Tiermedizin ist nicht der einzige Studiengang bei Hochschulstart, bei dem der Numerus Clausus (NC) bei vielen Abiturient*innen zunächst für Verwirrung sorgen kann. Grundsätzlich gilt: Der NC ist kein festgelegter Notendurchschnitt, den man unbedingt erreichen muss, sondern das Ergebnis eines Auswahlverfahrens. Kein Stress also - er zeigt rückblickend an, mit welchem Abischnitt Bewerber*innen im letzten Vergabezyklus einen Studienplatz erhalten haben und kann dir dementsprechend eine gute Orientierung geben.
Deshalb ist die häufig gestellte Frage „Was ist die Mindestnote für Veterinärmedizin?“ nicht so einfach zu beantworten. Zwar lagen die NC-Werte in den vergangenen Jahren meist zwischen 1,0 und 1,5, aber auch mit einem “schlechterem Abi-Schnitt hast du gute Chancen – durch alternative Quoten und Kriterien, die nicht allein von deinem Abischnitt abhängen. Mit unserem Guide kannst du dich optimal auf deine Bewerbung vorbereiten, ohne dich schon vor einer Zulassung verrückt zu machen.
Tiermedizin: Hochschulen in Deutschland
In Deutschland kannst du Tiermedizin bisher an fünf staatlichen Hochschulen studieren, bei denen du dich über das DoSV-Bewerbungsportal von Hochschulstart bewirbst:
- Freie Universität Berlin (Berlin)
- Justus-Liebig-Universität Gießen (Gießen)
- Tierärztliche Hochschule Hannover (Hannover)
- Universität Leipzig (Leipzig)
- Ludwig-Maximilians-Universität München (München)
Welchen Abi-Durchschnitt braucht man für Tiermedizin?
Die Studienplätze in der Tiermedizin gehören zu den begehrtesten in Deutschland – entsprechend hoch liegt der Numerus Clausus. In den letzten Jahren bewegten sich die Werte in der Abiturbestenquote meist zwischen 1,0 und 1,5. Wer einen Schnitt von 1,0 bis 1,1 erreicht hat, hatte die besten Chancen auf eine direkte Zulassung. Ab 1,3 wurde es bereits sehr eng und hing stark vom Bundesland und der konkreten Vergaberunde ab.
Wichtig zu wissen: Der Abi-Durchschnitt muss nicht allein entscheidend sein. Das zentrale Vergabeverfahren über Hochschulstart berücksichtigt neben der Abiturbestenquote auch die Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) und die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ). Hier spielen oft zusätzliche Kriterien wie TMS-Ergebnisse oder eine Ausbildung eine Rolle.
Deshalb lautet die Antwort auf die Frage „Welchen Abi-Durchschnitt braucht man für Tiermedizin?“ oder „Was für ein Abitur braucht man, um Tierarzt zu werden?“: In der Regel solltest du mindestens eine sehr gute 1-Komma-Note mitbringen – aber auch mit etwas schlechterem Schnitt gibt es Chancen, über die anderen Quoten oder über alternative Wege wie das Ausland oder private Hochschulen.
Tabelle 1: NC-Werte im Wintersemester 2024/25 für Tiermedizin (Quelle: Hochschulstart)
Schau dir also im ersten Schritt direkt an, ob du über die Abiturbestenquote eine Chancen haben würdest, das heißt: Ist deine Punktzahl so gut bzw. hoch, dass du zu den 30 % besten der Bewerbenden gehört hättest bisher? Die aktuellen NC-Werte findest du im Download-Bereich bei Hochschulstart oder hier in Tabelle 1.
Wenn dies eher nicht der Fall ist, kein Problem: Dein größter Hebel wird vermutlich der TMS sein - ein Studieneignungstest, mit dem du in den zwei weiteren Vergabequoten wortwörtlich punkten kannst.
Chancenanalyse: Wie funktioniert ein NC-Rechner?
Ein NC-Rechner sammelt die Abiturnoten der Vorjahre und berücksichtigt die quotierten Vergabeverfahren (Abiturbestenquote, Auswahlverfahren der Hochschulen, Zusätzliche Eignungsquote).
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Du gibst dein Bundesland, deine Abiturpunktzahl und ggf. weitere Qualifikationen ein (z. B. Berufsausbildung, TMS-Ergebnis).
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Der Rechner zeigt dir deine Chancen auf Zulassung an den einzelnen Standorten, die Tiermedizin anbieten.
So kannst du mit einem “NC Rechner“ schon früh einschätzen, wo deine Chancen am höchsten stehen und gezielt Strategien für deine Bewerbung entwickeln. Hochschulstart bietet den sogenannten MediRanger bisher nur für Human- und Zahnmedizin an. Mit der App ncrechner kannst du allerdings auch für Tiermedizin prüfen, ob du mit deinem Abitur tendenziell in der Abiturbestenquote berücksichtigt werden kannst, und wie hoch z. B. dein TMS-Testergebnis sein muss, um deinen Abiturschnitt für die anderen Quoten ausbessern zu können.
Quotenmodell: Abiturbestenquote, Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) und Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ)
Wer Tiermedizin an einer staatlichen Hochschule in Deutschland studieren möchte, bewirbt sich im DoSV-Bewerbungsportal über Hochschulstart. Dabei gibt es nicht „den einen NC“, sondern drei zentrale Quoten, nach denen die Studienplätze vergeben werden:
1. Abiturbestenquote (30 %)
- Die besten Abiturient*innen eines Jahrgangs können sich in dieser Quote direkt einen Platz sichern.
- Hier reicht meist je nach Hochschule und Jahrgang ein Abi von 1,0 bis 1,3. Little Reminder: Es gibt unterschiedlich kompetitive Hochschulen - schaue dir im Zweifelsfalle die genaue Punktzahl der NC-Werte des Vorjahres an, um deine Chancen gut einschätzen zu können.
2. Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ, 10 %):
Mit dieser Quote haben auch Bewerber*innen mit niedriger Abiturpunktzahl eine sehr reale Chance, je nachdem, wie die jeweilige Uni die Kriterien gewichtet. Insgesamt kannst du 100 Punkte erreichen.
Beachte dabei, dass es insbesondere für Dienstzeiten, Ehrenämter, Berufsausbildungen sowie Berufstätigkeiten Mindestlaufzeiten gibt. Hast du beispielsweise einen Freiwilligendienst absolviert, muss dieser mindestens 11 Monate gedauert haben. Bei einem Ehrenamt (z. B. beim ASB, bei der DLRG oder den Johannitern) musst du mindestens zwei Jahre nachweisen können. In der ZEQ zählt also nicht die Abiturnote, sondern zusätzliche Kriterien wie:
- Studieneignungstests, wie der TMS (Test für Medizinische Studiengänge)
- Berufsausbildung und Berufstätigkeit im Gesundheitswesen
- Dienstzeiten wie Bundesfreiwilligendienste, ehrenamtliche Tätigkeiten oder andere Dienste im Ausland
- Preise im MINT-Bildungskontext (z. B. Jugend forscht, MINT-Olympiaden)
Wenn du in dieser Quote berücksichtigt werden willst, solltest du unbedingt den TMS absolvieren: Alle Unis geben bewerten den Studieneignungstest sehr hoch (max. 50-60 Punkte). Die Uni Leipzig kann dir sogar max. 90 Punkte für ein besonders gutes Testergebnis geben.
3. Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH, 60 %)
Wie du siehst, wird der größte Anteil der Studienplätze über diese Quote vergeben. Beim AdH legt jede Uni ihre eigenen Kriterien neben der Abiturnote fest. Verpflichtend bei Tiermedizin soll mindestens ein Kriterium nicht von der Schulnote abhängig sein - welches das ist, entscheidet die jeweilige Hochschule selbst. Ähnlich wie bei der ZEQ gelten Studieneignungstests, bestimmte Berufsausbildungen sowie Berufstätigkeiten, durch die du max. 100 Punkte erzielen kannst. Ehrenämter, Dienste und Preisträger werden in dieser Quote bei Tiermedizin bisher nicht berücksichtigt.
Typisch: Mischung aus Abiturnote, TMS-Ergebnis, einschlägiger Berufserfahrung.
Falls du den TMS besonders gut absolviert hast, könnte Hannover ein interessanter Standort für dich sein: Hier gibt es im AdH für ein TMS-Ergebnis maximal 40 Punkte.
Wenn du bereits relevante Berufserfahrung vorweisen kannst, solltest du dir die Uni Leipzig genauer anschauen, die im AdH dieses Kriterium mit max. 20 Punkten belohnt.
Für Zweitstudienbewerber*innen gelten gesonderte Regelungen, insbesondere bei der Quotenvergabe (siehe die Vorabquote), sodass hier je nach Hochschule andere Kriterien entscheidend sein können.
Gibt es ein Tiermedizinstudium ohne NC?
Viele angehende Tiermedizinstudierende fragen sich: „Ist es möglich, Tiermedizin ohne NC zu studieren?“ Tatsächlich gibt es Wege, auch ohne Top-Abiturnote einen Studienplatz zu bekommen – wenn auch mit Einschränkungen.
Private Hochschulen und Studium im Ausland
Einige private Hochschulen in Deutschland oder europäischen Nachbarländern bieten Tiermedizin teilweise ohne strikten NC an. Beliebte Alternativen können zum Beispiel Ungarn, Österreich oder die Schweiz mit Standorten in Bern und Zürich. Dort können Zulassungsvoraussetzungen anders aussehen, zum Beispiel durch Eignungstests.
Wichtig: Die Studiengebühren können oft höher ausfallen als in Deutschland, und du solltest die spätere Anerkennung in Deutschland (Approbation) überprüfen – insbesondere wenn du dich für ein Studium außerhalb Europas entscheiden solltest.
Landtierarztquote
In Bayern gibt es eine Sonderquote für Landtierärzte. Bewerber*innen, die später in einer Nutztierpraxis arbeiten möchten, können über diese Quote auch mit weniger Abiturpunkten einen Studienplatz erhalten. Diese Optionen machen es möglich, das Studium „Tiermedizin NC frei“ zu beginnen, auch wenn die klassische Abiturbestenquote nicht erreicht wird, dafür aber bereits Berufserfahrung vorweisen kannst.
Allerdings bist du bei dieser Sonderquote - ähnlich wie bei der Landarztquote - mit konkreten Verpflichtungen verbunden, über die du dich im Vorfeld unbedingt informieren solltest.
Fazit – Dein Weg ins Tiermedizinstudium trotz hohem NC
Ein Studienplatz in der Tiermedizin mag auf den ersten Blick unerreichbar erscheinen – besonders wenn der Abiturschnitt nicht perfekt ist. Doch die Realität zeigt: Es gibt mehr Wege, als du denkst.
Zusammenfassungsfeld
Der NC ist nur ein Richtwert, keine starre Grenze. 30 % der Plätze gehen über die Abiturbestenquote, 60 % über die Auswahlverfahren der Hochschulen und 10 % über die zusätzliche Eignungsquote, bei der Noten keine Rolle spielen.
- Motivation: Wer sich gut vorbereitet, Fristen einhält und den TMS gut vorbereitet und ernst nimmt, kann seine Chancen erheblich steigern.
- Strategie: Schöpfe deine Möglichkeiten voll aus und gebe bei deiner Bewerbung alle fünf Hochschulen an. Vergiss außerdem nicht, dich - falls du leer ausgegangen bist - beim Koordinierten Nachrückverfahren anzumelden, um hier nochmal von Restplätzen profitieren zu können.
- Alternativen: Private Hochschulen, Auslandsoptionen oder die Landtierarztquote in Bayern eröffnen Chancen, auch ohne Top-Abitur.
Dein Weg ins Tiermedizinstudium hängt also nicht allein vom Abischnitt ab – Vorbereitung, Strategie und Engagement sind mindestens genauso wichtig. Mit der richtigen Vorbereitung kannst du deinen Traum, Tierarzt bzw, Tierärztin zu werden, Wirklichkeit werden lassen.


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