headerheader
| Duration: 04:00 min.

Modellstudiengang: Besser als der Regelstudiengang? (2026)

Was bedeutet Modellstudiengang im Medizinstudium? Infos zu Unis wie Charité, Hamburg, Augsburg & Co. – verständlich erklärt für Studieninteressierte.

Du möchtest Medizin studieren – aber ohne fixe Trennung von Theorie und Praxis, möglichst praxisnah und vielleicht sogar ohne klassisches Physikum? Dann hast du wahrscheinlich schon vom Modellstudiengang Medizin gehört – doch was steckt dahinter?

 

Der Modellstudiengang ist eine moderne Alternative zum klassischen Regelstudiengang, bei dem bereits ab dem 1. Semester klinische Inhalte und Patientenkontakt im Fokus stehen sollen. Immer mehr Hochschulen in Deutschland bieten das Medizinstudium in dieser Form an – darunter auch Köln, Aachen, Bochum, Hannover und Berlin (Charité).

 

In diesem Artikel erfährst du:

  • Welche Unis Modellstudiengänge anbieten

  • Wie der Ablauf & die Studiendauer aussehen können

  • Ob der Wechsel vom Regel- in den Modellstudiengang möglich ist.

Was ist ein Modellstudiengang im Medizinstudium?

Ein Modellstudiengang ist eine alternative Studienform zum klassischen Regelstudiengang – eingeführt auf Grundlage des § 41 der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO). Ziel soll sein, innovative Lehrkonzepte zu testen, die besser auf den späteren ärztlichen Berufsalltag vorbereiten. Im Gegensatz zum stark getrennten Aufbau im Regelstudiengang (Vorklinik vs. Klinik) soll der Modellstudiengang interdisziplinär, praxisnäher und integrativer gestaltet werden.

 

Statt eines reinen Theoriefokus in den ersten Semestern stehen also schon früher Patientenkontakt, klinische Bezüge und problemorientiertes Lernen im Zentrum. Häufig entfällt im Modellstudiengang das klassische Physikum als Zwischenprüfung – stattdessen werden alternative Prüfungsformen und regelmäßige Leistungsnachweise eingesetzt. Wichtig zu wissen: Modellstudiengänge dürfen vom klassischen Aufbau der Ärztlichen Ausbildung abweichen, aber nur nach Genehmigung durch das jeweilige Landesprüfungsamt. Das bedeutet jedoch auch, dass es nicht den einen Modellstudiengang gibt – je nach Hochschule kann dieser anders gestaltet werden.

 

Wenn du jetzt schon merkst, dass du Interesse an einem Modellstudiengang einer spezifischen Uni hast, solltest du dir deren Profil genauer anschauen.

Wie lange dauert ein Modellstudiengang?

Die Regelstudienzeit im Modellstudiengang Medizin beträgt – wie auch im klassischen Regelstudiengang – zumeist 12 Semester, also 6 Jahre (in der Regel kommen hier noch drei Monate für die Prüfungszeit hinzu). Auch hier schließt das Studium mit dem Dritten Staatsexamen und der Approbation ab, die zur Berufsausübung als Ärztin oder Arzt berechtigt.

 

Normalerweise gliedert sich das Medizinstudium bei den Regelstudiengängen in drei große Abschnitte, kleiner Reminder:

  • Vorklinik (1.–4. Semester):
    ➡️ Hier lernst du die naturwissenschaftlichen und medizinischen Grundlagen, z. B. Anatomie, Biochemie und Physik.

  • Klinik (5.–10. Semester):
    ➡️ In dieser Phase stehen klinische Fächer wie Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie oder Psychiatrie auf dem Plan – ergänzt durch Praxisaufenthalten (Famulaturen) in medizinischen Einrichtungen.

  • Praktisches Jahr /PJ (11.–12. Semester):
    ➡️ Im letzten Abschnitt arbeitest du unter Supervision im Krankenhaus – in den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie und einem weiteren Fach deiner Wahl.

     

Anders sieht es im Aufbau des Modellstudiengangs aus: Die Studieninhalte werden häufig in Blöcken vermittelt, die sowohl vorklinische als auch klinische Inhalte enthalten. Auch die Prüfungen sind modularisiert und über das Studium verteilt. Dies bedeutet, dass Studierende regelmäßig Prüfungen absolvieren, die sowohl theoretisches als auch praktisches Wissen abfragen.

Tabelle 1: Humanmedizin im Regel- und Modellstudiengang (Stand: Juli 2025)

Kriterium

Modellstudiengang Medizin

Regelstudiengang Medizin

Struktur

Integriert (vorklinisch + klinisch gemischt)

Zweiteilig (Vorklinik → Klinik)

Start Praxis

Ab dem 1. Semester möglich, je nach Hochschule

Meist erst ab 5. Semester (nach dem Physikum)

Physikum (1. Staatsexamen)

Entfällt oft, stattdessen kontinuierliche Prüfungen (Physikumsäquivalent)

Physikum als zentrale Prüfung nach 4. Semester

Lernform

Problemorientiert, fallbasiert, oft in Modulen

Theoretischer in der Vorklinik, später klinisch, je nach Hochschule ebenso praxisnähere Umsetzungen möglich

Flexibilität im Wechsel

Wechsel schwierig (weniger standardisiert)

Wechsel je nach Studienplatzmöglichkeiten realistischer, da der Studiengangsaufbau vergleichbarer ist

Patientenkontakt

Früher Kontakt, teils ab dem 1. Semester

Meist erst in der Klinikphase

Innovation

 

Praxisorientierter, Hochschulen gestalten selbst

Etabliert, bundesweit vergleichbarer

Beispiele Hochschulen

Bonn, Duisburg-Essen,

Erlangen-Nürnberg, Erlangen-Bayreuth,

Frankfurt, Freiburg,

Gießen, Göttingen,

Greifswald, Halle,

Heidelberg, Jena,

Kiel, Leipzig,

Lübeck, Magdeburg,

Mainz, Marburg,

Münster, Regensburg,

Rostock, Saarland,

Tübingen, Ulm,

Würzburg

Aachen, Augsburg,

Berlin, Bielefeld,

Bochum, Düsseldorf,

Dresden,

Dresden-Chemnitz,

Hamburg, Hannover,

(komplette Uni-Liste siehe unten)

header

Weitere Informationen

Bewerbung bei Hochschulstart

Gibt es im Modellstudiengang ein Physikum?

Im klassischen Regelstudiengang ist das Physikum nach den ersten 4 Semestern bzw. nach dem 6. Semester eine der zentralen Prüfungen. Es setzt sich aus einem schriftlichen und mündlich-praktischen Teil zusammen, bei dem die Studierenden ihr Wissen in den Grundlagenfächern unter Beweis stellen.

 

Im Modellstudiengang ist das Physikum häufig nicht vorgesehen. Stattdessen wird die Prüfung auf verschiedene Teilbereiche verteilt (Physikumsäquivalent). Während im Regelstudiengang das Studium in zwei klar getrennte Phasen (Vorklinik und Klinik) unterteilt ist, mit dem Physikum (1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung) als Zwischenprüfung, verzichtet der Modellstudiengang häufig auf diese Zweiteilung.  Die Studierenden legen meistens regelmäßig kleinere Prüfungen ab, die kontinuierlich ihre Fortschritte überprüfen, ohne dass es eine zentrale Zwischenprüfung gibt.

 

Der 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (Hammerexamen) findet jedoch wie im Regelstudiengang statt: Alle Medizinstudierenden – egal ob Modell- oder Regelstudiengang – absolvieren dieses Examen. Auch der 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (mündlich-praktisch, nach dem Praktischen Jahr) ist verpflichtend und identisch für beide Studienformen.

Was ist besser – Modellstudiengang oder Regelstudiengang?

Wahrscheinlich hast du dir eine andere Antwort erhofft: Die Entscheidung, ob der Modellstudiengang oder der Regelstudiengang besser ist, hängt von deinen individuellen Lernpräferenzen und Zielen ab. Außerdem ist dir jetzt auch schon klar, dass es von der jeweiligen Uni abhängig ist, wie der Modellstudiengang aufgebaut und umgesetzt wird. 

 

Hier sind einige Reminder, die dir helfen können, die richtige Wahl zu treffen:

Modellstudiengang

✅ Vorteile: Früher Patientenkontakt, praxisorientierter Ansatz, kontinuierliche Prüfungen, integriertes Lernen, modularer Aufbau.

🤔 Nachteile: Weniger strukturierte Theorieeinheiten zu Beginn, keine klassische Zwischenprüfung (Physikum), mögliche Unsicherheit aufgrund neuer und häufiger Prüfungsformate.

Regelstudiengang

✅ Vorteile: Klar definierte Struktur, klassisches Physikum zur Zwischenprüfung, breiter Einsatz von theoretischem Wissen.

🤔 Nachteile: Weniger praktische Anwendung zu Beginn, Theorie und Praxis sind oft stark getrennt, großes Prüfungsformat (Physikum).

Im Vergleich zum klassischen Regelstudiengang Medizin, bei dem die ersten Semester stark theoretisch geprägt sind, verfolgt der Modellstudiengang in der Regel einen interdisziplinären und praxisorientierten Ansatz – hier liegt der Fokus auf einem modularen Aufbau, der einzelne Fachgebiete miteinander verknüpft statt sie isoliert zu behandeln.

 

Dies soll einen früheren Zugang zu praktischen Inhalten, insbesondere durch klinische Fallbeispiele und Patientenkontakt ab dem ersten Semester fördern.

Reminder: Medizin bleibt nichtsdestotrotz im Allgemeinen ein sehr kompetitiver Studiengang - wenn deine Abiturpunktzahl nicht nah an den Bestnoten reicht, solltest du vor allem schauen, mit welcher Abiturpunktzahl du an welcher Uni allgemein realistische Chancen hast, angenommen zu werden.

Wo gibt es Modellstudiengänge in Deutschland?

In Deutschland gibt es eine wachsende Zahl an Medizin-Modellstudiengängen (sowohl öffentliche als auch private), die sich durch praxisnahe Lehre und die Integration vorklinischer und klinischer Inhalte auszeichnen.

 

Im Folgenden findest du eine aktuelle Liste (Stand Juli 2025) der Hochschulen, die ein Modellstudium in der Humanmedizin anbieten:

header

Weitere Informationen

10 häufige Fehler bei Hochschulstart

Modellstudiengänge in Augsburg, Heidelberg/Mannheim & Charité

Wenn du dich mittlerweile für den Modellstudiengang entschieden hast, sollte dir auf jeden Fall klar sein: Der Modellstudiengang Medizin ist nicht gleich Modellstudiengang – jede Hochschule kann das Konzept im Rahmen der ÄApprO unterschiedlich umsetzen.

 

Unterschiede können sich nicht nur in Aufbau und Prüfungsstruktur zeigen, sondern auch in der Ausrichtung auf Forschung, Praxis oder interdisziplinäre Lehre. Wer sich also nur auf Modellstudiengänge fokussieren möchte, sollte daher genauer hinschauen, wie sich Inhalte, Ablauf und Studienalltag tatsächlich gestalten.

 

Als Beispiel dienen uns im Folgenden die Modellstudiengänge der Universitäten in Augsburg, Heidelberg/Mannheim und Berlin (Charité):

Tabelle 2: Vergleich zwischen den Modellstudiengängen in Augsburg, Heidelberg/Mannheim und Berlin (Charité)

Kriterium

Universität Augsburg

Universität Heidelberg (Standort Mannheim, MaReCuM)

Charité Berlin

Aufbau

Modulstruktur mit organ- und symptomzentriertem Lernen

Physikum

Kein klassisches Physikum, modulare Prüfungen (Äquivalentprüfungen)

Besonderheiten

Integration des biopsychosozialen Modells von Gesundheit und Krankheit als Leitidee

Fokus auf Organe & Krankheiten, eigene Schwerpunktsetzung ab dem 1. Studienjahr in Allgemeinmedizin oder ambulante Medizin

Schwerpunkt auf Krankheits- modellen & der Vermittlung von praktischen ärztlichen Fertigkeiten

Abschluss & Approbation

Staatsexamen & Approbation i. d. R. nach 6,5 Jahren

Staatsexamen & Approbation i. d. R. nach 6,5 Jahren

Staatsexamen & Approbation i. d. R. nach 6,5 Jahren

Sprache

Deutsch

Deutsch

Deutsch (einige englischsprachige Inhalte möglich)

Wechsel zwischen Modellstudiengang und Regelstudiengang Medizin – was ist möglich?

Ein Wechsel zwischen Modell- und Regelstudiengang ist - aufgrund fehlbarer Vergleichbarkeit des jeweiligen Studiengangs - sehr schwierig.

 

Ob du vom Modell- in den Regelstudiengang wechseln möchtest oder umgekehrt – in beiden Fällen solltest du dich auf individuelle Prüfverfahren, mögliche Verzögerungen und Zusatzprüfungen einstellen. Auch wenn du beispielsweise Medizin im Ausland angefangen hast zu studieren und einen Wechsel nach Deutschland planst, kann es einfacher sein, in einem “System“ zu studieren, in dem deine Prüfungsleistungen untereinander vergleichbarer sind – wie im Regelstudiengang.

Check

Ob der eine oder andere Studiengang “besser” für dich persönlich ist, kannst du unter anderem daran festmachen, indem du dir folgende Fragen beantwortest:

Lernpräferenzen und Methodik

+

Prüfungsformate

+

Studienorganisation und Selbststrukturierung

+

Berufliche Ziele und Spezialisierung

+

Mobilität und Studienortswechsel

+