Vielleicht bist du mittlerweile in der Oberstufe angekommen und überlegst dir, welchen Weg du nach dem Abitur einschlagen willst. Medizin klang schon immer spannend für dich – aber gleichzeitig tauchen tausend Fragen auf: „Bin ich überhaupt gut genug? Was, wenn mein Abi nicht ausreicht? Und was sagen diese ganzen Werte rund um den NC eigentlich aus?“
Gerade wenn niemand bisher in deinem Umfeld Medizin studiert hat, wirkt der Weg in dieses Studium wie ein großes Labyrinth. Überall liest man von Hochschulstart, einem Numerus Clausus von 1,0 – aber stimmt das wirklich? Bedeutet ein Abi mit 2,0 oder 3,0 automatisch, dass der Traum vom Arztberuf platzt?
Die gute Nachricht: Nicht unbedingt. Der Abiturdurchschnitt ist zwar wichtig, aber längst nicht der einzige Schlüssel zum Medizinstudium. In diesem Artikel erfährst du:
inwiefern dein Abi-Schnitt wichtig ist,
warum der NC Medizin jedes Jahr anders ausfällt,
und du deinen Weg strategisch ins Studium planen kannst – auch ohne Einser-Abi.
Hier bekommst du einen klaren Fahrplan, wie du deine Stärken nutzt und dich gezielt für das Medizinstudium positionierst – mit oder auch ohne Bestnoten.
Warum spielt der Abiturdurchschnitt für das Medizinstudium eine so große Rolle?
Viele Schüler*innen fragen sich kurz vor dem Abi: „Welchen Abiturdurchschnitt brauche ich, um Medizin zu studieren?“ – und genau hier kommt der sogenannte Numerus Clausus (NC) ins Spiel.
Der NC bedeutet nichts anderes, als dass es in der Regel mehr Bewerber*innen gibt als Studienplätze. Beim Fach Medizin ist der Andrang besonders groß, weil jedes Jahr viele Abiturient*innen einen Platz wollen – und die Unis nur eine begrenzte Anzahl zulassen dürfen. Das Ergebnis: ein extrem hoher NC, der in vielen Semestern im Bereich von 1,0 bis 1,2 liegt.
Wichtig ist zu verstehen: NC und Abiturdurchschnitt haben nicht dieselbe Bedeutung.
Dein Abiturdurchschnitt
...ist der Schnitt, den du persönlich im Zeugnis für deine Leistungen im Abitur bekommen hast.
Der NC
... ist in der Regel die Auswahlgrenze aus dem Bewerbungsverfahren des Vorjahres. Er zeigt dir also, welche Note im Vorjahr ausgereicht hat, um an einer bestimmten Uni zugelassen zu werden.
Der NC ist deutschlandweit nicht einheitlich, sondern variiert nach Bundesland. Deshalb solltest du dich immer an der Abiturpunktzahl deines eigenen Bundeslands orientieren – dort konkurrierst du direkt mit deinen Mitschüler*innen.
Ein häufiger Fehler ist, den NC als „starre Grenze“ zu verstehen. Tatsächlich zeigt der NC nur den Wert an, bis zu dem im letzten Verfahren Bewerber*innen zugelassen wurden. Das bedeutet: Der NC kann von Jahr zu Jahr auch schwanken – und es lohnt sich, genauer hinzusehen.
Zum Beispiel: An Unis mit dem höhsten NC wie der Charité in Berlin, Heidelberg oder Münster schwankt der NC seit Jahren wenig bis kaum und bleibt stabil bei einer sehr hohen Punktzahl. An anderen Unis kann es aber im Vergleich leichte Abweichungen geben. Um wirklich alle Chancen optimal auszukosten, solltest du dich – ja, das ist möglich! - für alle Unis bewerben. Vergiss jedoch nicht, sie deinen Wünschen nach zu priorisieren, um entsprechend berücksichtigt zu werden.
Tabelle 1: Medizin NC Bundesländer 2024/2025 für die Abiturbestenquote (Quelle: Hochschulstart)
An Tabelle 1 erkennst du bereits, dass sich Tendenzen herauskristallisieren, - trotz Unterschiede im Abitur der Bundesländer - an welchen Hochschulen es eher schwieriger ist, für Humanmedizin angenommen zu werden. Dazu gehören sicherlich die Unis Münster und Heidelberg sowie die Charité.
An Unis wie Saarbrücken, Greifswald, Rostock oder Magdeburg könntest du in der Abiturbestenquote je nach Bundesland und Abiturschnitt bessere Chancen haben.
Beratungsbox
Um auf Nummer sicher zu gehen, kannst du dich bei Hochschulstart für alle Hochschulen, die Humanmedizin anbieten, bewerben, um tatsächlich überall berücksichtigt zu werden. Vergiss jedoch nicht, sie entsprechend deinen Wünschen zu priorisieren.
Falls du mit Blick auf die Punktzahl in der Abiturbestenquote jedoch jetzt schon merkst, dass es an wirklich allen Unis sehr knapp für dich werden könnte, kein Stress - wie du deine Chancen optimierst, erfährst du im Folgenden.
Ist wirklich nur die Abiturnote entscheidend?
Viele Schüler*innen denken: „Wenn ich kein 1,0 Abi habe, kann ich Medizin vergessen.“ Doch das stimmt so nicht. Dein Abiturdurchschnitt ist zwar wichtig, aber er ist längst nicht der einzige Faktor bei der Studienplatzvergabe bei den staatlichen Hochschulen: Nur 30 % der Studienplätze werden über die Abiturbestenquote vergeben.
Gerade seit den Änderungen im Auswahlverfahren können Bewerber*innen mit einem niedrigeren Abi-Schnitt mittlerweile auch gute Chancen haben: Über die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) und das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) im Quotenmodell von Hochschulstart kannst du auch ohne Top-Note einen Platz bekommen.
Für Zweitstudienbewerber*innen gelten zudem gesonderte Regelungen, insbesondere bei der Quotenvergabe (siehe die Vorabquote), sodass hier je nach Hochschule andere Kriterien entscheidend sein können.
Die Hochschulen verteilen individuell max. 100 Punkte je Bewerber*in für verschiedene Kriterien. In der ZEQ zählen nur schulnotenunabhängige Kriterien, beim AdH müssen es für Humanmedizin mindestens zwei schulnotenunabhängige Kriterien sein, neben der Abiturnote.
Punkte kann es hier zum Beispiel geben für:
- den TMS (Test für Medizinische Studiengänge),
- ein Interview,
- eine abgeschlossene Ausbildung im Gesundheitswesen,
- eine anerkannte Berufstätigkeit,
- freiwillige Dienste wie FSJ oder Bundesfreiwilligendienst.
Das bedeutet: Selbst mit einem Abitur von zum Beispiel 2,0 hast du noch Möglichkeiten, Medizin zu studieren – solange du bereit bist, dich entsprechend vorzubereiten bzw. zu informieren. Außerdem: Sobald du dich bei Hochschulstart bewirbst, wirst du automatisch für die drei Hauptquoten berücksichtigt.
Manche Unis setzen stark auf den TMS oder geben Punkte für eine medizinische Ausbildung, andere orientieren sich fast ausschließlich an der Abiturnote. Deshalb lohnt es sich, deine Wunsch-Unis genau zu vergleichen und welche Uni wie viele Punkte für die jeweiligen Kriterien verteilt. So kannst du schauen, ob es sich für dich lohnen könnte, z. B. einen Freiwilligendienst zu absolvieren oder dich eher auf Unis zu konzentrieren, die besonders viele Punkte für den TMS vergeben.
Online findest du einige Medizin-NC-Rechner. Diese können dir eine Orientierung geben, wie viele Punkte du im TMS für welche Uni erzielen musst – aber Achtung: Sie ersetzen keine verbindlichen Angaben! Hilfreich kann z. B. der MediRanger sein oder die NCrechner-App.
Quick Wins: Welchen Abi-Schnitt brauche ich fürs Medizistudium
„Kann ich Medizin studieren, wenn mein Abi nicht perfekt ist?“ – die Antwort auf die Frage kennst du ja jetzt schon: Es gibt Wege, auch mit niedrigerer Abiturpunktzahl auf einen Studienplatz zu kommen.
➡️ Kann man mit 1,0 Medizin studieren?
Ein Abitur von 1,0 verschafft dir natürlich die besten Chancen – sehr viele Unis würden dich zulassen. Aber Achtung: Insbesondere renommierte Unis wie die in Münster, Heidelberg und Charité lassen in der Abiturbestenquote nur Studieninteressierte mit einer besonders hohen Punktzahl zu.
Learnings: Bevor du dich nur für eine Hand voll Hochschulen bewirbst, prüfe auf Basis der Punktzahl genau, ob diese dich - trotz 1,0 Schnitt - auch zulassen würden.
➡️ Kann man mit 1,6 Medizin studieren?
Abiturpunktzahlen zwischen 1,5 und 1,6 gelten immer noch als sehr solide! Du bist damit konkurrenzfähig und kannst in den anderen Quoten neben der Abiturbestenquote berücksichtigt werden - vor allem, wenn du dich ordentlich auf den TMS vorbereitest oder zusätzlich Erfahrung durch ein FSJ angeben kannst.
Learnings: Tools wie der MediRanger oder die ncrechner-App können dir eine Orientierung geben, bei welchen Hochschulen du mit deinem TMS-Ergebnis (oder anderen Kriterien) optimale Chancen hast.
➡️ Kann man mit 2,0 oder 2,5 Medizin studieren?
Mit einem Abi zwischen 2,0 und 2,5 wird es deutlich enger, aber nicht unmöglich - die richtige Vorbereitung kann hier den Unterschied machen!
Learnings: Du solltest dich bestmöglich auf den TMS vorbereiten, und je nach Abiturpunktzahl in Erwägung ziehen, dich als Plan B für einen Freiwilligendienst o. Ä. zu bewerben. Somit kannst du eventuelle Wartezeiten gut nutzen, Erfahrung sammeln und in der nächsten Bewerbungsrunde mehr Punkte sammeln.
Prüfe unbedingt auch “kleinere” Unis und ihre NCs - vielleicht kannst du Kompromisse eingehen, um einen Medizinstudienplatz ergattern zu können. Vergiss außerdem nicht, dass es nach der Vergabe der Studienplätze bei Hochschulstart noch das Koordinierte Nachrückverfahren und vereinzelt Losverfahren auf den Websites der Hochschulen gibt, wofür du dich anmelden solltest!
➡️ Kann man mit 3,0 oder 4,0 Medizin studieren?
„Kann man mit 3,0 Abi Medizin studieren?“ – die Antwort lautet: Vielleicht, aber möglicherweise musst du hierbei etwas um die Ecke denken und umplanen.
Learnings: Gib nicht zu schnell auf! Es gibt einige Alternativen, die du beachten kannst:
- Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) beachten bzw. sich durch anderweitige Qualifikationen darauf vorbereiten: Hier gelten je nach Uni diverse Kriterien, um die Medizinstudierenden auszuwählen.
- TMS oder den jeweiligen relevanten Eignungstest bestmöglich vorbereiten
- Koordiniertes Nachrücken von Hochschulstart
- Losverfahren der Hochschule (auf deren Website)
- Medizin im Ausland studieren (z. B. in Polen oder Ungarn)
- Medizin über die Bundeswehr studieren
- Medizin über die Landarztquote studieren (falls du schon mehr Berufserfahrung vorweisen kannst)
- Privatuniversitäten in Deutschland
- Freiwilligendienst und/oder Ausbildung im Gesundheitsbereich absolvieren, die im nächsten Verfahren Punkte im Auswahlverfahren bringt
Lass dich nicht entmutigen: Es gibt viele Wege, Medizin zu studieren - solange du motiviert bist und deine Chancen nutzt.


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