulen und ihre Themen im Auswahlgespräch für Humanmedizin (Stand: August 2025)
Es gilt für dich: Auf „richtige“ oder „falsche“ Antworten kommt es weniger an – wichtiger ist, dass du authentisch, empathisch und reflektiert antworten kannst. Auch wenn du etwas nicht weißt, muss das kein “Beinbruch“ sein. Stattdessen kannst du zeigen, dass du verantwortungsbewusst und lösungsorientiert handelst - und z. B. weißt, wie du suchen würdest, um eine Lösung zu finden.
Beratungsbox
Vermeide Aufzählungen von Eigenschaften wie „Ich mag Medizin, weil ich Menschen helfen will“, “Ich bin teamfähig“ oder „Ich bin belastbar“. Wirkungsvoller ist es, wenn du deine Antworten in kurzes Storytelling verpackst:
Erzähle eine prägende Erfahrung oder eine Anekdote, aus der klar wird, warum du eine bestimmte Stärke hast oder was du daraus gelernt hast. Bildhafte Geschichten bleiben bei Menschen oft besser im Gedächtnis als abstrakte Aussagen.
Wie kann man sich auf ein Auswahlverfahren vorbereiten
Ein Auswahlgespräch ist kein Zufallsfaktor – die Hochschulen arbeiten mit klaren Punktesystemen, um Bewerber*innen fair zu bewerten.
Wie kann bewertet werden?
Die Prüfer*innen achten häufig auf:
- Auftreten & Kommunikation → Wirkst du klar, freundlich, teamfähig?
- Motivation → Hast du überzeugende Gründe für das Studium, die über Floskeln hinausgehen?
- Persönliche Eignung & Soft Skills → Inwiefern zeigst du Empathie, Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein?
- Fachliches Grundverständnis → Kannst du selbstbewusst auf aktuelle medizinische Themen oder Ethikfragen antworten oder selbst hinterfragen (keine Prüfung)?
Was passiert nach dem Auswahlverfahren?
Nach dem Auswahlgespräch oder Testverfahren folgt die nächste wichtige Phase: die Auswertung und Rückmeldung. Wie die Auswertung genau abläuft, hängt von der jeweiligen Hochschule ab. Häufiger werden Punkte (max. 100) vergeben, die in eine Gesamtwertung im Vergleich mit allen Kandidat*innen einfließen. Deine abschließende Bewertung gibst du in der Regel bei der Hochschulstart-Bewerbung an, damit sie im Quotenmodell (AdH oder ZEQ) berücksichtigt werden kann.


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