Du willst Ărzt*in werden â aber fragst dich, ob dein Abi-Schnitt reicht? Wenn du zum Wintersemester 2026/2027 Medizin studieren möchtest, kommst du an Hochschulstart und dem NC kaum vorbei.
Doch was bedeutet das eigentlich genau â und wie stehen deine Chancen mit deinem Abi-Schnitt? Vielleicht hast du auch schon vom TMS oder weiteren Kriterien im Quotenmodell gehört â oder dich gefragt, was es mit diesen Quoten bei Hochschulstart eigentlich auf sich hat.
Keine Sorge: In diesem Guide zeigen wir dir Schritt fĂŒr Schritt, wie das Vergabeverfahren fĂŒr Medizin bei Hochschulstart funktioniert, wie du die Bedeutung des NC fĂŒr dich nutzen kannst â und wo du auch mit einem scheinbar âzu schlechtenâ Schnitt noch Chancen hast.
Wie werden MedizinstudienplÀtze vergeben?
Wenn du Medizin studieren willst, fĂŒhrt bei staatlichen Unis in Deutschland kein Weg an Hochschulstart vorbei. Der Studiengang fĂ€llt unter das Zentrale Vergabeverfahren (ZV) â das heiĂt: Alle Bewerbungen werden in Deutschland bundesweit ĂŒber ein einheitliches System koordiniert.
FĂŒr das Wintersemester 2025/2026 haben laut Hochschulstart fĂŒr Humanmedizin 31.543 Interessent*innen auf 10.281 StudienplĂ€tze ihre Bewerbung eingereicht. Ganz klar - die Konkurrenz ist groĂ. Umso wichtiger ist es, sich zum Bewerbungsverfahren einen soliden Ăberblick zu verschaffen.
Ăber Hochschulstart werden die MedizinstudienplĂ€tze (mit Abzug der Vorabquote) ĂŒber drei zentrale Quoten vergeben:
Abiturbestenquote (30âŻ%)
ZusĂ€tzliche Eignungsquote (ZEQ, 10âŻ%)
Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH, 60âŻ%).
In der Abiturbestenquote werden die Studierenden also mit Blick auf die Abiturpunktzahl ausgewÀhlt. In der ZEQ und im AdH zÀhlen zusÀtzliche Kriterien, die von Uni zu Uni unterschiedlich gewichtet sind. Dementsprechend wirkt sich dies auch darauf aus, welche Bewerbenden (sowie deren Abiturpunktzahl) eine Chance haben, an der jeweiligen Uni angenommen zu werden.
Beratungsbox
Je nachdem, in welchem Land du deine Hochschulzugangsberechtigung erhalten hast, gelten fĂŒr dich möglicherweise andere Wege fĂŒr die Bewerbung. Wenn du deine schulische Ausbildung im Ausland abgeschlossen hast, ist unser Hochschulstart-Guide fĂŒr internationale Studierende eine hilfreiche Orientierung fĂŒr dich.
Tipp: Viele Hochschulen erklĂ€ren auf ihren Webseiten genau, welche Bewerbungswege fĂŒr welche NationalitĂ€ten gelten.
Welchen NC braucht man fĂŒr das Medizinstudium?
Der NC (Numerus Clausus) ist keine feste Zahl, sondern beschreibt den Notendurchschnitt des letzten zugelassenen Bewerbers innerhalb einer Quote. Es ist also gar nicht so einfach zu sagen, mit welchem Abschluss du Medizin studieren kannst oder welchen NC der Studiengang Medizin in Deutschland hat. Er kann bei jedem Vergabeverfahren abweichen, abhÀngig von Bewerbungsanzahl, Studienplatzangebot und Auswahlkriterien der jeweiligen Unis.
Dementsprechend ergibt sich der NC nicht pauschal, sondern immer im Kontext einer der drei Quoten â also nicht jede*r mit zum Beispiel 1,1 bekommt automatisch einen Platz. Entscheidend ist, in welcher Quote du im Vergleich zu anderen dort abschneidest. Je nach Bundesland können nochmals Unterschiede möglich sein: Da die Abiturnoten zwischen den BundeslĂ€ndern nicht direkt vergleichbar sind, wird fĂŒr jede Landesquote eine eigene Rangliste der Bewerbungen erstellt und anschlieĂend erst in eine bundesweite Liste ĂŒberfĂŒhrt. Daraus ergibt sich dann eine Positionszahl auf Bundesebene, die bestimmt, wo du im Rennen um die PlĂ€tze stehst.
Nichtsdestotrotz kannst du mit Blick auf die Daten des letzten Jahres bzw. auf die Weise, wie deine Wunschunis ihre Studierenden auswÀhlen, deine Chancen nÀher bestimmen. Und das solltest du sogar unbedingt - um zu wissen, an welchen Unis du dich bewirbst oder ob du nicht noch einen Plan B brauchst.
NatĂŒrlich kannst (und solltest) du dich gleichzeitig bei allen teilnehmenden UniversitĂ€ten/Standorten fĂŒr Medizin bewerben â die Reihenfolge (Binnenpriorisierung) kann dabei entscheidend sein, ob du einen Studienplatz bekommst oder nicht. Ăbrigens: Die einzelnen Unis können deine festgelegte Reihenfolge nicht einsehen.
Tabelle 1: Medizin NC BundeslĂ€nder 2024/2025 fĂŒr die Abiturbestenquote (Quelle: Hochschulstart)
An Tabelle 1 erkennst du bereits, dass sich Tendenzen heraus kristallisieren, - trotz Unterschiede im Abitur der BundeslĂ€nder -, an welchen Hochschulen es eher schwieriger ist, fĂŒr Humanmedizin angenommen zu werden. Dazu gehören sicherlich die Unis MĂŒnster und Heidelberg sowie die CharitĂ© in Berlin.
An Unis wie SaarbrĂŒcken, Greifswald, Rostock oder Magdeburg könntest du in der Abiturbestenquote je nach deinem Bundesland und Abiturschnitt bessere Chancen haben.
So hast du bessere Chancen auf einen Medizinstudienplatz
Du musst dich nicht separat fĂŒr die einzelnen Quoten bewerben (abgesehen von der Vorabquote bei Sonder- oder HĂ€rtefĂ€llen) - das passiert automatisch mit deiner Bewerbung. Je nachdem, in welcher Vergabequote du gute Chancen hast, solltest du deine Binnenpriorisierung (also die Reihenfolge der Bewerbungen fĂŒr Medizin) dementsprechend anpassen. FĂŒr Zweitstudienbewerber*innen gelten zudem gesonderte Regelungen, insbesondere bei der Quotenvergabe (siehe die Vorabquote), sodass hier je nach Hochschule andere Kriterien entscheidend sein können.
So gehst du strategisch vor: Wie du weiĂt, werden die MedizinstudienplĂ€tze ĂŒber drei zentrale Quoten vergeben: Abiturbestenquote (30âŻ%), ZusĂ€tzliche Eignungsquote (ZEQ, 10âŻ%) und das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH, 60âŻ%).
Gerade in der ZEQ und im AdH zĂ€hlen zusĂ€tzliche Kriterien, die von Uni zu Uni unterschiedlich gewichtet werden â und genau hier setzt deine Strategie an.
1.
Bei welchen Unis komme ich mit meiner Abitur-Punktzahl in die Abiturbestenquote?
FĂŒr einen ersten Eindruck, bei welchen Unis du in die Auswahlgrenzen kommst, kannst du z. B. den MediRanger oder die ncrechner-App nutzen, um deine Chancen bei den einzelnen Standorten realistisch einzuschĂ€tzen.
Wenn du die exakt gleiche Punktzahl mit einer anderen Bewerbung hast, kann ein Dienst (Freiwilliges Soziales Jahr, Wehrdienst/Zivildienst, Entwicklungshilfedienst etc.) als nachrangiges Kriterium auch in der Abiturbestenquote gelten und dich in der Rangliste vorrĂŒcken.
2.
Mit welchen zusÀtzlichen Kriterien kann ich bei der (ZEQ) und (AdH) punkten?
Im zweiten Schritt solltest du prĂŒfen, bei welchen Unis du durch weitere Kriterien deine Punktzahl signifikant steigern könntest.
Folgende Kriterien können von Unis fĂŒr Medizin berĂŒcksichtigt werden:
- Punkte der Hochschulzugangsberechtigung im Auswahlverfahren der Hochschulen (nur in der AdH-Quote!)
- Ergebnis eines fachspezifischen Studieneignungstests
- Interview bzw. AuswahlgesprÀch an der jeweiligen Uni
- eine absolvierte Berufsausbildung oder eine BerufstĂ€tigkeit in einem Ausbildungsberuf im Gesundheitsbereich, mit einer Mindestdauer von 12 Monaten (siehe Liste fĂŒr AdH oder ZEQ)
- ehrenamtliche TĂ€tigkeiten im medizinisch-sozialen Bereich mit einer Dauer von mindestens 2 Jahren (ASB, DLRG, DRK/DKMS, Malteser, Johanniter, THW, Feuerwehr etc.)
- ein Dienst von mindestens 11 Monaten (z. B. Bundesfreiwilligendienst, Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst WeltwÀrts, EuropÀischer Freiwilligendienst, Zivildienst etc.)
- auĂerschulische fachspezifische Qualifikationen, wie z. B. Preise bei Wettbewerben
Jede Uni entscheidet auĂerdem selbst, wie viele Punkte sie je Kriterium vergibt (max. 100 Punkte). Ein Blick darauf kann sich also lohnen: So kannst du entscheiden, ob z. B. die Teilnahme an einem Studieneignungstest bei dir Sinn ergibt oder ob du durch einen Freiwilligendienst fĂŒr das nĂ€chste Jahr notwendige Punkte sammeln könntest. Wenn deine Abiturpunktzahl nicht ganz so hoch ist, solltest du dir auch ansehen, an welchen Unis diese weniger stark gewichtet wird (im AdH).
TMS & Co. â Wie du deine Chancen auf einen Medizinstudienplatz verbesserst
Deine Abiturpunktzahl reicht nicht ganz fĂŒr einen Studienplatz in Medizin? Dann könnten die eben genannten Kriterien fĂŒr die ZEQ und das AdH sinnvoll fĂŒr dich sein. Studieneignungstests sind eine dieser Möglichkeiten, deine Chancen zu erhöhen. Fast alle Unis werten das Ergebnis als Faktor im Auswahlverfahren â und das kann in knappen FĂ€llen entscheidend sein.
Studieneignungstests - Was ist der TMS?
Studieneignungstest sind speziell fĂŒr medizinische bzw. naturwissenschaftliche FĂ€cher. FĂŒr Humanmedizin können folgende Tests fĂŒr dich relevant werden:
HAM-Nat und HAM-SJT (fĂŒr Hamburg und Magdeburg)
FĂŒr den TMS solltest du mit einer GebĂŒhr von 100 Euro rechnen. Dieser findet jeweils im FrĂŒhjahr und Herbst in vielen StĂ€dten Deutschlands statt.
Nicht jede Hochschule berĂŒcksichtigt den TMS gleich, aber an vielen Unis kann ein gutes Ergebnis entscheidend sein. Gleichzeitig können âschlechtereâ Ergebnisse deine Gesamtbewerbung nicht negativ beeinflussen.
Wenn du ein sehr gutes TMS-Ergebnis hast, solltest du daher auch Hochschulen auswĂ€hlen bzw. höher priorisieren, bei denen der Test hoch gewichtet wird â so kannst du deine Abiturpunktzahl âausgleichenâ bzw. optimieren. Andersherum solltest du bei einem schlechten Testergebnis (unter 70 Punkten) tendenziell Unis auswĂ€hlen, die den Test kaum oder weniger gewichten. Ab einem Testergebnis von 130 Punkten erhĂ€ltst du bei beiden Quoten (AdH & ZEQ) die volle Punktzahl innerhalb der vorgesehenen Quote der Uni.
Fazit: Kann ich also mit einem Schnitt von 3.0 Medizin studieren?
Du ahnst es mittlerweile: Den âeinenâ niedrigsten NC gibt es nicht â aber viele clevere Wege, um zum Wunschstudiengang Medizin zu gelangen. Statt dich auf einen einzigen Numerus Clausus zu fixieren, solltest du:
- Deine StÀrken analysieren (Abiturpunktzahl, TMS-Ergebnis, FSJ etc.).
- Deine Wunschhochschulen mit deinen StĂ€rken vergleichen: An welchen Unis gelange ich mit meiner Abiturpunktzahl in den (zulassungsfĂ€higen) NC-Bereich? Und welche Unis âbelohnenâ meine weiteren StĂ€rken bzw. Kriterien besonders stark abseits der Abiturbestenquote (AdH & ZEQ)?
- Eine kluge Binnenpriorisierung entlang deiner Abiturpunktzahl und möglichen weiteren Kriterien im DoSV-Bewerbungsportal wÀhlen oder/und deine StÀrken optimieren (z. B. die Teilnahme an einen Studieneignungstest planen).
Jetzt kann es natĂŒrlich trotzdem passieren, dass du dich zum ersten Mal fĂŒr ein Medizinstudium bewirbst und es nicht direkt im ersten Anlauf klappt. Hier zeigen wir dir realistische Alternativen, mit denen du trotzdem deinem Ziel nĂ€her kommst.
- Private Hochschulen als Alternative
Einige private Hochschulen in Deutschland bieten MedizinstudiengĂ€nge an â mit eigenen Auswahlverfahren, unabhĂ€ngig von der Abiturpunktzahl. Diese Hochschulen setzen verstĂ€rkt auf persönliche GesprĂ€che, Motivation und Eignungstests statt lediglich auf die Abi-Schnitte. Allerdings solltest du die Kosten im Blick behalten. FĂŒr viele Abiturient*innen sind hohe StudiengebĂŒhren keine Option â aber bei klarer Finanzplanung (z.âŻB. ĂŒber Stipendien, Bildungskredite) kann es eine realistische Alternative sein.
Medizinstudium im Ausland â EU & Osteuropa
Ein weiterer Weg fĂŒhrt dich ĂŒber die Grenzen Deutschlands hinaus. Viele angehende Mediziner*innen studieren in LĂ€ndern wie Ungarn, Polen, Lettland, Tschechien. Diese LĂ€nder bieten zum Teil auch deutsch- oder englischsprachige StudiengĂ€nge, teils mit eigenen AufnahmeprĂŒfungen, aber ohne klassischen Numerus Clausus. Der groĂe Vorteil: Ein in der EU erworbener Abschluss wird in Deutschland anerkannt, was einen reibungslosen Einstieg in den spĂ€teren Ă€rztlichen Beruf ermöglicht.
Medizinstudium bei der Bundeswehr
Ein weiterer alternativer Weg zum Medizinstudium fĂŒhrt ĂŒber die Bundeswehr. Jedes Jahr vergibt die Bundeswehr eine begrenzte Anzahl an StudienplĂ€tzen fĂŒr Medizin an Bewerber*innen, die sich fĂŒr eine Offizierslaufbahn im SanitĂ€tsdienst verpflichten (inkl. einer militĂ€rischen Grundausbildung). Das bedeutet: Du studierst an einer zivilen UniversitĂ€t in Deutschland, wirst aber Soldat*in auf Zeit und verpflichtest dich fĂŒr mindestens 17 Jahre Dienstzeit â inklusive Studium, Facharztausbildung und anschlieĂender TĂ€tigkeit als BundeswehrĂ€rzt*in.
Wartezeit nutzen & durch Erfahrung Punkte sammeln
Auch wenn es die klassischen Wartesemester nicht mehr gibt, kannst du deine Zeit zwischen Schulabschluss und Studium aktiv nutzen, um im Auswahlverfahren ĂŒber die ZEQ oder das AdH zu punkten.
Einige sinnvolle Optionen sind zum Beispiel:
Freiwilligendienst (FSJ, BFD etc), auch im Ausland möglich (EDF, AIDA etc.) (jeweils mindestens 11 Monate)
Pflege- oder Rettungsdienstausbildungen
Ehrenamtliche TĂ€tigkeiten im medizinisch-sozialen Bereich (in der Regel mindestens zwei Jahre)
Vor allem bei der ZEQ & AdH kommt es darauf an, welche Qualifikationen die jeweilige Hochschule besonders stark honoriert. Nicht vergessen: Ein Dienst kann auch in der Abiturbestenquote als ein sogenanntes nachrangiges Auswahlkriterium gelten und herangezogen werden, wenn eine gleiche âRangpositionâ vorliegt.
Zweitstudium
Wenn du bereits ein anderes Studium begonnen oder abgeschlossen hast â z.âŻB. Biologie, Biomedizin oder Pflegewissenschaften â kannst du dich als Zweitstudienbewerber*in auf einen Medizinstudienplatz bewerben. Hier gelten spezielle Kriterien: Die Entscheidung richtet sich nicht nur nach der Abschlussnote, sondern auch nach der fachlichen NĂ€he und der BegrĂŒndung deines Studienwunsches.
Landarztquote
Ein spezieller Weg ist die Landarztquote, die es in bestimmten BundeslĂ€ndern gibt. Sie richtet sich nicht unbedingt an junge Abiturient*innen, sondern eher an Bewerber*innen, die Berufserfahrung im medizinischen Bereich haben und dazu bereit sind, spĂ€ter im lĂ€ndlichen Raum als Hausarzt/HausĂ€rztin zu arbeiten. Allerdings sollte dir bewusst sein, dass du fĂŒr in der Regel ca. zehn Jahre als Landarzt/LandĂ€rztin arbeiten wirst. Wer seinen Studienplatz ĂŒber diese Quote bekommen hat, aber seinen Standort ĂŒber die Vertragszeit nicht einhĂ€lt, muss mit hohen Vertragsstrafen rechnen (ca. 250.000 Euro).


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